mini|hochkant|Mordechai Golinkin in der Nähe des Casino Galei-Aviv (1928) mini|hochkant|Russalka von Alexander Dargomyschski in der Palestine Opera unter Mordechai Golinkin (1926) mini|hochkant|Mordechai Golinkin (links) mit Fjodor Fjodorowitsch Schaljapin (1962) Mordechai Golinkin (, ; geboren 21. März 1875 in Islutschyste, Russisches Kaiserreich; gestorben 20. November 1963 in Rischon LeZion, Israel) war ein ukrainisch-israelischer Musiker und Musikmanager.

Leben Mordechai Golinkin studierte bis zum Abschluss 1896 Komposition und Dirigieren am späteren Warschauer Konservatorium. Danach wirkte er 15 Jahre im Kaiserreich als Dirigent in Rostow am Don, Perm, Kiew, Charkow, Tiflis, Kasan und Saratow. 1911 bis 1917 arbeitete er als Chorleiter-Assistent und Dirigent am Mariinski-Theater in Petrograd, wo er zum Einstand Meyerbeers Hugenotten leitete. Im Zuge der Russischen Revolution betrieb er ab 1918 von Odessa aus seine Ausreise nach Palästina und sammelte Geld für eine Oper dort. Auch Fjodor Iwanowitsch Schaljapin unterstützte dieses Projekt und gab dazu im April 1918 in Petrograd ein Benefizkonzert, u. a. mit jiddischen Liedern und der haTikwa.

Golinkin emigrierte 1923 aus der Sowjetunion nach Palästina. Dort brachte er bereits im ersten Jahr im Saal des Eden-Kino in Tel-Aviv Verdis Oper La Traviata auf die Bühne. Er gab die Oper auch in Haifa und Jerusalem in provisorischen Sälen. Golinkin begann mit vier Solisten und acht Chorsängern. In der vierten Saison 1927 hatte Golinkin mit Zeitverträgen 15 Solisten engagiert, der Chor hatte 30 Mitglieder, im Orchester spielten 26 Instrumentalisten, fürs Ballett hatte er 15 Tänzerinnen. Dazu kamen Bühnenmaler, Bühnenarbeiter, Übersetzer und anderes Personal.Lühe, S. 298f.

Die Oper hatte in der ersten Saison 40.000 Besucher, in der dritten 53.000 Besucher. Zwischen 1923 und 1927 wurden 17 europäische Opern aufgeführt, die Golinkin alle ins Iwrith übersetzen ließ. Die aus Europa eingewanderten Sänger allerdings und auch Golinkin selbst beherrschten diese Fremdsprache kaum.

Da in Palästina eine wirtschaftliche Depression herrschte, musste Golinkin sein Projekt aus finanziellen Gründen 1927 einstellen. Auch seine Vision eines Kunsttempels und einer Künstlerkommune auf dem Lande konnte er nicht in die Realität umsetzen. Da die Gagen die Lebenshaltungskosten nicht decken konnten, mussten die Künstler und Bühnenarbeiter sich um andere Verdienstmöglichkeiten und andere Lebensräume kümmern.

Im Jahr 1931 startete Golinkin einen neuen Versuch und brachte mit Unterstützung von Bronislaw Hubermann, Jascha Heifetz und anderen den Zigeunerbaron heraus, eine anschließende Fundraising-Reise Golinkins in die USA brachte allerdings keine substanziellen Ergebnisse, und so blieb das Projekt eines Opernhauses in Palästina weiterhin ein Wunschtraum. 1935 inszenierte er noch den Barbier von Sevilla.

Als im November 1947 unter politisch und gesellschaftlich geänderten und gleichwohl schwierigen Verhältnissen die US-amerikanische Sopranistin Edis De Philippe einen neuen Versuch zur Gründung eines Opernhauses startete, schloss Golinkin sich ihr an und arbeitete als Dirigent bis in die 1950er Jahre in der Israeli Opera.

Schriften (Auswahl) The Temple of Art. I. Vision of the Hebrew Art Temple in Palestine. II. Four Years of Opera Work in Palestine. Tel Aviv: Pro Opera Building Committee, 1928 From the Temples of Japheth to the Tents of Shem: Memoires. Tel Aviv, 1957 (he)

Literatur Barbara von der Lühe: Die Emigration deutschsprachiger Musikschaffender in das britische Mandatsgebiet Palästina. Ihr Beitrag zur Entwicklung des israelischen Rundfunks, der Oper und Musikpädagogik seit 1933. Frankfurt am Main: Lang, 1999, ISBN 978-3-631-33510-9 Mordechai Golinkin and the Palestine opera (1927), aus: Haaretz, 23. August 1927. In: Eran Kaplan: Origins of Israel, 1882–1948 : A Documentary History. Übersetzung ins Englische Marganit Weinberger-Rotman. Madison: University of Wisconsin Press, 2014, S. 194f. Anat Feinberg: Die erste »Erez-Israelische Oper« in »Altneuland«, in: Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden. Berlin: de Gruyter, Bd. 33 (2023), 2, , S. 341–380 Jehoash Hirshberg: Music in the Jewish community of Palestine 1880–1948. A social history. Oxford: Clarendon Press, 1995, ISBN 0-19-816242-1

Weblinks

Mordechai Golinkin, bei The National Library of Israel (he) Yemima Gottlieb: Golinkin, Mordecai, bei encyclopedia.com (en)

Einzelnachweise

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