mini|Bernard Pagès (1995)

Bernard Pagès (* 21. September 1940 in Cahors) ist ein französischer Bildhauer, Assemblage- und Objektkünstler, Aktionskünstler sowie Maler.

Leben Bernard Pagès begann 1959 seine künstlerische Ausbildung im Atelier d’Art sacré in Paris, wo er Malerei und Zeichnen studierte. Den entscheidenden Wendepunkt in seiner Karriere markierte im Jahr 1965 der Besuch des rekonstruierten Ateliers von Constantin Brâncuși im Musée d’Art moderne de la Ville de Paris (MAMVP). Dieser Besuch veranlasste ihn, sich der Bildhauerei zuzuwenden. 1967 wurde er auf die Nouveaux Réalistes aufmerksam. Durch den Kunstkritiker Jacques Lepage und den Künstler Claude Viallat kam er mit der Gruppe Supports/Surfaces in Kontakt, mit der er ab 1968 ausstellte und 1970 abrupt brach. Bernard Pagès ließ sich daraufhin in Coaraze bei Nizza nieder und arbeitete fortan abseits des Pariser Kunstbetriebs. Die Phase der Isolation endete 1974 mit seiner Teilnahme an der bedeutenden Wanderausstellung La nouvelle peinture en France (u. a. Musée d’Art et d’Industrie de Saint-Étienne, Saint-Étienne). 1975 folgte seine erste Einzelausstellung in der Galerie Éric Fabre in Paris. Seit 1971 lebt er in Contes im Département Alpes-Maritimes.

Werk Anfänge und Materialästhetik Bernard Pagès’ Schaffen ist von einer Neigung zu autarker Lebensweise und zur Beschränkung auf elementare Materialien geprägt, wodurch eine Verbindung zum Nouveau Réalisme entsteht. Ab 1966 fertigte er mit selbstgebautem Werkzeug erste Arbeiten in Holz, Ton und Gips. Für seine Arrangements verwendete er bald auch Fundstücke wie Äste, Baumscheiben und Wurzeln sowie Naturstein, Metall und Baustoffe wie Ziegel, Mörtel, Zement und Kies. Hinzu kamen Abbruchmaterialien wie Dachbinder, Holzbohlen und Mauerwerksfragmente. Aus neben- und aufeinandergestapelten, zumeist naturbelassenen Elementen entwickelte er variantenreiche, säulenartige Objekte.

Arbeiten auf Papier Seit der Einladung von Jacques Lepage zur Mitarbeit an der Publikation Dossier 68, für die Pagès ein Drahtgitter mit Ton und Leinöl auf Papier fixierte, beschäftigt er sich ab 1968 mit Arbeiten auf Papier. Diese gestaltete er mit bildhauerischen Mitteln, jedoch ohne grafische Techniken. In Anlehnung an die Écriture automatique ordnete er zeichenhafte Strukturen aus Drahtgeflecht in Gruppen an und druckte sie mit roter oder schwarzer Farbe auf Papier (Empreinte de grillage triple torsion, 1974, Privatsammlung). Von Laubblättern, Ästen, Erde und Sand fertigte Pagès Abdrücke mit farbgetränkten Schwämmen, Tupfern, Händen oder Fingerkuppen (Empreinte d’assemblage par jumelage, farbige Tusche, 1972, Privatsammlung). Später kamen Monotypien nach in Stein gravierten Strukturen und geometrischen Formen hinzu (Empreintes de pierre taillée, 1989, Privatsammlung). Im Jahr 2015 wurden erstmals Arbeiten auf Papier öffentlich präsentiert, die durch aktuelle Abdrücke von korrodierten Stahlplatten ergänzt wurden (Antibes, Musée Picasso).

Skulptur und Assemblage Ab 1970 experimentierte Bernard Pagès mit Holzpflöcken (Serie Piquets), aufgehäuftem Kies und bis zu drei Meter hoch aufgetürmten, totemartigen Assemblagen. Von 1979 bis 1985 entstand die umfangreiche Serie Colonnes, in der er das Spiel mit Materialien auf perforierte Kanister ausweitete (Colonne 1985 I, Sammlung Pagès). 1989 erhielt er von der Stadt Paris zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution den Auftrag für die Colonne de l’Hôtel d’Albret im Hof des Hôtel d’Albret. Seit etwa 1990 entstehen dynamische Assemblagen in stark schräg geneigten Positionen (Le Dévers à la torsade, 1996, Aix-Marseille Université, Faculté des Sciences et Droits, Aix-en-Provence). Nach 2000 kehrte er zu Fundstücken zurück (Pal aux Boucles, Olivenholz, 2003) und reaktivierte ausrangierte Maschinen- und Fahrzeugteile durch Verfremdung (L’Amazone, korrodierter Motorradrahmen, 2010).

Aktionen im öffentlichen Raum Ab 1978 folgten Aktionen im Freien, darunter ein aus 1200 Ziegelsteinen gebautes Bett im Centre Américain und ein Parcours mit farbig bemalten Bäumen in Neuenkirchen in der Lüneburger Heide. Seit 1979 erhielt Bernard Pagès zahlreiche Aufträge für den öffentlichen Raum, beginnend mit Wandmalereien im Musée de l’Abbaye Sainte-Croix in Les Sables-d’Olonne.

Werke in Museen (Auswahl) Antibes, Musée Picasso Antwerpen, Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen Bordeaux, CAPC Musée d'Art Contemporain, Entrepôt Lainé Les Sables-d’Olonne, Musée de l’Abbaye Sainte-Croix Marseille, Musée Cantini Montpellier, FRAC Languedoc-Roussillon Nizza, Musée d'Art Moderne et d'Art Contemporain Paris, Musée d’Art moderne de la Ville de Paris Paris, Musée national d’Art moderne (Centre Pompidou) Paris, Fonds national d’art contemporain (FNAC) Saint-Étienne, Musée d'Art Moderne Île de Vassivière, Centre international d’art et du paysage

Werke im öffentlichen Raum (Auswahl) Caracas, Place Francia, 1988 Épinal, Palais de Justice, Vorplatz, 2000–2001 Èze, Manufacture Fragonard, 1991 La Roche-sur-Yon, Place du Théâtre, 1986 Limoges, Universität, 2005 Marseille, Bibliothèque de l’Alcazar, 2002–2004 Nizza, Caserne Rusca, 1994

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen: 1976 Saint-Étienne, Musée d’Art et d’Industrie (mit Toni Grand); 1980 Paris, Galerie Beaudouin-Lebon; 1982 Paris, Centre Pompidou (Wanderausstellung); 1984–85 Bordeaux, CAPC, Entrepôt Lainé; seit 1985 Saint-Paul-de-Vence, Galerie Catherine Issert; 1987 Céret, Musée d’Art Moderne; 1991 Brüssel, Galerie 340, und Saarbrücken, Stadtgalerie; 1992 Herzlia, Museum of Contemporary Art; 1995–96 Cahors, Musée de Cahors Henri-Martin, und Nizza, Musée Matisse; 2002 Vence, Schloss Villeneuve; 2006 und 2011 Nizza, Musée d'Art Moderne et d’Art Contemporain; 2016 Marseille, Galerie Béa-Ba. Gruppenausstellungen: 1975 Paris, Biennale; 1998 Céret, Musée d’Art Moderne: Le Bel Âge, Supports-Surfaces; 2005 Antwerpen, Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen: The Collection XII (Wanderausstellung).

Literatur Jean-Pierre Delarge: Dictionnaire des arts plastiques modernes et contemporains. Gründ, Paris 2001. André Alauzen: Dictionnaire des peintres et sculpteurs de Provence. Jeanne Laffitte, Marseille 2006. Xavier Girard: Bernard Pagès. Ausstellungskatalog, Centre régional d'art contemporain de Midi-Pyrénées, Labège 1989. Bruno Duborgel: Bernard Pagès. Éditions de la Différence, Paris 1991. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 10: Müller – Pinchetti. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009. James Sacré: Bernard Pagès. Élancées de fêtes, mais tenant au socle du monde. La Pionnière / Pérégrines, Droue-sur-Drouette 2009.

Weblinks

Ceysson & Bénétière Centre Pompidou ArtForum Bernard Pagès: The Raw Language Of Matter

Einzelnachweise

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