Aatiallah ist ein Märchen der Berber (AaTh 841: Die beiden Bettler).Uwe Topper (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1986, S. 181–185, 251.

Handlung Ein tyrannischer König eines Landes hat den Menschen verboten, bei Einbruch der Nacht die Häuser zu verlassen. Er selbst aber geht, zusammen mit seinem Wesir, jede Nacht in den Gassen der Stadt umher, um zu sehen, ob sich die Menschen seinem Befehl beugen. Da entdeckt er einmal in einem Laden drei Haschischraucher, zu denen er sich gesellt, und als diese zu rauchen beginnen, fangen sie an zu erzählen. Der erste meint, dass, wenn er die Königstochter zur Frau bekäme und ein mit Geschenken beladenes Pferd, er das Land verlassen würde. Der zweite erzählt gleiches, wobei er die Wesirstochter gerne als Frau hätte. Der dritte aber wünscht sich nichts anderes als das, was Allah ihm schenkt.

Am nächsten Morgen werden die drei Männer zum König gerufen, woraufhin die ersten beiden mit den ausgestatteten Töchtern von König und Wesir verheiratet werden. Dem dritten aber soll in aller Öffentlichkeit der Kopf abgeschlagen werden, um zu sehen, was Allah ihm schenke. Dieser Mann heißt Aatiallah, was „Allah gib mir“ bedeutet, und als ihm gewährt wird, noch einmal in der Moschee zu beten, tut sich in dieser eine Spalte auf, durch die er entkommen und das Land verlassen kann.

Später trifft er auf seine beiden Freunde und deren Frauen und er schließt sich ihnen an. Die beiden Bräutigame trinken jedoch von einer giftigen Wasserquelle, wodurch sie sterben und Aatiallah alleine mit deren Frauen weiterzieht. In einer Ortschaft angelangt, zeigen ihm die Einwohner eine verlassene Burg, die verzaubert sei und in der zu nächtigen noch nie einer überlebt habe, doch Aatiallah kehrt mit den beiden Frauen in diese ein. Im Keller der Burg begegnet er daraufhin einem Ifrit, der sich nach seinem Namen erkundigt und nach der Antwort meint, dass er schon seit langem auf ihn warte und Aatiallah dazu bestimmt sei, die Burg zu beherrschen. Die Einwohner der Ortschaft sind am nächsten Morgen überrascht vom Überleben der drei Unvorsichtigen, und als Aatiallah ihnen etwas von der in der Burg gelagerten Gerste, den Oliven, den getrockneten Feigen und den Weizenkörnern sowie dem Gold und den Edelsteinen schenkt, macht er sie sich zu Freunden.

Nach drei Jahren kommt es im Land des tyrannischen Königs zu einer Hungersnot, sodass dieser und der Wesir aufbrechen, um Nahrung zu besorgen. Sie erreichen die Burg Aatiallahs, wo ihre Töchter sie erkennen und das Geschehene erzählen und sie Aatiallah daraufhin um Verzeihung bitten sowie ihm dazu das Königreich anbieten. Aatiallah aber entschließt sich dafür, in seiner neuen Heimat zu bleiben, an dem Ort, wo alle ihn lieben.

Hintergrund Das Märchen wurde von Abdullah Unwer erzählt und erhielt in Uwe Toppers Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber (Köln 1986) den Titel Aatiallah. Nach Topper erinnere der erste Teil an ein arabisches Märchen. Der Großteil sei jedoch berberischer Herkunft, wie etwa an der Gerste, die an erster Stelle genannt wird und das Grundnahrungsmittel der Berber ist, zu erkennen sei. Auch seien die getrockneten Feigen typisch berberisch, wohingegen bei den Arabern Datteln bevorzugt werden. Zudem sei Aatiallahs Keuschheit gegenüber Frauen typisch berberisch und unarabisch.

Literatur Uwe Topper (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1986, S. 181–185, 251.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen