mini|Patrick Saytour: Trophée, 2004. Ausgestellt 2006 in der Galerie Bernard Ceysson, Saint-Étienne, Frankreich Patrick Saytour (* 18. September 1935 in Nizza; † 15. August 2023 in Aubais) war ein französischer Maler, Zeichner, Bildhauer und Installationskünstler. Er lebte und arbeitete in Aubais bei Nîmes. Patrick Saytour erhielt seine künstlerische Ausbildung an der École des arts décoratifs in Nizza sowie an der École Camondo in Paris. Von 1968 bis 1971 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Bewegung Supports/Surfaces. Ab 2003 hatte er eine Professur an der École des beaux-arts de Montpellier inne.
Werk
Ausgangspunkte und frühe Entwicklung Von Beginn seines künstlerischen Schaffens an beschäftigt sich Patrick Saytour mit den etablierten Normen der Bildenden Kunst und untergräbt diese in Bezug auf Materialwahl und Präsentationsweise. Der Prozess der Dekonstruktion bildete seit den 1960er Jahren bis zu seinem Tod seinen zentralen Zugang zu Malerei, Assemblage und Installationskunst. Um 1966/67 entstanden seine ersten Arbeiten auf Leinwand; zuvor hatte er auf rohe Platten gemalt. Diese frühen Gemälde hatten keinen Rahmen und wurden auf Rollen präsentiert, ohne an eine Wand gebunden zu sein. Ab 1967/68 setzte sich Saytour mit dem Nouveau Réalisme auseinander, insbesondere mit dem Einsatz kunstfremder Materialien im Werk von Martial Raysse.
Patrick Saytour bevorzugte Materialien, denen ein geringer kultureller, sozialer und ökonomischer Wert beigemessen wird, wie beispielsweise dekorative Bezugsstoffe, der Bodenbelag Balatum, Teppichböden, Jeans, Leinen, aber auch Teer, Leim, Eisen, Garn und Kunststoffspielzeug. Daneben griff er auf Fundobjekte sowie auf neue Materialien zurück, die eine luxuriöse Ausstattung imitieren, jedoch minderwertige Kopien darstellen. Die Wahl der Materialien und Farben beruhte laut dem Künstler auf ihrer „vulgären“, also kitschigen und anstößigen Wirkung.
Die ausgewählten Stoffe wurden gefaltet, beschnitten oder mit Feuer bearbeitet und zu Collagen zusammengefügt. Dabei gibt es keine Trennung zwischen Bildträger und Oberfläche. Mal lassen Stoffbahnen von der Wand herabhängen, mal konturieren gebogene Eisenstangen die Materialassemblagen. Mitunter integrierte er Gebrauchsgegenstände wie Kerzenhalter oder Kleiderhaken in die Gemälde und steigerte damit deren plastische Qualitäten, wie in „Hall No. 6“ (1982, Balatum, Gummi, Eisen, Holz, Haut, ca. 250 × 180 cm).
Installationen und Raumarbeiten Saytours Materialanhäufungen und Installationen sind, ebenso wie seine Gemälde, von der Spannung zwischen unterschiedlichen Materialitäten und Farben geprägt. In der Arbeit Meuble Nr. 22 (1986) platziert er zwei gleich große Haufen mit schwarzen Briketts und sandsteinfarbenen Backsteinen zwischen zwei gekippte Sessel – einen mit leuchtend rotem, den anderen mit beigefarbenem Kunstlederbezug. Die Materialien und Gegenstände sind aus ihrem Zweckverband gelöst.
Literatur
Christoph Wilhelmi, Künstlergruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 1900, Hauswedell, Stuttgart, 2006. Jean Clair, Art en France. Une nouvelle génération, Chêne, Paris, 1972. Jean Delarge, Dictionnaire des arts plastiques modernes et contemporains, Gründ, Paris, 2001. Patrick Saytour u. a. (Hrsg.), Patrick Saytour, Musée d'Art Moderne et Contemporain de Saint-Étienne Métropole, Saint-Étienne, 2013. Art pour l'Afrique, Ausstellungskatalog, Paris, 1988. Robinson ou la force des choses, Ausstellungskatalog, Musée d’Art moderne et d’Art contemporain, Nice, 2012.
Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
Weblinks
Mousse Magazine Fondation Maeght Ceysson & Bénétière Patrick Saytour. Le pli et le temps / La piega e il tempo. 18 April – 22 November 2026 Falten der Zeit: Patrick Saytour in Venedig Mudam Luxembourg
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Frankreich) Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Installationskünstler (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1935 Kategorie:Gestorben 2023 Kategorie:Mann