mini|350px|Venus Rosewater Dish im Wimbledon Lawn Tennis Museum Die Venus Rosewater Dish () ist die Siegestrophäe für das Dameneinzel bei den Wimbledon Championships; sie wurde erstmals 1886 an Blanche Bingley verliehen.Trophies, Wimbledon. Abgerufen am 9. Juni 2026.
Eine Rosenwasserschale ist eine zeremonielle Platte oder ein Becken (), das dazu diente, Rosenwasser aufzufangen, welches aus hygienischen Gründen bei den Mahlzeiten über die Hände gegossen wurde – seinerzeit ein tägliches Ritual in England. Später dienten solche Schalen nur noch Zierzwecken.
Ursprung Die Trophäe ist eine teilvergoldete Platte aus Sterlingsilber mit einem Durchmesser von 18 ¾ Zoll (48 cm) und einem Gewicht von 2,3 kg. Sie ist die Kopie eines Galvanoplastik-Abgusses nach einem Zinn-Original aus der Renaissance, das sich im Louvre befindet. Die Reproduktion der Schale wurde 1864 von der Firma Elkington & Co. aus Birmingham durch elektrolytische Silberabscheidung hergestellt, wobei ein Gipsabguss der im Louvre befindlichen Schale von Caspar Enderlein (1560–1633) als Vorlage diente. Bei ihrer Entstehung verkörperte die Wimbledon-Reproduktion den Inbegriff der Modernität des 19. Jahrhunderts und galt als technologische Innovation.Plat dit de la Tempérance, d'un ensemble avec la chope, Louvre. Abgerufen am 9. Juni 2026. Der Ursprung der Wimbledon-Trophäe liegt in einer weitaus älteren Prunkschale, der sogenannten Temperantia ( – Mäßigkeits-Schale) aus dem Jahr 1585. Temperantia gilt als eine der vier platonischen Kardinaltugenden. Diese Schale zählt zu den am häufigsten kopierten und nachempfundenen Kunstwerken der Renaissance. Die ursprüngliche Schale aus Zinn wurde von dem französischen Zinngießer und Medailleur François Briot (1550–1616) entworfen und 1855 für die Summe von 19 Pfund vom Victoria and Albert Museum erworben.The art of the copy: the origin of the Wimbledon ladies trophy, Victoria and Albert Museum. Abgerufen am 9. Juni 2026.
Gestaltung Die Dekorationsmotive beziehen sich auf die klassische Mythologie. Das zentrale Medaillon verkörpert in der Figur der Sophrosyne (nicht der Venus), die Personifikation von Mäßigung und Besonnenheit, die auf einer Truhe sitzt: Sie hält eine Lampe in der rechten und einen Krug in der linken Hand, umgeben von verschiedenen Attributen wie Sichel, Heugabel und Caduceus. Die Figur wurde fälschlicherweise als Venus, der römischen Göttin der Liebe und Schönheit, interpretiert, weshalb die Schale nach ihr benannt wurde. Die vier Felder auf dem zentralen Teil der Schale zeigen jeweils eine griechische Gottheit in Verbindung mit einem der vier Elemente: Hephaistos für Feuer, Poseidon für Wasser, Demeter für Erde und Zeus für Luft. Die Felder am Rand zeigen Minerva, eine römische Göttin, die über die sieben freien Künste (Artes liberales) wacht: Astronomie, Geometrie, Arithmetik, Musik, Rhetorik, Dialektik und Grammatik, jeweils mit dem entsprechenden Attribut. Der Rand der Platte ist mit einem Kymation, einer Zierleiste mit friesartigen Ornamenten, verziert. Die übrige Fläche ist mit vergoldetem Renaissance-Bandwerk und Blattmotiven im Relief auf einem Silbergrund verziert.Alan Little, 2006 Wimbledon Compendium, All England Lawn Tennis and Croquet Club, S. 216 ff. (englisch), ISBN 978-1-89903-925-8.
Siegerinnen mini|Catherine, Princess of Wales, überreicht die Trophäe an Jelena Rybakina, Siegerin 2022 Der Name der Siegerin wird in der kurzen Zeitspanne zwischen Beendigung des Finals und der unmittelbar danach folgenden Siegerehrung in die Trophäe graviert. So enthält sie bereits den neuen Siegernamen bei der Übergabe während der Siegerehrung. Sie wird üblicherweise von Mitgliedern der königlichen Familie oder hochrangigen Vertretern des All England Lawn Tennis and Croquet Club, dem Veranstalter der Wimbledon Championships, überreicht. Danach dreht die Siegerin traditionsgemäß eine Ehrenrunde auf dem Platz, um die Trophäe dem Publikum und den Fotografen zu präsentieren. Die Trophäe hat einen geschätzten Wert von über einer Million Pfund. Das Original verbleibt im Wimbledon Lawn Tennis Museum. Von 1949 bis 2006 erhielten alle Siegerinnen eine Miniatur-Nachbildung der Trophäe, seit 2007 erhalten sie eine Nachbildung im Maßstab 1:1,33 mit einem Durchmesser von 14 Zoll (36 cm), die – wie das Original – die Namen aller bisherigen Siegerinnen trägt. Der Sieg beinhaltet neben der Trophäe 2026 ein Preisgeld von 3,6 Millionen Pfund, umgerechnet rund 4,2 Millionen Euro.
Die Britin Blanche Bingley war die erste Wimbledon-Siegerin, die die Trophäe 1886 überreicht bekam. Der Name von Maud Watson, der Siegerin der Jahre 1884 und 1885, wurde nachträglich hinzugefügt. Die Namen der Siegerinnen von 1884 bis 1957 sind auf der Innenseite der Schale eingraviert, die Namen von 1958 bis 2015 auf der Außenseite. Die Vornamen wurden aus Platzgründen abgekürzt. 2016 wurde ein Sockel mit einem Sterlingsilberband hinzugefügt, um Platz für weitere Gravuren zu schaffen.
Neunmal und damit am häufigsten hielt Martina Navratilova die Trophäe in Händen, gefolgt von Steffi Graf und Serena Williams, die die Venus Rosewater Dish jeweils siebenmal erhielten. Aus dem deutschsprachigen Raum kommen drei Spielerinnen hinzu: Angelique Kerber, die Schweizerin Martina Hingis und vor der Open Era 1931 Cilly Aussem. Die aktuelle Titelträgerin (2026) ist Linda Nosková, deren Namen als 133. in die Trophäe eingraviert wurde.'Just me, myself and I': Noskova reveals winning mindset, Wimbledon, 11. Juli 2026. Abgerufen am 12. Juli 2026.
Trivia Für Fans gibt es die Venus Rosewater Dish als Schlüsselanhänger.Schlüsselanhänger, Wimbledon. Abgerufen am 11. Juli 2026.
Siehe auch Liste der Wimbledonsiegerinnen im Dameneinzel
Weblinks
Photogalerie von Siegerinnen mit der Venus Rosewater Dish, Getty images. The art of the copy: the origin of the Wimbledon ladies trophy, Victoria and Albert Museum (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:Sportliche Auszeichnung Kategorie:Wimbledon Championships Kategorie:Griechische Mythologie in der bildenden Kunst Kategorie:Rezeption der römischen Mythologie