Das magische Fell ist ein Märchen der Berber.Uwe Topper (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1986, S. 128–136, 243–244.
Handlung In Marrakesch lebt ein armer Mann namens Djoha, der ein gutes Herz hat, stets fröhlich ist, aber auch immer wieder Streiche spielt. Einmal findet er ein verschimmeltes Fell, das er reinigt und seiner Mutter gibt, mit der Anweisung, es in der Gasse der Stoffhändler als magisches Fell zu verkaufen. Djoha sucht sie dort auf und beginnt um das Fell zu feilschen, woraufhin sich ein reicher Jude dafür interessiert und es für einhundert Real erwirbt. Der Jude fragt Djoha anschließend, wofür das Fell zu gebrauchen sei und dieser meint lediglich, dass es für einen Sack tauge. Da er mit dem Fell nichts anfangen kann, gibt der enttäuschte Jude Djoha das Fell, der zufrieden heimgeht und eine Weile keine Sorgen mehr hat.
Wieder arm beschließt Djoha bei sich ein Fest zu veranstalten, zu dem er einige seiner Bekannten einlädt. Diese lassen, wie es Sitte ist, ihre Schuhe am Eingang des Hauses stehen und nehmen drinnen Platz. Djoha aber nimmt die Schuhe, verpfändet sie beim Händler der Süßigkeiten und verteilt die dafür erstandenen Waren unter den Gästen, wobei er zu ihnen meint, dass sie ordentlich zulangen sollen, da sie nur ihr Glück äßen und das Beste zum Schluss kommen werde. Als diese sich gesättigt haben und dann gehen wollen, vermissen sie ihre Schuhe, woraufhin Djoha meint, dass er ihnen doch gesagt hatte, dass sie ihr Glück aufäßen und das Beste zum Schluss kommen würde. Wer aber seine Schuhe wiederhaben wolle, der müsse sie beim Händler für Süßigkeiten auslösen. Die Leute lachen darüber, geben Djoha Geld, damit er ihre Schuhe zurückhole und am Ende blieb für ihn noch ein hübsches Sümmchen übrig.
Mit dem Geld schließt er einen Vertrag mit einem Juden ab, demzufolge die beiden Eisen kaufen und einlagern wollen, um es, wenn es teurer werden würde, wieder zu verkaufen. Der Jude verkauft es später jedoch, ohne Djoha seinen Anteil auszuzahlen und gibt vor, dass es von Mäusen aufgefressen worden sei. Der darüber richtende Kadi, der von dem Juden bestochen wird, gibt dem Juden Recht und erzählt, dass auch bei ihm im Haus einmal eine Maus ein Loch in einen eisernen Mörser genagt hatte, um an Speck zu gelangen und Mäuse deshalb Eisen fressen können. Djoha verlangt daraufhin vom Pascha zum Aufseher über die Mäuse eingesetzt zu werden und durch einen Erlass dazu ermächtigt, lässt er die Häuser des Juden und des Kadi untergraben, um die eisenfressenden Mäuse zu fangen, die ihrer gerechten Strafe zugeführt werden sollen. Aus Angst vor dem Einsturz ihrer Häuser zahlen die beiden Besitzer viel Geld an Djoha, damit er von seinem Vorhaben ablässt, wodurch er mehr erhält, als wenn er nur das Eisen verkauft hätte.
Ein anderer Djoha in der Stadt Fes lebt in einem Haus neben dem eines Juden und als der Jude im Hof betet, besteigt er heimlich einen Baum, der an der Grundstücksgrenze steht. Als der Jude mit dem Beten fertig ist, ruft Djoha ihm von oben zu, dass er sein Gebet erhört habe und ihn ins Paradies holen werde; er vorher aber noch seinem Nachbarn Djoha fünfhundert Taler geben solle. Der Jude kommt dem nach, woraufhin Djoha später eine große Korbtasche von dem Baum herunterlässt, in die der Jude hineinsteigt. Jedoch schneidet Djoha die Schnur auf halbem Weg durch, sodass der Jude zerschellt. Als dies dem Djoha von Marrakesch zu Ohren kommt, will er sich mit dem scheußlichen Djoha von Fes messen. In Fes trifft er auf diesen, der gerade an einer Mauer lehnt, hält ihn jedoch für einen anderen und fragt, wo er Djoha von Fes finden könne. Djoha von Fes antwortet, dass er den Gesuchten holen werde, wenn er, Djoha von Marrakesch, derweil die Mauer stützen täte, damit sie nicht zusammenbräche. Djoha von Marrakesch tut dies und wartet sehr lange auf die Rückkehr von Djoha von Fes, bis ihm mitgeteilt wird, dass er diesem bereits begegnet sei und dieser sich bereits erfolgreich mit ihm gemessen hatte, bevor er sich mit diesem hatte messen können. Daraufhin zog Djoha von Marrakesch fluchend heim.
Hintergrund Das Märchen wurde von Si Hsan in Marrakesch erzählt und erhielt in Uwe Toppers Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber (Köln 1986) den Titel Das magische Fell. Nach Topper ist Djoha der „maghrebinische Schalk und Eulenspiegel“ über den es eine enorme Anzahl von Geschichten gibt. Djoha sei dabei „witzig, aber naiv, listig, aber von Herzen gut, bescheiden und doch immer voll Verlangen nach Bequemlichkeit, arbeitsscheu und furchtlos“. Meist trete er gegen einen reichen Juden an.
Nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk-Literature (6 Bände, Kopenhagen 1955–1958) wurde das Märchen dem Motiv K 465: Fell wertvoller gemacht zugeordnet, was in Ursula Nowaks Beiträge zur Typologie des arabischen Volksmärchens (Freiburg 1969) der Nummer 406 entspricht. Weitere Motive sind Gastgeber verkauft Schuhe für das Mahl (A. Wesselski: Der Hodscha Nasreddin 2. Weimar 1911, Nr. 411) + AaTh 1592: Mäuse fressen Eisen + AaTh 1575*: Der gefoppte Beter + AaTh 1530: Tausch von Pseudotätigkeiten.
Literatur Uwe Topper (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1986, S. 128–136, 243–244.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Marokko) Kategorie:Märchen