mini|Sazan – Hafen (2018) Das Sazan Island Resort ist ein geplantes Luxus-Tourismusprojekt auf der Insel Sazan vor der albanischen Küste mit einem Investitionsvolumen von rund 1,4 Milliarden Euro. Das Projekt wird auch als Kushner Island (Kushner Insel) bezeichnet. Es führte ab Mai 2026 in Albanien zur Flamingo-Revolution.

Hotelprojekt Anfang 2024 wurde bekannt, dass Jared Kushner, Schwiegersohn von Donald Trump, zwei große Entwicklungsprojekte auf dem Balkan plane: Einerseits eine Überbauung im Herzen der serbischen Hauptstadt Belgrad mit Luxushotel, Wohnungen und Einkaufszentrum, an der schon Trump vor seiner ersten Präsidentschaft interessiert gewesen sein soll, andererseits ein Luxusresort an der albanischen Küste.

Hinter dem Vorhaben steht Atlantic Incubation Partners, ein Unternehmen, das mit der Beteiligungsgesellschaft Affinity Partners des US-Investors Jared Kushner verbunden ist. Die albanische Regierung verlieh dem Projekt im Januar 2025 den Status eines „Strategischen Investors“ für den Tourismus des Landes, was beschleunigte Genehmigungen und staatliche Anreize ermöglicht. Den Landkauf wickelte die Power International Holding im Besitz der syrischen Familie al-Khayyat mit Sitz in Katar ab, diese baut im Mittelmeerraum und im Indischen Ozean bereits mehrere Luxusresorts. Außerdem verabschiedete das albanische Parlament damals ein Gesetz, das „strategische Investitionen“ auf der eigentlich geschützten Insel erlaubte. mini|Die Lagune von Narta mit der kleinen Insel Zvërnec, die Küste bei Zvërnec und am Horizont die Insel Sazan Geplant sind auf der Insel ein von Aman Resorts betriebenes Luxushotel, Privatvillen, eine Marina sowie die Umnutzung historischer Militärgebäude und Bunker. Zudem umfasst das Projekt auch eine große Hotelanlage gegenüber am Festland. Dabei handelt es sich um ein mehrere Hundert Hektar großes Areal bei Zvërnec und der Lagune von Narta in einem Naturschutzgebiet nordwestlich von Vlora. Berichten zufolge sollen bis zu 10.000 Hotelzimmer entstehen.

Die Insel Sazan diente während des 20. Jahrhunderts als Militärstützpunkt und wurde erst im Dezember 2024 für zivile Nutzung freigegeben.

Umweltorganisationen warnen vor ökologischen Schäden, da die Insel innerhalb des Meeresschutzgebiets Nationalpark Karaburun-Sazan liegt und seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Die Lagune von Narta ist Heimat vieler seltener Vogelarten. Viele Zugvögel nutzen sie als Zwischenstopp, Wasservögel überwintern und Krauskopfpelikan sowie Flamingos sind regelmäßige Gäste. Auch der gefährdete Skutari-Wasserfrosch hat hier eine Heimat. An der Küste legen Karettschildkröten Eier, und vom Aussterben bedrohte Mittelmeer-Mönchsrobben jagen hier.

Die albanische Antikorruptionsbehörde SPAK startete Anfang Juni 2026 Untersuchungen im Zusammenhang mit Grundstückswechseln und -umzonungen der zuvor geschützten Gebiete. Vermögenswerte beteiligter Firmen und Geschäftsleute sollen beschlagnahmt worden sein. Die Eigentümerschaft an den Grundstücken ist unklar. Der Grundstückserwerb durch die Investoren soll auf gefälschten Eigentumsurkunden basieren.

Affinity Partners zog sich Ende 2025 vom Projekt in der serbischen Hauptstadt Belgrad zurück, als wegen Protesten und Strafuntersuchungen ein allzu schwerer Imageschaden drohte.

Proteste Nachdem im Mai 2026 bei Zvërnec ein Baugelände eingezäunt worden war, regte sich Protest von Naturschützern und Bewohnern. Einheimische und Touristen hatten keinen Zugang zu den Stränden mehr. Bei den Protesten, die sich über mehrere Tage hinzogen, kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei und Sicherheitsfirmen.mini|Flamingo-Proteste in Tirana (Juni 2026) Bald darauf kam es auch in der Hauptstadt Tirana zu Protesten gegen das Projekt. Diese werden auch als Flamingo-Revolution bezeichnet, da durch das Projekt unter anderem der Bestand an Flamingos in der Lagune gefährdet würde. Sie beschränken sich aber nicht auf das Hotelprojekt, sondern sind eine grundsätzliche Kritik an Ministerpräsident Edi Rama und seiner Regierung. Demonstranten und Opposition werfen der Regierung fehlende Transparenz bei der Projektvergabe und politische Korruption vor. Insgesamt wird kritisiert, albanisches Land an ausländische Investoren in dieser Weise zu veräußern. Die Demonstranten, die sich seit 31. Mai täglich in Tirana versammeln (Stand Juli 2026), fordern den Rücktritt der Regierung Rama.

Durch die Proteste in- und außerhalb Albaniens gegen das Projekt von Jared Kushner als Präsidentenschwiegersohn erlangte das Bauprojekt internationale Aufmerksamkeit in den Medien.

Bauarbeiten Trotz fehlender Baubewilligung und fehlender Umweltverträglichkeitsprüfung wurde im Mai 2026 mit ersten „vorbereitenden“ Arbeiten im Gebiet nordwestlich von Zvërnec begonnen. Der illegal errichtete Bauzaun wurde nach Beginn der Proteste wieder entfernt. Die New York Times und albanische Naturschutzorganisationen dokumentierten die durchgeführten Bauarbeiten: In der zuvor fast unberührten Natur wurden kilometerlange Wege für Baumaschinen angelegt, diverse Flächen auf dem schmalen Landstreifen zwischen Lagune und Meer gerodet und geebnet sowie eine Brücke über den Kanal, der Lagune und Meer verbindet, angelegt. Dabei wurde der Kanal im Bereich der Baustelle vorübergehend trocken gelegt – das Wasser fließt aktuell durch Röhren.

Literatur

Greta Hysa: Understanding Albania’s Flamingo Revolution. Rosa-Luxemburg-Stiftung, 9. Juni 2026 (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Tourismus (Albanien) Kategorie:Geplantes Bauwerk Kategorie:Vlora