Bibergau (bis 1921 Biebergau) ist ein Gemeindeteil der Stadt Dettelbach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Bibergau hat eine Fläche von 6,893 km². Sie ist in 959 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7187,67 m² haben.
Bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit Dettelbach am 1. Juli 1972 war Bibergau eine selbstständige Gemeinde. Im Mittelalter war das Dorf unter mehreren Herren aufgeteilt. Eine Folge dieser Spaltung war, dass die Bibergauer während der Glaubenskriege mehrmals ihre Konfession wechselten.
Nur noch wenige Baulichkeiten haben sich heute in Bibergau erhalten, die von der reichen Vergangenheit zeugen. Der Ortskern mit Schloss und katholischer Pfarrkirche ist von Wohngebieten des 20. Jahrhunderts umgeben. Bibergau wuchs insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Zuzug vieler Kriegsflüchtlinge aus dem heutigen Polen und Tschechien. Mit über 600 Einwohnern ist Bibergau der zweitgrößte Gemeindeteil der Großgemeinde Dettelbach, gleich nach dem namensgebenden Hauptort.
Geografische Lage Geografie und naturräumliche Lage Das Pfarrdorf Bibergau liegt im Westen des Dettelbacher Gemeindegebiets. Auf drei Seiten ist die Gemarkung von anderen Dettelbacher Gemeindeteilen umgeben. Nördlich beginnt das Gebiet von Euerfeld, während im Nordosten Schernau zu finden ist. Die Kernstadt Dettelbach füllt den Osten und Südosten aus. Im Süden grenzt die Fläche von Mainstockheim an die Bibergauer Gemarkung. Im Südwesten liegt, wiederum auf Dettelbacher Gebiet, der Bahnhof Dettelbach-Bahnhof, der auf Effeldorfer Gemarkung zu finden ist. Effeldorf selbst liegt im Westen und ist von Bibergau lediglich 1,5 Kilometer entfernt.
Nächstgelegene größere Städte sind Kitzingen mit einer Distanz von etwa acht Kilometern und Volkach, welches ungefähr zwölf Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das etwa 13 Kilometer entfernte Würzburg.
Die südlichen Gemeindeteile von Dettelbach Euerfeld und Bibergau liegen in einem gemeinsamen Naturraum. Die sogenannten Inneren Gäuhochflächen im Maindreieck sind Teil der Gäuflächen im Maindreieck (auch Gäuplatten im Maindreieck) innerhalb der Mainfränkischen Platten. Bibergau ist Teil der Hochflächen im südlichen Maindreieck. Die Landschaft präsentiert sich eher hügelig. Kleine Bäche, die in Richtung des Maines abfließen, konnten hier tiefe Klingentäler ausbilden.
Das Dorf liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Deutschlands zählt. Die Böden sind von hartem Muschelkalkuntergrund unter weicherem Lettenkeuper mit Lösslehmdecken geprägt, die erst die Eintiefung der Täler ermöglichten. Auf dieser Mischung entwickelten sich Parabraunerden. Hydrologisch ist das Dorf auf den Main ausgerichtet, der allerdings die Gemarkung nicht berührt. Besonders bedeutsam ist der Bibergauer Mühlbach, der in den Dettelbach und schließlich in den Main mündet. Ganz im Süden bildet der Mainzufluss Rotamergraben die Grenze zur Mainstockheimer Gemarkung.
Dorfgliederung Die Bibergauer Gemarkung nimmt eine Fläche von 6,93 km² ein und gehört damit zu den größeren Flächeneinheiten der Gemeinde. Zentrum der Gemarkung bildet das Haufenwegedorf mit der Kirche im Mittelpunkt und dem Wasserschloss mit den Überresten eines großen Schlossparks im Westen. Der Friedhof liegt seit 1783 im äußersten Osten des Altortes und ist heute von Neubaugebieten des 20. Jahrhunderts umgeben. 1958 bis 1960 entstand das Wohngebiet „Kalte Grube“, 1969 wies man das Neubaugebiet „Katharinenberg“ aus, das 1990 erweitert wurde. Anders als bei vielen anderen Orten der Umgebung wurde auch der Sportplatz nicht auf der grünen Wiese angelegt, sondern findet sich inmitten des Dorfes. Hier war bis in die 1990er Jahre auch ein kleines Freibad zu finden.
In der Gemarkung von Bibergau haben sich mehrere Aussiedlerhöfe angesiedelt. Einziger benannter dieser Höfe ist der Hof „Am Obstgarten“ im äußersten Norden der Flächeneinheit. Im Südosten steht ein weiterer Hof. Ein Aussiedlerhof an der Staatsstraße 2450 geht vielleicht auf den Posten der inzwischen aufgegebenen Bahnstrecke Dettelbach Bahnhof-Dettelbach Stadt zurück. Außerdem haben sich die Überreste der alten Lehmgrube im Nordwesten des Altortes erhalten. Bereits auf Effeldorfer Gemarkung sind die Baulichkeiten der ehemaligen Verbandsschule Bibergau-Effeldorf östlich des Dorfes zu finden.
Die Feldflächen der Gemarkung sind von größeren Ackerbauarealen geprägt. Wald bestand noch bis in das 19. Jahrhundert, wurde aber gerodet. Stattdessen befinden sich größere Streuobstbestände innerhalb der Gemarkung. Bei den benannten Fluren handelt es sich insbesondere um kleinere Erhebungen, wie der Katharinenberg und der Lerchenberg im Süden. Der Altort selbst ist im Liebfrauengrund zu finden, während die südlichen Dorfteile im Bücketal errichtet wurden. An das Dorf Seeheim, das sich noch bis im 14. Jahrhundert im Nordwesten Bibergaus befand, erinnert heute nichts mehr. → siehe auch: Seeheim (Wüstung)
Die jahrtausendealte Besiedlung der Gäuflächen im Maindreieck führte auch dazu, dass sich heute nur noch wenige naturnahe Flächen um Bibergau befinden. Die Gemarkung des Dorfes weist überhaupt nur Flächen zweier Schutzkategorien auf. Zum einen haben sich insbesondere entlang des Mühlbachs und der kleineren Beibäche noch Biotopstandorte erhalten. Neben Streuobstwiesen handelt es sich zumeist um Gebüsche und Hecken. Zum anderen ragt das ausgedehnte Vogelschutzgebiet Ochsenfurter und Uffenheimer Gau und Gäulandschaft nordöstlich Würzburg im Nordwesten bis nahe an den Altort.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Das Areal um Bibergau ist bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit von Menschen besiedelt worden. Dies legen Lesefunde und Ausgrabungen nahe. Im Südosten des heutigen Altortes konnte eine Siedlung verortet werden, die bereits auf die Jungsteinzeit zurückgeht. Damals bewohnten Menschen der linearbandkeramischen Kultur die Gegend um das Dorf. Die Stelle blieb auch noch während des Mittelneolithikums und der Urnenfelderzeit und damit bis in die Bronzezeit zumindest zeitweise bewohnt. Eine weitere Siedlung konnte im Nordosten des Bibergauer Mühlbaches lokalisiert werden.
Im äußersten Westen der Gemarkung in Richtung Effeldorf ist eine rein bronzezeitliche Siedelstelle nachweisbar. Insbesondere der fruchtbare Boden des Gäulandes dürfte eine ausschlaggebende Rolle bei der frühen menschlichen Inanspruchnahme des Raumes gespielt haben. Der zugehörige Bestattungsplatz lag wohl in einiger Entfernung von den Wohnstätten ganz im Nordnordwesten an der Grenze nach Euerfeld. Die vorrömische Eisenzeit oder Latènezeit ist um Bibergau durch die Anlage einer Rechteckschanze nachweisbar. Die Auseinandersetzungen zwischen den Stammesverbänden nahmen zu und die Menschen versuchten sich hinter die Wälle der rechteckigen Anlage auf einer Anhöhe in Sicherheit zu bringen.
Lange Zeit waren die Bewohner im heutigen Ortsgebiet als Vertreter keltischer Stämme anzusprechen. Allerdings kam es im Laufe der Jahrhunderte zu Bevölkerungsüberlagerungen. Die Region um Bibergau wurde insbesondere von fränkischen Stämmen besiedelt. Drei fränkische Siedlungswellen sind auf den Gäuflächen nachweisbar. Die Gründung des heutigen Dorfes geht wahrscheinlich auf die dritte dieser Wellen zurück. Bibergau an der heutigen Stelle entstand wohl zu Beginn des 9. Jahrhunderts, worauf auch der Ortsname mit der Endung -gau hinweist.Kulturhistorischer Kreis Dettelbach (Hrsg.): Bibergau 1993. Ein Dorf stellt sich vor. Dettelbach 1994. S. 18.
Mittelalter Es dauerte allerdings noch mehrere Jahrhunderte bis Bibergau erstmals urkundlich genannt wurde. Obwohl das Dorf erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in einem Diplom explizit Erwähnung fand, ist seine Existenz über indirekte Quellenbelege nachweisbar. 1189 war Bibergau wohl von einem Ackertausch zwischen dem Würzburger Bischof Gottfried und Wolfgang von Zabelstein betroffen, wobei lediglich die Lage der Äcker auf das Dorf hinweist. Im Jahr 1260 tauchen erstmals die Herren von Bibergau als Lokaladel in den Quellen auf. Sie hatten wohl zu diesem Zeitpunkt bereits ihren Sitz im Ort.
Das Dorf selbst wurde erstmals im Jahr 1279 erwähnt. Die Johanniter übernahmen in diesem Jahr die Dorfherrschaft, wobei erst ein Jahr später, 1280, auch die Ritter von Bibergau direkt im Ort genannt wurden. Gleichzeitig hatte auch das Agneskloster aus Würzburg Untertanen im Dorf inne. Im Laufe des Spätmittelalters kristallisierte sich Bibergaus Charakter als Ganerbendorf heraus, dessen Bewohner unter mehreren Herren aufgeteilt war. Häufige Herrschaftswechsel prägen diese Zeit.
Im Dorf hatten, neben vielen anderen, die Kitzinger Benediktinerinnen, das Würzburger Hochstift und die Grafen zu Castell Einkünfte und Besitzungen. Mit dem 15. Jahrhundert zogen sich diese großen Grundherren weitgehend zurück. Die Casteller verkauften ihren Anteil am Dorf an die Johanniter, das Benediktinerinnenkloster wurde von der Würzburger Abtei St. Stephan 1475 abgelöst. Die Herren von Bibergau starben im Jahr 1516 im Mannesstamme aus.Kulturhistorischer Kreis Dettelbach (Hrsg.): Bibergau 1993. Ein Dorf stellt sich vor. Dettelbach 1994. S. 12. Sie waren als würzburgische Ministeriale für die Verwaltung des Schlosses im Dorf zuständig, dessen Turm noch auf das 13. Jahrhundert zurückgeht.
Frühe Neuzeit Mit dem Aussterben des lokalen Adelsgeschlechts von Bibergau gelangte Jörg von Fronhofen in die Rolle des wichtigsten Dorfherren. Bereits 1550 saßen allerdings die Fuchs von Bimbach im Schlossgut, das den Mittelpunkt des Ortes bildete. Bereits wenige Jahre nach Luthers Thesenanschlag verbreitete sich in Bibergau die neue Lehre. Das Dorf war das gesamte Mittelalter hindurch vom Pfarrer von Effeldorf mitbetreut worden, allerdings existierte früh eine kleine Kapelle in Bibergau, von der heute nur noch wenige bauliche Überreste, darunter die Untergeschosse des Turms, zu sehen sind.
Die Herrschaftswechsel gingen in den folgenden Jahrzehnten weiter. In den Jahren 1589/1590 stritten mehrere Herrschaftsträger um die Pfarrverhältnisse in Bibergau. Beteiligt waren Georg Friedrich Markgraf in Brandenburg und der Dompropst des Würzburger Domkapitels. Die beiden gehörten unterschiedlichen Konfessionen an, sodass davon auszugehen ist, dass die Spaltung, die ganz Franken ergriffen hatte, auch in Bibergau existierte. Während des Dreißigjährigen Krieges baten die Bibergauer die schwedischen Besatzer 1629 darum, wieder einen evangelischen Lehrer einzusetzen.Kulturhistorischer Kreis Dettelbach (Hrsg.): Bibergau 1993. Ein Dorf stellt sich vor. Dettelbach 1994. S. 26.
Erst 1634, nach der protestantischen Niederlage in der Schlacht von Nördlingen, kehrt Bibergau wieder zur katholischen Lehre zurück. In den folgenden Jahren blieb das Dorf von Einquartierungen und Besatzungen nicht verschont. Die herrschaftliche Aufsplitterung verschärfte dabei die Probleme. Seit 1650 saßen die Herren von Mauchenheim genannt Bechtolsheim im Schloss, 1659 erließen die Herren Joseph von Beroldingen und Johann von Stockheim eine Dorfordnung, seit 1677 teilten sich Johann Philipp Fuchs und Johann von Dornheim das fürstbischöfliche Lehen Bibergau. Erst 1692 werden die Mauchenheimer neuerlich zum Dorfherren gemacht.
Die konfessionelle Ordnung führte allerdings zum Bau der heute noch bestehenden Kirche, die an den älteren Turm angebaut wurde. 1733 weihte man das neue Langhaus ein, 1783 verlegte man den Friedhof vom Kirchgarten an den Ortsrand. Dennoch blieb Bibergau der Kirche in Effeldorf zugeordnet. 1747 gelangte außerdem die Universität Würzburg in das Eigentum eines Hofes im Dorf. Das Wiedereinlösungsrecht auf diesen Hof lag bei den Herren von Mauchenheim, genannt Bechtolsheim.Kulturhistorischer Kreis Dettelbach (Hrsg.): Bibergau 1993. Ein Dorf stellt sich vor. Dettelbach 1994. S. 27.
Neuzeit: In Bayern