Vom Lebensweg des Jazz ist ein DEFA-Dokumentarkurzfilm von Peter Ulbrich und Wolfgang Bartsch von 1956.

Inhalt Der Film stellt die Geschichte des Jazz als Musik der schwarzen Sklaven in den USA seit dem 17. Jahrhundert dar. Gezeigt werden historische Bild- und Tonaufnahmen, darunter von Bessie Smith, George Gershwin und Paul Robeson. Er bewertet die kommerziellen Richtungen des Jazz in den USA des 20. Jahrhunderts dagegen kritisch.Helma Kaldewey, A People's Music. Jazz in East Germany 1945–1990, Cambridge 2020, pp. 127–128, mit kurzer Inhaltsangabe

Hintergründe In der jungen DDR wurde der Jazz, vor allem in den modernen westlichen Stilrichtungen, von den meisten SED-Funktionären als dekadent abgelehnt, da er deren ideologischen und musikalischen Vorstellungen widersprach. Dagegen versuchten einige Enthusiasten, Jazzklubs in der DDR zu gründen und Tanzveranstaltungen und Jazzbands zu unterstützen. Nach mehreren Genehmigungs- und Verbotsphasen war der Jazz ab Mai 1956 in der DDR im Umfeld des politischen Tauwetters in der Sowjetunion zeitweise wieder erlaubt.Jazz Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, zur Geschichte des Jazz in der DDR, erwähnte auch den Film

In dieser Zeit durfte auch der Film Vom Lebensweg des Jazz fertiggestellt werden.Schenk, Jordan, 1996, S. 310, mit einigen Hintergründen Die beiden DEFA-Dokumentarfilmer Peter Ulbrich und Wolfgang Bartsch, die bis dahin noch keine Filme über Musik gemacht hatten, drehten ihn unter der fachlichen Anleitung des damaligen DDR-„Jazzpapstes“ Reginald Rudorf, in dem sie besonders die demokratischen Wurzeln dieser Musik bei den unterdrückten Sklaven betonten, um eine politische Akzeptanz dafür zu schaffen. Der Film wurde danach etwa um die Hälfte gekürzt, alle Szenen über die aktuelle Jazzszene in der DDR entfernt, der Kommentar verändert und durch neue Sprecher vorgetragen, die westlichen Richtungen verurteilt.Thomas Heimann, Vom Lebensweg des Jazz, in DEFA-Jahrbuch, 2000; nach Reginald Rudorf, Jazz in der Zone, Kiepenheuer, Köln/Berlin 1964, mit vielen Details; auch Helma Kaldewey, A People's Music. Jazz in East Germany 1945–1990, 2020, pp. 128–130, erwähnt eine Zensurbesprechung mit dem Minister und weitere Angaben Vom Lebensweg des Jazz Filmportal Dann durfte er ab dem 27. Juni 1956 öffentlich gezeigt werden.

Bei den Westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen wurde er von der westdeutschen Zensur dagegen nicht zugelassen, wahrscheinlich wegen der antiwestlichen Propaganda.Vom Lebensweg des Jazz Filmzensur Ost-West, Prüfung am 8. Oktober 1956, keine Begründung vermerkt DEFA-Chronik für das Jahr 1956 DEFA-Stiftung, zum 23.–28. Oktober, es wurden erstmals fünf DDR-Filme dort gezeigt, nur Vom Lebensweg des Jazz wurde nicht zugelassen Dietrich Kuhlbrodt, DEFA-Filme in Oberhausen Rückblick auf fünfzig Jahre, in DEFA-Jahrbuch, 2005, S. 106f Im Februar 1957 wurde der Film auch in der DDR verboten, im März wurde Reginald Rudorf verhaftet und dann zu zwei Jahren Haft verurteilt und Jazz in der DDR wieder unterdrückt.

2023 führte das Filmmuseum Potsdam den Film wieder aufKurzfilme der DEFA Filmmuseum Potsdam, November 2023, mit weiteren Dokumentaekurzfilmen über Jazz und 2025 wurde er endlich bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen mit 69-jähriger Verspätung aufgeführt.Umwege zum Nachbarn. Der Film der DDR in Oberhausen Kurzfilmtage Oberhausen, Pressemitteilung vom 25. Februar 2025, mit Filmen, die schon einmal dort gezeigt wurden oder zumindest beantragt waren Es ist nur die gekürzte Fassung erhalten.

Literatur

Thomas Heimann: Vom Lebensweg des Jazz. In: Apropos Film 2000. Das DEFA-Jahrbuch. Das Neue Berlin, Berlin 2001, mit vielen Details über den FilmApropos Film 2000 DEFA-Stiftung Günter Jordan, Ralf Schenk (Hrsg.): Schwarzweiß und Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946–92. Bertz + Fischer, Berlin 1996. S. 310 Doris Hackbarth, Günter Schulze: DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme 1946–1964. Berlin 1997. S. 184, mit filmografischen Angaben

Weblinks Vom Lebensweg des Jazz Filmportal Vom Lebensweg des Jazz University of Massachusetts, DEFA Library

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1956 Kategorie:Kurzfilm Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:DDR-Film Kategorie:Jazzfilm Kategorie:Jazz (DDR) Kategorie:Verbotener Film (DDR)