mini|Jakob Nacken im Alter von 21 Jahren Jakob Nacken, vollständiger Name Jakob Hudson Nacken (* 15. Februar 1906 in Düsseldorf als Jakob Johann Nacken; † 29. März 1987), war ein deutscher Zirkusartist, Schausteller und Soldat, der wegen seiner außergewöhnlichen Körpergröße von etwa 2,21 Metern bekannt war. Während des Zweiten Weltkriegs diente er als Soldat der Wehrmacht und wurde als größter deutscher Soldat des Krieges bekannt.
Herkunft und Familie Jakob Nacken wurde am 15. Februar 1906 in Düsseldorf geboren und stammte aus einer Familie von ungewöhnlicher Körpergröße: Beide Elternteile sollen etwa 1,88 Meter groß gewesen sein, seine Schwester Josephine erreichte ebenfalls eine Größe von rund 1,88 Metern, sein zwei Jahre jüngerer Bruder Wilhelm wurde je nach Quelle zwischen 1,88 und 1,93 Metern groß und ein acht Jahre älterer Bruder maß etwa 2,01 Meter. Jakob selbst überragte mit rund 2,21 Metern alle Familienmitglieder. In einzelnen, vor allem werblichen Quellen aus seiner späteren Laufbahn wird seine Größe mit bis zu 2,34 Meter angegeben. Zeitgenössische Quellen gaben als Körpergröße teilweise sogar 2,41 m und für seinen Großvater 3,10 m bis 3,20 m an, nannten dabei jedoch auch widersprüchliche Altersangaben. Als seine Schuhgröße wurde gar die Nummer 67 genannt.
Zirkus- und Schaustellerkarriere In den von wirtschaftlicher Not und Massenarbeitslosigkeit geprägten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg nutzte Nacken seine Körpergröße zum Broterwerb und schloss sich einem deutschen Wanderzirkus an. Er trat zunächst unter dem Künstlernamen „Uranus“ (Mit Abbildung.) (griechischer Himmelsgott) auf und wurde später als „Riese vom Rhein“ (englisch Giant from the Rhineland) bekannt. Insgesamt tourte er rund zwei Jahrzehnte durch Europa und wurde als „größter Mann Deutschlands“ bezeichnet.
Bei seinen Auftritten trat er teils als Cowboy verkleidet, teils im maßgeschneiderten Anzug auf und ließ sich häufig von einem kleinen Kind begleiten, um seine Größe zusätzlich zu betonen. Er trug Stiefel der (US-amerikanischen) Größe 17 und stieß sich wiederholt den Kopf an Türrahmen, die für normalgroße Menschen gebaut waren.
Bereits 1922 trat er im Luna Park in Paris auf, 1925 am Münchner Oktoberfest und im Zirkus Zentral im Wiener Prater. Später erlangte er internationale Bekanntheit und erhielt eine Einladung zur New Yorker Weltausstellung von 1939/40.
1927 heiratete Nacken in Belgien. Seine Frau Maria wurde 1900 geboren; während eine Quelle sie als Belgierin beschreibt, nennt ein Zeitungsbericht einen Geburtsort im österreichischen Hilm-Kematen. Teilweise wird auch Deutschland als Geburtsort genannt. (englisch), abgerufen am 1. Juli 2026 Die Ehe blieb kinderlos; Maria starb 1978 in Wien.
Zweiter Weltkrieg und Kriegsgefangenschaft mini|Jakob Nacken wird 1944 in Calais gefangen genommen Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrte Nacken nach Deutschland zurück und wurde zum Militärdienst eingezogen. Er galt als der größte deutsche Soldat des Krieges und wurde einer aus 250 Mann bestehenden Artillerieeinheit zugeteilt.
Im September 1944 geriet Nacken bei Calais in Kriegsgefangenschaft, als seine Einheit von einem kanadischen Verband, dem North Shore Regiment, gefangen genommen wurde. Die rund 250 Mann starke Mannschaft wurde dabei von dem nur etwa 1,60 Meter großen Korporal Eldon „Bob“ Roberts und einer Gruppe von sieben Männern übernommen. Der große Größenunterschied zwischen dem hünenhaften Gefangenen und seinen wesentlich kleineren Bewachern wurde fotografisch festgehalten, dies unter anderem durch den Pressefotografen Eddie Worth, und machte die Gefangennahme des in der Presse als „größter Nazi“ bezeichneten Soldaten in Großbritannien und den USA zur Schlagzeile.
Roberts gab später an, Nackens Namen nie gekannt zu haben, sondern nur gewusst zu haben, dass dieser ein Lance Corporal gewesen sei; Nacken habe sehr gut Englisch gesprochen, das er sich beim Zirkus in Amerika angeeignet habe. Nacken wurde anschließend als Kriegsgefangener nach Großbritannien gebracht, wo er bis zum Kriegsende blieb.
Leben in den Vereinigten Staaten Nach dem Krieg wanderte Nacken in die Vereinigten Staaten aus, weil er das Nachkriegsdeutschland verlassen wollte. Er reiste mit dem Schiff SS Atlantic von Genua aus und traf am 6. Dezember 1949 (nach anderer Angabe 1950) in New York City ein; seine bereits in den USA lebende Schwester hatte ihm und seiner Frau eine Unterkunft in Paterson, New Jersey, vorbereitet.
Seine erste Tätigkeit in den USA war die des Weihnachtsmanns: Bereits im Dezember 1949 trat er als „größter Weihnachtsmann der Welt“ auf, wobei Kinder zwischen seinen Beinen hindurchgehen konnten. Auf die häufige Frage von Kindern nach seiner Größe antwortete er, auch sie würden groß werden, wenn sie Spinat äßen. In den folgenden Jahren trat er landesweit auf; 1950 wirkte er in der Ringling-Show mit, 1951 in der Clyde-Beatty-Show, 1952 in Kanada und 1953 auf Hawaii. Danach war er in New York City als Restaurantmanager tätig und lebte zu dieser Zeit auf der Adresse 557 Timpson Place in der Bronx.Jakob Johann Nacken in New York, U.S., Index to Petitions for Naturalization filed in New York City, 1792-1989 (englisch), abgerufen am 1. Juli 2026Jakob Nacken in New York State, Passenger and Crew Lists, 1917-1967 (englisch), abgerufen am 1. Juli 2026 1955 beantrage er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.
Um 1950 beantragte Nacken, der als Beruf „Künstler“ angab, gemeinsam mit seiner Frau die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und wurde später eingebürgert. Daneben arbeitete er als „größter Mann der Welt“ für Ripley’s Believe It or Not! und trat 1959 mit dessen „Odditorium“ am Broadway auf. In verschiedenen Fernsehsendungen wurde er als „Germany’s Long Jake“ vorgestellt.
Später kehrte Nacken nach Europa zurück, wo er am 29. März 1987 im Alter von 81 Jahren starb. (englisch), abgerufen am 1. Juli 2026
Einzelnachweise
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