Catherine Hoeffler (* 1982) ist eine Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf europäischer Sicherheits-, Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik. Sie ist Professorin für Europäische Studien am Institut für globale Studien der Universität Genf und leitet dort das Dusan-Sidjanski-Kompetenzzentrum für Europastudien. Ihre Forschung behandelt insbesondere die Schnittstelle zwischen ökonomischen Logiken und Sicherheitsfragen in Europa.
Leben Hoeffler promovierte 2011 in Politikwissenschaft an der Sciences Po in Paris mit einer Arbeit über die Rüstungspolitiken in Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union von 1976 bis 2010. Nach ihrer Promotion arbeitete sie in einem von der Agence nationale de la recherche finanzierten Postdoktorat zu US-amerikanischen Eliten und mit einer Jean-Monnet-Förderung an der Universität Montreal. Anschließend wurde sie Maîtresse de conférences für Politikwissenschaft an der École européenne de sciences politiques et sociales der Université catholique de Lille, wo sie ein Masterprogramm in Europäischen und Internationalen Studien und die Spezialisierung Internationale Sicherheit aufbaute und leitete. Im Jahr 2018 wechselte sie an die Sciences Po Bordeaux und leitete dort den Master in Europastudien. Von 2020 bis 2023 war sie Gastprofessorin am Graduate Institute in Genf und danach Jean-Monnet-Fellow am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Im Februar 2024 wurde sie an der Universität Genf zur Professorin für Europäische Studien am Institut für globale Studien sowie zur Leiterin des besagten Kompetenzzentrums ernannt. Weitere Lehr- und Forschungsstationen führten sie an das Collège d’Europe, das Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, die Universität Montreal und Sciences Po Bordeaux.
Wirken Hoefflers wissenschaftliche Arbeit untersucht die Regulierung strategischer Wirtschaftsbereiche, insbesondere Rüstung und Digitalpolitik, im Kontext von Globalisierung und wachsenden Spannungen zwischen ökonomischen und sicherheitspolitischen Fragen. Zu ihren Forschungsinteressen gehören die vergleichende und internationale politische Ökonomie der Sicherheit, europäische Sicherheitspolitik, Geoökonomie und feministische Theorie.
In ihrer Publikationsliste finden sich Arbeiten zur europäischen Rüstungskooperation, zur Europäisierung militärischer Politik und zur Rolle nationaler und europäischer Industriepolitik in der Verteidigung. Mit Frédéric Mérand schrieb sie 2015 über die begrenzte Europäisierung bei Kampfflugzeugen. Zusammen mit Lucie Béraud-Sudreau ging sie 2021 auf die konfliktrelevanten und regulativen Probleme des internationalen Waffenhandels ein. 2023 analysierte sie den Wandel europäischer Rüstungspolitik zwischen liberalen und protektionistischen Instrumenten sowie zwischen transatlantischen und europäischen Bezugsräumen. Für die Carnegie Endowment for International Peace schrieb sie 2024 über geopolitische Spannungen und wirtschaftspolitische Steuerungsfragen in der Europäischen Union.
Hoeffler wird als Expertin für europäische Verteidigungs- und Rüstungspolitik herangezogen, etwa in einem taz-Interview zum Scheitern des deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekts FCAS. Darin erklärte sie, gemeinsame europäische Großprojekte in der Rüstung seien hochpolitisch, weil industrielle Interessen, staatliche Beschaffung und verteidigungspolitische Ziele schwer zu koordinieren seien. An der Universität Genf gehört sie zudem dem schweizerischen wissenschaftlichen Beratungsnetzwerk für Krisenprävention an und arbeitet dort im Themenbereich internationaler Herausforderungen.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Einzelnachweise
Kategorie:Politikwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Universität Genf) Kategorie:Geboren 1982 Kategorie:Frau