mini|hochkant|Hökerstr. 26, 1999 Das Haus Hökerstraße 26 ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Stade aus dem Jahr 1669. Im ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Hinterhaus des Gebäudes befand sich die Synagoge der jüdischen Gemeinde.

Lage Das Gebäude steht zwischen dem alten Rathaus und dem historischen Stader Hansehafen in der Altstadt im Kirchviertel. Das Vorderhaus liegt an der Hökerstraße 26, das Hinterhaus ist von einem kleinen Platz neben der Kirche St. Cosmae betretbar und hat heute die Adresse Cosmaekirchhof 8.

Beschreibung mini|hochkant|Hökerstr. 26, um 1950 Das dreigeschossige schmale Giebelhaus mit hölzernem Dachgesims zur Hökerstraße hat eine durch drei Pilaster in zwei Hauptachsen gegliederte Backsteinfassade mit aufwändigem Werksteinschmuck. Dazu gehört ein geschmückter Segmentbogen mit geflügeltem Engelskopf über dem früheren Haupteingang, der durch ein Schaufenster ersetzt wurde. Der Zugang erfolgt durch das Nachbarhaus, dessen Erdgeschoss einen Teil des in der Hökerstraße 26 liegenden Geschäftes bildet. Die Fassade ist mit Voluten und Masken geschmückten Kapitellen an den Pilastern gestaltet und zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss befindet sich ein Fries mit steinernen Früchten.

Das über einem Gewölbekeller von 1450 errichtete schlichtere Hinterhaus weist einen unregelmäßigen rechteckigen Grundriss auf. Es handelt sich um einen zweigeschossigen Fachwerkbau mit Backsteinausfachung, zwei schwachen Auskragungen auf profilierten Balkenköpfen und mit einem ziegelgedeckten Walmdach.

Im Innern von Vorder- und Hinterhaus sind an bauzeitlichen Details teilweise Säulenkapitelle und Wandmalereien erhalten. Das Gebäude ist als Einzeldenkmal im Denkmalverzeichnis aufgeführt.

Geschichte Das Gebäudeensemble wurde im Auftrag des Weinhändlers Johannes Lüders, der zu seiner Zeit als wohlhabendster Bürger der Stadt galt, errichtet. 1665 wurde das Hinterhaus erbaut, das Vorderhaus 1669. Zuvor waren bei dem Stader Stadtbrand 1659 zwei Drittel der Häuser zerstört worden. Das Hinterhaus wurde ab 1674 vom Organisten von St. Cosmae Vincent Lübeck bewohnt. Beim Tod Johannes Lüders’ 1692 ging das Haus in den Besitz seines ältesten Sohnes Johann über.

Nach Johann Lüders’ Tod 1702 wechselte das Haus mehrfach die Besitzer, darunter waren der Stader Ratsherr Joachim von der Aa, der Pastor von Großenwörden Isaak Kramer, 1736 der Goldschmied und Ratsherr Joachim Heisling. 1802 kaufte der Buchdrucker Heinrich Andreas Friedrich das Haus und betrieb dort seine Druckerei. Im Anschluss wurde das Haus durch den Kommerzienrat Crusius bewohnt, danach vom Schlachter Hinrich Christoph Winckler, dem Weinhändler Möller, dem Hutfabrikanten Eduard Walther und ab 1937 von dem Drogisten Peters.

Nutzung als Synagoge mini|Cosmaekirchhof 8, ehemalige Synagoge in Stade mini|hochkant|Hinweistafel am Haus Cosmaekirchhof 8 In der Mitte des 19. Jahrhunderts hielt die kleine jüdische Gemeinde in Stade ihre Gottesdienste ab 1869 in einem angemieteten und eingeweihten Raum ab. Erstmals aufgeführt wurde die Synagoge im Hinterhaus der Hökerstraße 26 im Stader Adressbuch von 1873 und bestand bis 1908.

Die jüdische Gemeinde bestand zeitweise nur aus acht erwachsenen Mitgliedern sowie zwei Kindern, so dass sie zum Abhalten der Gottesdienste auf Mitglieder benachbarter Gemeinden angewiesen war, um die nach jüdischem Ritus benötigte Mindestzahl von zehn männlichen Gläubigen zu erreichen. Belegt sind aber auch Trauungen von Paaren aus Hamburg, die der Landrabbiner Dr. Heilbut aus Bremervörde vornahm.

An einer am Gebäude Cosmaekirchhof 8 angebrachten Tafel steht unter einem Davidstern und einer hebräischen Inschrift der Text „In diesem Gebäude befand sich die Synagoge, das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde in unserer Stadt“.

Sanierung und Erhaltung Im Jahr 2020 wurde Ulf Brokelmann neuer Eigentümer und begann mit der Sanierung des Hauses. Seine Familie hatte im angemieteten Erdgeschoss des Hauses über dreißig Jahre lang ein Modegeschäft betrieben. Unter anderem wurden fast alle Balken ersetzt und eine neue Heizung eingebaut.

Die Instandsetzung des Wohn- und Geschäftshauses wurde mit Mitteln der Städtebauförderung in Höhe von 592.000 Euro, der Bingo-Stiftung mit 20.000 Euro und vom Land Niedersachsen mit 50.000 Euro gefördert. 100.000 Euro der Deutschen Stiftung Denkmalschutz dienten der Sanierung des Hinterhauses. Im Zuge der Sanierung entstanden mehrere Wohneinheiten.

Weblinks

Einzelnachweise Wohnhaus Hökerstraße 26. In: Denkmalatlas Niedersachsen. Abgerufen am 10. Juni 2026

Wohnhaus Cosmaekirchhof 8. In: Denkmalatlas Niedersachsen. Abgerufen am 10. Juni 2026

Sanierung der ehemaligen Synagoge in Stade kann beginnen. In: Deutsche Stiftung Denkmalschutz vom 23. Dezember 2022. Abgerufen am 8. Juni 2026

Einweihung der Hökerstraße 26 in Stade. In: Deutsche Stiftung Denkmalschutz vom 4. Mai 2026. Abgerufen am 9. Juni 2026

Stade (Niedersachsen). In: Klaus-Dieter Alicke: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden. Abgerufen am 8. Juni 2026

Jörg Dammann: Als es in Stade noch eine Synagoge gab. In: kreiszeitung-wochenblatt.de vom 7. Februar 2023. Abgerufen am 9. Juni 2026

Jüdische Gemeinde zu Stade. In: stolpersteine-stade.de. Abgerufen am 8. Juni 2026

Anping Richter: Juwel der Stader Altstadt wird aufpoliert: Das sagt das Haus zur Sanierung. In: Stader Tageblatt vom 8. Januar 2023. Abgerufen am 9. Juni 2026

Anping Richter: Baujahr 1669: Ein Stader Haus erzählt seine Geschichte. In: Stader Tageblatt vom 25. Dezember 2021. Abgerufen am 9. Juni 2026

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