mini|Friedrich-Fröbel-Schule, 2013 Die Friedrich-Fröbel-Schule ist ein denkmalgeschütztes Schulgebäude in Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Aktuell wird es von der Magdeburger Trilingualen Kita genutzt.
Lage Die Schule befindet sich in der Magdeburger Altstadt auf der Nordseite der Kleinen Schulstraße, an der Adresse Kleine Schulstraße 24.
Architektur und Geschichte Das Grundstück ist eines der ältesten Schulgrundstücke in der Magdeburger Altstadt und war namengebend für die Kleine Schulstraße. Allerdings bestand zunächst eine andere Nutzung.
Vorgängerbebauung Das Schulgrundstück umfasst die historischen Grundstücke Nummern 23 (Ostteil) und 24 (Westteil), auch wenn die heutige Adressierung nur noch die Nummer 24 nennt.Magdeburger Adreßbuch 1939, Verlag August Scherl Nachfolger, Teil II, Seite 171.
Erster bekannter Eigentümer der Nummer 23 war Gotthart Bartling, 1651 dann die Witwe von Adam Schröder. Im Jahr 1694 veräußerte die Witwe von Otto Tolling die Stätte für 50 Taler an den Strumpfweber Pierre Arnac, der die Fläche bebaute. 1708 veräußerte der Schlosser Pierre Abriq das Grundstück für 300 Taler an die Wollenweber Jean Roux und Pierre Gandin (auch Cantienne). Gandin wurde zuletzt 1719 erwähnt, während Roux noch bis 1743 Eigentümer war.
Die Nummer 24 gehörte 1631 und auch 1640 Mathias Jendrian, 1651/1653 dann seiner Witwe. 1693 gehörte das Grundstück dem Schneider Johann Pöscher und dem Bäcker Georg Christoph Pöscher, die das Brauhaus neu errichteten. Das Braurecht war wohl 1680 vom Grundstück Kleine Schulstraße 22 hierher übertragen worden. Zu diesem Zeitpunkt hatten beide Grundstücke den gleichen Eigentümer. Der Name des Hauses lautete Zur weißen Scheere. Pöscher verkaufte das Anwesen 1715 an den Goldschmied Georg Fresser, der es 1719 für 1950 Taler an den Schneider Konrad Kelly veräußerte, der bis 1738 Eigentümer blieb.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 410.
Nutzung als Schule mini|Seitengebäude, 2026 Im Jahr 1884 entstand das dreigeschossige Seitenhaus nach einem Entwurf des Stadtbauinspektors Emil Jaehn. Zu diesem Zeitpunkt bestanden noch zwei ältere, heute nicht mehr erhaltene Schulhäuser auf dem Grundstück. Eines davon war zweigeschossig und grenzte rückseitig unmittelbar an die Stadtmauer. Der neu errichtete, noch heute erhaltene gelbe Klinkerbau ist siebenachsig ausgeführt und steht giebelständig zur Kleinen Schulstraße. Mit seiner Ostseite grenzte er direkt an die Garnisonwaschanstalt (Kleine Schulstraße 18 bis 22). Es verfügt über einen Eingangsrisaliten. Die gliedernden Elemente wie Sohlbänke, Segmentbögen, die Geschossgesimse und das Kranzgesims sind mit roten Ziegeln von den gelben Klinkern abgesetzt. Bedeckt ist der Bau mit einem Flachdach. mini|Eule über dem Haupteingang, 2013 Ab 1914 entstand dann, weiter zurückgesetzt aber traufständig, nach einem Entwurf des Architekten Paul Thürmer ein neues, großes Schulhaus, als 4. Volksmädchenschule. Es ist im Stil des Neoklassizismus gestaltet. An seiner Stelle befand sich noch ein Teil der alten Stadtmauer, die in diesem Zuge jedoch abgerissen. Da das Gelände hier nach Norden hin abfällt, ist der Bau auf der Südseite zur Kleinen Schulstraße drei- und nach Norden zur Rötgerstraße hin, viergeschossig. Die Südfassade ist von einem breit gelagerten, sechsachsigen Dacherker dominiert, der von einem Dreiecksgiebel mit ovalem Okulus bekrönt ist. Im Erdgeschoss dieses Mittelteils ist links etwas zurückgesetzt der Haupteingang angeordnet. Er wird von der Skulptur einer Eule bekrönt. Gegliedert wird diese Fassade durch lisenenartige Strukturen. mini|Nordfassade, Blick von der Rötgerstraße, 2017 Die Nordfassade wird hingegen von einem sechsachsigen Mittelrisaliten dominiert. Dieser fünfgeschossige Risalit wird von einem breiten Dreiecksgiebel bekrönt, in dem sich ein ovaler Okulus samt Eule befindet. Der Risalit wird von vertikalen, sparsamen in Formen des Jugendstils gestalteten Schmuckbändern gerahmt.
Die Wandoberflächen sind flach geschichtet, die Fensteröffnungen als stehende Rechtecke ausgeführt. Insgesamt erinnert die Gestaltung an die bauzeitliche Industriearchitektur. Bedeckt ist das Gebäude von einem hohen Walmdach, wobei die West- und Ostseite trotzdem als Giebel ausgebildet sind. Das Dachgeschoss sollte nach der Planung zum Teil ausgebaut werden. Dort war die Unterbringung eines Zeichensaals sowie von Sammlungs- und Modellräumen vorgesehen. Oberhalb war noch ein Spitzboden angeordnet.Sabine Ullrich: Magdeburger Schulen. Hrsg.: Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt Magdeburg 2006, Seite 145.
Die Bauarbeiten wurde 1916 mit der Errichtung der Einfriedungsmauer abgeschlossen. Die nördliche Einfriedungsmauer zur Rötgerstraße hin ist im Original erhalten. Das weithin sichtbare Gebäude gilt als städtebaulich bedeutend und architekturgeschichtlich als bemerkenswerter Schulbau des frühen 20. Jahrhunderts.Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 350 f.
1992 wurde hier die Friedrich-Fröbel-Schule, Sonderschule für Lernbehinderte eingerichtet und der entsprechende Namenszug an der Südfassade angebracht. Die Benennung erfolgte nach dem Pädagogen Friedrich Fröbel. Die Fröbelschule fusionierte 2010 mit der Salzmannschule, so dass der Standort in der Kleinen Schulstraße geschlossen wurde.
Nutzung seit 2010 Das Schulgebäude wurde dann als Ausweichquartier für in Sanierung befindliche Schulen und ab 2015 als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Die Stadt Magdeburg verkaufte das Haus dann an einen privaten Investor, der die Gebäude 2018 für eine Nutzung als Kindertageseinrichtung herrichtete. Die Stiftung Evangelische Jugendhilfe als Trägerin der Trilingualen Kita mietete den Gebäudekomplex und richtete eine dreisprachige (Deutsch, Englisch und Französisch) Kita mit insgesamt 190 Plätzen ein.
Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt ist die Schule unter der Erfassungsnummer 094 17440 als Baudenkmal verzeichnet.Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Mitglied des Landtages Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen) vom 24. Februar 2026 Drucksache 8/6626 (KA 8/3520) Entwicklung des Denkmalbestandes, Seite 227.
Literatur Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 410. Sabine Ullrich: Magdeburger Schulen. Hrsg.: Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt Magdeburg 2006, Seite 145 ff. Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 350 f.
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Einzelnachweise
Kategorie:Schulgebäude in Magdeburg Kategorie:Kulturdenkmal in Magdeburg Kategorie:Erbaut 1884 Kategorie:Erbaut 1914 Kategorie:Friedrich Fröbel als Namensgeber