mini|Stiftsrathaus, Sitz des Gerichtes Der Königliche Gerichtshof für den Jagstkreis in Ellwangen (auch Kreisgerichtshof Ellwangen) war im Königreich Württemberg von 1819 bis 1869 eines der vier und danach eines der acht Mittelgerichte.
Geschichte Vorgeschichte Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 fielen Stadt und Fürstpropstei Ellwangen an Württemberg. Ellwangen wurde Sitz der Oberlandesregierung für Neuwürttemberg als obere und oberste Justizbehörde geschaffen. Die Mittelinstanz bildeten drei Landvogtei-Gerichte bei den Landvogteien in Ellwangen, Heilbronn und Rottweil. Mit der Eingliederung Neuwürttembergs in das 1806 neu geschaffene Königreich Württemberg entfielen diese Gerichte. 1817 wurde ein Kriminalsenat von Esslingen nach Ellwangen verlegt und dieser zum selbständigen Kriminalgerichtshof für den Jagst- und den Donaukreis erklärt.
Gerichtshof für den Jagstkreis Durch das Kreisedikt von 1817 wurde das Königreich Württemberg in vier Kreise eingeteilt, darunter der Jagstkreis. Mit der Verordnung, einige Veränderungen in dem Wirkungskreise der Provinzial-Gerichthöfe betreffend vom 9. Oktober 1818 wurde angeordnet, dass ab dem 1. Januar 1819 in jedem der Kreise ein Gerichtshof eingerichtet werden sollte. So entstand der Gerichtshof für den Jagstkreis, dessen Sprengel der Jagstkreis bildete.Verordnung, einige Veränderungen in dem Wirkungskreise der Provinzial-Gerichthöfe betreffend, vom 9. Oktober 1818, in: Königlich-Württembergisches Staats- und Regierungsblatt vom 12. Oktober 1818, S. 561 f. Der Gerichtshof bestand 1824 aus vier Senaten, nämlich dem Kriminal-, Zivil-, Pupillen- (Vormundschafts-)Senar und seit 1822 dem Ehegericht.
Nachgelagert waren folgende Gerichte: Gericht Klasse Sitz Sprengel Anmerkungen Oberamtsgericht Aalen 3. Klasse Aalen Oberamt Urach Oberamtsgericht Crailsheim 3. Klasse Crailsheim Oberamt Crailsheim Oberamtsgericht Ellwangen 1. Klasse Ellwangen Oberamt Ellwangen Oberamtsgericht Gaildorf 2. Klasse Gaildorf Oberamt Gaildorf Oberamtsgericht Gerabronn (seit 1823) Oberamtsgericht Langenburg 1. Klasse Gerabronn, ab 1823 Langenburg Oberamt Gerabronn Oberamtsgericht Gmünd 1. Klasse Schwäbisch Gmünd Oberamt Gmünd Oberamtsgericht Hall 1. Klasse Schwäbisch Hall Oberamt Hall Oberamtsgericht Heidenheim 1. Klasse Heidenheim Oberamt Heidenheim Oberamtsgericht Künzelsau 1. Klasse Künzelsau Oberamt Künzelsau Oberamtsgericht Mergentheim 1. Klasse Mergentheim Oberamt Mergentheim Oberamtsgericht Neresheim 2. Klasse Neresheim Oberamt Neresheim Oberamtsgericht Öhringen 1. Klasse Öhringen Oberamt Öhringen Oberamtsgericht Schorndorf 1. Klasse Schorndorf Oberamt Schorndorf Oberamtsgericht Welzheim (bis 1819: Oberamtsgericht Lorch) 3. Klasse Welzheim Oberamt Welzheim Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. 1866 S. 112 f., S. 193 f., S. 112 f., S. 193 f.
Daneben bestanden Patrimonialgerichte: Gericht Kreisgericht Sitz Besitzer, Sprengel Anmerkungen königlich und fürstliches Hohenlohe-Waldenburg-Bartensteinisches Amtsgericht Bartenstein Kreisgericht für den Jagstkreis Bartenstein Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein, Herrschaft Bartenstein Aufgelöst 1839 königlich und fürstliches Thurn und Taxissches Amtsgericht Neresheim Kreisgericht für den Jagstkreis Neresheim Thurn und Taxis, Abtei Neresheim
Mit dem Gesetz vom 4. Juli 1849 betr. die Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit und PolizeiverwaltungReg.Bl. S. 269. wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit abgeschafft. Mit Gesetz vom 17. August 1849, betr. die Aufhebung der befreiten Gerichtsstände erfolgte die weitgehende Aufhebung der privilegierten Gerichtsstände.Reg.Bl. S. 463.
Auflösung Durch das Gesetz über die Gerichtsverfassung vom 13. März 1868 wurden im Königreich Württemberg acht Kreisgerichtshöfe gebildet, also für jeden Kreis zwei Gerichte. Der Kreisgerichtshof für den Jagstkreis gab daher die Hälfte seines Sprengels an den neu gegründete Kreisgerichtshof Hall in Schwäbisch Hall ab. Die Änderungen traten zum 1. Februar 1869 in Kraft. Beim Kreisgerichtshof Ellwangen verblieben die Oberamtsgerichte Aalen, Ellwangen, Gmünd, Heidenheim, Neresheim, Schorndorf und Welzheim.
1879 wurden reichweit einheitlich Landgerichte gebildet, damit endete die Geschichte des Kreisgerichtshofs für den Jagstkreis. An seiner Stelle entstand das Landgericht Ellwangen.Königlich württembergisches Hof- und Staatshandbuch, 1877, S. XII, Digitalisat.
Sitz des Gerichtes Das Kreisgericht war zunächst im Benediktinerkloster, zwischen Basilika und jetzigem Jeningen-Heim gelegen, untergebracht. Seit 1854 nutzte das Gericht das frühere Stiftsrathaus für die Zivilkammern und die Verwaltung des Gerichts.
Richter Johann Philipp Christian Heuchelin (Direktor 1819) Carl Friedrich Göz (Direktor 1819–1839)
Literatur Benjamin Lahusen: Festschrift: 200 Jahre Landgerichte Ellwangen, Tübingen, Ulm, S. 48–54, Digitalisat.
Einzelnachweise
Jagstkreis Kategorie:Gerichtsgründung 1819 Kategorie:Aufgelöst 1879 Kategorie:Organisation (Ellwangen (Jagst))