mini|Reichstädtisches Rathaus, Sitz des Gerichtes Der Königliche Gerichtshof für den Neckarkreis in Esslingen (auch Kreisgerichtshof Esslingen) war im Königreich Württemberg von 1819 bis 1869 eines der vier Mittelgerichte.

Geschichte Vorgeschichte Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 fiel Esslingens an Württemberg. Mit dem Beitritt zum Rheinbund 1806 wurde die Gerichtsorganisation im neu geschaffenen Königreich Württemberg neu organisiert. Oberste Instanz war nun das Ober-Appellations-Tribunal in Tübingen. Mittelgericht wurde das Ober-Justiz-Collegium. Dieses wurde aber geteilt: Esslingen wurde 1806 zum Sitz des Ersten Senats (Kriminaltribunal) des Ober-Justiz-Kollegiums und Stuttgart zum Sitz des Zivilsenats. 1811 wurde aus der Esslinger Kammer ein eigenständiges Criminal-Tribunal. Eingangsinstanz waren seit 1811 einheitlich die Oberämter. Sitz der Kammer bzw. des Gerichtes war das bisherige Rathaus.

Gerichtshof für den Neckarkreis Durch das Kreisedikt von 1817 wurde das Königreich Württemberg in vier Kreise eingeteilt, darunter der Neckarkreis. Mit der Verordnung, einige Veränderungen in dem Wirkungskreise der Provinzial-Gerichthöfe betreffend vom 9. Oktober 1818 wurde angeordnet, dass ab dem 1. Januar 1819 in jedem der Kreise ein Gerichtshof eingerichtet werden sollte. So entstand der Gerichtshof für den Neckarkreis, dessen Sprengel der Neckarkreis bildete.Verordnung, einige Veränderungen in dem Wirkungskreise der Provinzial-Gerichthöfe betreffend, vom 9. Oktober 1818, in: Königlich-Württembergisches Staats- und Regierungsblatt vom 12. Oktober 1818, S. 561 f. Der Sitz blieb im vormaligen Rathaus (heute Sitz des Amtsgerichts Esslingen am Neckar) und das Personal des Criminal-Gerichtshofs wurde übernommen. Der Gerichtshof bestand 1824 aus vier Senaten, nämlich dem Kriminal-, Zivil-, Pupillen- (Vormundschafts-)Senat und seit 1822 dem Ehegericht.

Nachgelagert waren folgende Gerichte: Gericht Klasse Sitz Sprengel Anmerkungen Stadtgericht für die Strafrechtspflege und Ehesachen (Criminalgericht) 1. Klasse Stuttgart Stuttgart Stadtgericht für die bürgerliche Rechtspflege (Stadtgericht) 1. Klasse Stuttgart Stuttgart Oberamtsgericht Backnang 2. Klasse Backnang Oberamt Backnang Oberamtsgericht Besigheim 2. Klasse Besigheim Oberamt Besigheim Oberamtsgericht Böblingen 3. Klasse Böblingen Oberamt Böblingen Oberamtsgericht Brackenheim 2. Klasse Brackenheim Oberamt Brackenheim Oberamtsgericht Cannstatt 2. Klasse Cannstatt Oberamt Cannstatt Oberamtsgericht Eßlingen 1. Klasse Eßlingen Oberamt Eßlingen Oberamtsgericht Heilbronn 1. Klasse Heilbronn Oberamt Heilbronn Oberamtsgericht Leonberg 2. Klasse Leonberg Oberamt Leonberg Oberamtsgericht Ludwigsburg 1. Klasse Ludwigsburg Oberamt Ludwigsburg Oberamtsgericht Marbach 1. Klasse Marbach am Neckar Oberamt Marbach Oberamtsgericht Maulbronn 2. Klasse Maulbronn Oberamt Maulbronn Oberamtsgericht Neckarsulm 2. Klasse Neckarsulm Oberamt Neckarsulm Oberamtsgericht Stuttgart 2. Klasse Stuttgart Amtsoberamt Stuttgart Oberamtsgericht Vaihingen 2. Klasse Vaihingen an der Enz Oberamt Vaihingen Oberamtsgericht Waiblingen 2. Klasse Waiblingen Oberamt Waiblingen Oberamtsgericht Weinsberg 1. Klasse Weinsberg Oberamt Weinsberg Bauamtsverweserei Widdern Widdern Oberamt Neckarsulm Widdern war Kondominium zwischen Baden und Württemberg. Es galten württembergische Gesetze und auch die württembergische Justiz war zuständig.C.J. Hufnagel und C. F. Scheurlen: Die Gerichtsverfassungen der teutschen Bundesstaaten dargestellt von Geschäftsmännern der einzelnen Staaten, 1829, S. 441, Digitalisat. Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. 1866 S. 112 f., S. 193 f., S. 112 f., S. 193 f.

Auflösung Durch das Gesetz über die Gerichtsverfassung vom 13. März 1868 wurden im Königreich Württemberg acht Kreisgerichtshöfe gebildet, also für jeden Kreis zwei Gerichte. In diesem Zusammenhang wurde das Gerichtshof für den Neckarkreis von Esslingen nach Stuttgart verlegt. Die Änderungen traten zum 1. Februar 1869 in Kraft. Die Strafkammer des Kreisgerichtshofs Stuttgart und das Schwurgericht tagten aber weiter in Esslingen. 1879 wurden reichweit einheitlich Landgerichte gebildet, damit endete die Geschichte dieser Kammern.

Richter Ludwig Christoph Matthäus Huber (Direktor ab 1819)

Literatur Benjamin Lahusen: Festschrift: 200 Jahre Landgerichte Ellwangen, Tübingen, Ulm, S. 32–39, Digitalisat.

Einzelnachweise

Neckarkreis Kategorie:Gerichtsgründung 1818 Kategorie:Aufgelöst 1869 Kategorie:Organisation (Esslingen am Neckar)