mini|Orpheus mini|Das Mosaik des Trikliniums mini|Panel mit Ausschnitt aus dem Stück Misoumenos Das Haus des Menander in Mytilene auf Lesbos ist wegen seiner reichen figürlichen Mosaikausstattung von großer kunst- und theaterhistorischer Bedeutung und datiert ins 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. Die Mosaiken befinden sich heute im Archäologischen Museum von Mytilini, während die Reste des eigentlichen Hauses vor Ort konserviert sind.
Das Haus wurde zum Teil schon 1930 gefunden und dann von 1961 bis 1962 unter der Leitung von Seraphim Charitonidis zum Teil freigelegt. Zwei Räume mit Mosaiken wurden vollständig freigelegt, zwei weitere Räume – einer davon mit einem Mosaik – nur zum Teil.Charitonidis, Kahil, Ginouvès: Les mosaïques de la Maison du Ménandre à Mytilène, S. 10, Abb. 1. Weitere Grabungen fanden zwischen 1973 und 1975 und zwischen 2010 und 2015 statt. Auf einem Mosaik im Haus ist der griechische Komödiendichter Menander (ca. 342/341 v. Chr. bis 291/290 v. Chr.) dargestellt, was dem Haus seinen modernen Namen gab. Weitere figürliche Mosaikbilder stellen Szenen aus Komödien des Menander dar.
Das Haus wurde im 2. oder 3. Jahrhundert errichtet, wobei es einen hellenistischen Vorgängerbau gab. Es war bis ins 6. Jahrhundert bewohnt, wobei es im Laufe der Zeit Umbauten gab. Es besitzt einen zentralen Hof und ein Peristyl. Darum ordnen sich diverse Räume an. Teile des Hauses sind gänzlich verloren, da sie in byzantinischer Zeit überbaut wurden.
Drei Mosaiken sind von besonderer Bedeutung. Zwei von ihnen stehen in enger Verbindung zu Menander und datieren wahrscheinlich an den BeginnSo Berczelly, in: Bulletin of the Institute of Classical Studies. Band 35, 1, 1988, S. 119–126 . oder das Ende des 4. Jahrhunderts,So Nervegna: Menander in antiquity, S. 123 (spätes viertes Jahrhundert). wobei ein Orpheus-Mosaik früher zu datieren ist. Dieses befand sich in der Haupthalle des Hauses: Orpheus sitzt auf einem Felsen und spielt die Lyra. Um ihn herum sind Tiere dargestellt. In diversen Feldern um das oktogonale Zentralfeld befinden sich weitere Felder mit weiteren Tieren als Hauptmotiv.
Im Triklinium des Hauses befand sich ein Mosaik mit diversen Szenen aus Menanderwerken, einem Bild des Dichters und einem Bild der Muse Thalia, in insgesamt zehn Feldern. Folgende Werke sind hier dargestellt: Plokion, Samia (Das Mädchen aus Samos), Synaristosai (Frauen beim Mittag), Epitrepontes (Das Schiedsgericht), Theophoroumene (Die Besessene), Encheiridion und Messenia.Nervegna: Menander in antiquity, S. 264. Die einzelnen Szenen sind durch griechische Beischriften identifiziert. Die Namen der drei Akteure sowie die Aktnummern sind beigefügt. Diese Bilder sind von besonderem Interesse, da sie helfen, verlorene Meanderstücke zu rekonstruieren.Ioannidou, in Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik, 194, 2015, S. 30.
Auch das Bild des Menander hat eine griechische Beischrift. Auf demselben Mosaik befindet sich auch das Bild der Muse Thalia (mit griechischer Beischrift und Theatermaske), der Muse der Komödie. Vier weitere Szenen von Menanderstücken finden sich auf einem Mosaik in der Portikus des Hauses: Kybernetai, Leukadia, Misoumenos, Phasma.Nervegna: Menander in Antiquity, S. 266. Hier befindet sich auch ein Bild des Sokrates.
Literatur Serapheim Charitonidis, Lilly Kahil, René Ginouvès: Les mosaïques de la Maison du Ménandre à Mytilène. Basel 1970. Laszlo Berczelly: The date and significance of the Menander mosaics at Mytilene. In: Bulletin of the Institute of Classical Studies. Band 35, 1, 1988, S. 119–126 (Digitalisat). Eric Csapo: Mise en scène théâtrale, scène de théâtre artisanale: les mosaïques de Ménandre à Mytilène, leur contexte social et leur tradition iconographique. In Pallas. Revue d’études antiques Band 47, 1997, S. 165–182 (Digitalisat). Eric Csapo: Actors and Icons of the Ancient Theater. Oxford 2010, S. 140–167. Sebastiana Nervegna: Menander in Antiquity: the contexts of reception. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2013, ISBN 978-1-107-00422-1. Kyriaki Ioannidou: The Act Number Inscribed on the Mytilene Mosaic of Menander’s „Theophoroumene“: an Old Problem Revisited. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik. Band 194, 2015, S. 29–35 (Digitalisat).
Weblinks „House of Menander“ in Mytilene, auf The Archaeological Sites and Monuments of Lesbos Cultural/Archaeological Routes
Einzelnachweise
Kategorie:Mosaikkunst Kategorie:Lesbos Kategorie:Römisches Wohnhaus Kategorie:Römisches Bauwerk in Griechenland Kategorie:Erbaut im 2. oder 3. Jahrhundert Kategorie:Mytilini (Gemeinde) Kategorie:Menander