Die elektrischen Tagebaulokomotiven Grube Clara/Welzow 1–13 wurden von 1922 bis 1926 bei AEG in 13 bekannten Exemplaren gefertigt. Es entstanden 12 Lokomotiven im Jahr 1922, sie erhielten die Nummern 1–12.Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010 1926 kam noch eine Nachlieferung dazu.Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft: Elektrische Tagebaulokomotiven, 1952, BTJ 5741, Seite 3 Die Lokomotiven wurden für den Kohlefahrbetrieb der Grube mit einfachsten Mitteln zwischen den Gruben und den Brikettfabriken verwendet. Sie wurden als Endführerstandlokomotiven ähnlich der AEG Bo 24t beschafft.
Geschichte Vorkriegsgeschichte mini|links|Gleispromenade Welzow, früherer Einsatzort der Lokomotiven Die zweiachsigen Lokomotiven wurden von der Eintracht Braunkohlenwerke für den Kohlefahrbetrieb zwischen den Gruben Clara I sowie II Welzow und den Brikettfabriken Clara IIInformation über die Brikettfabrik II auf www.kuladig.de sowie Clara IVInternetseite über die Brikettfabrik Clara IV verwendet. Der Betrieb war mit dem Abbau des 1. Lausitzer Kohleflözes beschäftigt. Anfangs förderten die Brikettfabriken ihre Kohle mit Hilfe von Kettenbahnen. Als sich die Förderstellen immer weiter von den Kohlebunkern entfernten, wurden Kohlebahnen zu den Bunkern mit Sattelbodenwagen von je 20 t Förderinhalt angelegt.
Das war die Grundlage für die Beschaffung der Endführerstandlokomotiven von AEG. Es wurden 1922 12 Exemplaren geliefert, 1926 folgte eine Nachlieferung.Auflistung der von AEG gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden)
Die Lokomotiven wurden für das Spannungssystem 550 V hergestellt. Die Fahrzeuge der Lieferung 1922 erhielten die Nummern 1–12. Der Fahrweg der Lokomotiven erstreckte sich auf dem Bereich der heute als Museumsbahn betriebenen GleispromenadeInternetseite über die Gleispromenade Welzow auf bundespreis-stadtgruen.de bis etwa zum Bereich der ehemaligen Brikettfabrik Haidemühl. Für diesen Bereich von ca. 3 km Länge ohne Steigungen war ein Betrieb mit 550 V ausreichend. Eine erste Einschränkung brachte 1944 die Errichtung der Kohlebahn Welzow-Knappenrode (Bahnstrecke Kausche-Lauta von Welzow bis Bluno und Bahnstrecke Bluno–Knappenrode), die aufgrund ihrer Länge von 26,5 km eine höherer Spannung von 1200 V benötigte.Internetseite über die Lausitzer Grubenbahn mit Erwähnung der Kohlebahn Welzow-Knappenrode auf sachsenschiene.net
Nachkriegsgeschichte
Um 1955 wurde die Fahrleitungsspannung bei den an die Kohleverbindungsbahnen anschließenden Strecken einheitlich auf 1200 V festgelegt.Holger Neumann, Matthias Fiedler, Der Tagebau Meuro und die Kohlebahnen um Senftenberg 1960–2003, Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode 2024, ISBN 978-3-933178-49-7, Seite 78
Sichtungsmeldungen, wie der Betrieb in der Brikettfabrik Haidemühl mit einer Endführerstandlok,historische Sichtungsmeldung einer Endführerstandslok in der Brikettfabrik Haidemühl auf YouTube geben keinen Anhaltspunkt für das Existieren der Lokomotiven nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Bereiche der Grube Clara und der Brikettfabrik Haidemühl sind heute (2026) in den Tagebau Welzow-Süd aufgegangen.LMBV, Welzow-Süd, Jänschwald, Cottbus Nord, Unternehmenskommunikation, Knappenstraße 1, 01968 Senftenberg, www.lmbv.de
Technik
Die Lokomotiven gehörten zu den kleinsten und leichtesten Maschinen von AEG.
Sie sind als halbe Lokomotiven der damals üblichen Drehgestelllokomotiven gebaut worden. Durch den Führerstand am Fahrzeugende konnte der Achsstand so klein wie bei Drehgestellokomotiven gehalten und der Kurvenlauf verbessert werden. Von diesen Lokomotiven mit Endführerstand wurden später auch Serien für 1100 V und Leistungen bis 200 kW gefertigt.Georg Klein: Die deutsche Braunkohlenindustrie 1, Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau, in Die deutsche Braunkohlenindustrie, Halle 1933.
Die elektrische Ausrüstung bestand aus Gleichstromtechnik. Die elektrische Spannung wurde von der Fahrleitung über den Nockenfahrschalter zur Widerstandssteuerung für die elektrischen Fahrmotoren geleitet, die als Reihenschlussmaschinen ausgeführt waren. Die Lokomotiven waren für 550 V ausgelegt. Die Motoren waren bei diesen Lokomotiven vollständig gekapselt und mit Eigenbelüftung versehen.
Auf dem Vorbau saßen ein mittig angeordneter Stromabnehmer, der anfangs als Walzenabnehmer ausgeführt war,Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft, Elektrische Bahnen, Wagenausrüstung, Berlin, 1910, Seite 27 sowie für den Einsatz auf Strossengleisen zwei kleinere, daneben liegenden Seitenstromabnehmer mit Schleifleisten, die schräg gelagert waren. Elektromechanische Schütze schalteten die Hilfsbetriebemotoren. Die Steuer- und Beleuchtungsspannung betrug 24 V. Die Bremsanlage war auch wie der Fahrbetrieb einfach gehalten und bestand aus elektrischer Bremse sowie Handbremse.
Literatur Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft: Elektrische Tagebaulokomotiven, 1952, BTJ 5741 Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010 Curt Hanfland, Der neuzeitliche Maschinenbau, 4. Teil, Die Verkehrsmaschinen, Literaturwerke Max Lippold, Leipzig, 1929
Weblinks
Internetseite über die Grube Clara I, Einsatzort der Endführerstandsloks von AEG auf www.kuladig Internetseite über die Grube Clara II, Einsatzort der Endführerstandsloks von AEG auf www.kuladig
Einzelnachweise
Kategorie:Elektrolokomotive für Gleichstrom 550 V Kategorie:Triebfahrzeug (Deutschland) Kategorie:Schienenfahrzeug (AEG) Kategorie:Tagebaulokomotive