mini|hochkant|Évariste Jonchère, 1924. Bibliothèque nationale de France Victor-Jules-Évariste Jonchère (* 8. Juli 1892 in Coulonges-les-Hérolles, Département Vienne; † 22. Februar 1956 in Paris) war ein französischer Bildhauer des frühen 20. Jahrhunderts. Er wurde vor allem durch seine im Kontext des Kolonialismus entstandenen Werke sowie durch großformatige Auftragsarbeiten für öffentliche Gebäude bekannt.

Leben Évariste Jonchères Familie zog 1903 nach Saint-Mandé bei Paris. Von 1908 bis 1912 studierte er an der École nationale supérieure des beaux-arts (ENSBA) in Paris bei Jean-Antoine Mercié. Anschließend leistete er von 1912 bis 1919 Militärdienst, darunter Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg. In dieser Zeit übernahm er einen Bauernhof in Mirepoix im Département Ariège. 1920 setzte Jonchère sein Studium an der ENSBA im Atelier von Jean Boucher für kurze Zeit fort. In den folgenden Jahren nahm er mehrfach am Wettbewerb um den Premier Grand Prix de Rome teil, den er 1925 mit dem Basrelief Le Vendange (Gips, Paris, ENSBA) gewann. Von 1925 bis 1929 hielt er sich als Stipendiat der Académie de France à Rome in Rom auf und bereiste anschließend Italien und Griechenland. Danach ließ er sich in Montmartre nieder.

Von 1929 bis 1932 war Évariste Jonchère als Lehrer an der École des Beaux-Arts in Le Havre tätig. 1932 erhielt er den Prix de l'Indochine, der mit einem Reisestipendium verbunden war. Von 1932 bis 1934 hielt er sich in Französisch-Indochina auf. Ab 1938 war er Direktor der École des Beaux-Arts d’Indochine in Hanoi. Ab 1945 lebte er erneut in Mirepoix und unternahm eine Reise durch Kamerun, Tschad und Senegal. 1951 kehrte er nach Paris zurück und erhielt den Grand Prix de l’Afrique équatoriale française (AEF) sowie ein weiteres Reisestipendium für Afrika. Von 1952 bis 1954 leitete er die École Supérieure d’Artisanat et d’Art in Brazzaville. Ab 1954 lebte er wieder dauerhaft in Paris, wo er am 22. Februar 1956 verstarb.

Werk mini|hochkant|Le rythme africain, 1951. Musée des Années Trente, Boulogne-Billancourt Évariste Jonchères Schaffen ist von klassizistischen Vorbildern sowie vom Art déco beeinflusst. Er schuf Statuen, Statuetten und Porträtbüsten aus Gips, Bronze, Holz, Terrakotta und Marmor, die zumeist eine glatte Oberfläche aufweisen. Seine figürlichen Darstellungen, häufig Modelle aus Französisch-Indochina, zeigen Personen bei alltäglichen Verrichtungen. Dabei finden die fein geschnittenen Gesichtszüge der Dargestellten besondere Beachtung.

Freiplastik und Porträtbüsten Zu seinen bekanntesten freiplastischen Arbeiten zählen die Danseuse royale du Cambodge (Bronze und Holz, um 1936), die Jeune femme vietnamienne (Indochine) (Torso, patinierte Bronze, 1944) und Tonkinoise se coiffant (um 1947). Zu den Porträtbüsten zählen: Buste d’Habib Benglia (Senegal) (Bronze, 1934, Musée des Années Trente, Boulogne-Billancourt), Savi Vannah, jeune princesse laotienne (Bronze, 1935, Conseil général de la Haute-Savoie, Annecy), S.A.R. le Prince Sri Savang Vathana (Laos) (Bronze, um 1936), Louis Rollin, ministre des Colonies (Terrakotta, um 1935) und Monseigneur Bessieux, premier évêque du Gabon (Gips, um 1955).

Basreliefs und Auftragswerke Eine besondere Affinität zur Gestaltung von Basreliefs zeigte sich bereits während seines Romaufenthalts. Die als Stipendiatenarbeit nach Paris eingesandte Darstellung Elieser und Rebekka wurde 1928 im Salon des artistes français mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Die nachfolgende Gipsgruppe Pasiphaë und der Stier (1929) erhielt 1930 im selben Salon eine Goldmedaille (Annecy, Conseil général de la Haute-Savoie). Anlässlich der Exposition internationale coloniale 1931 in Paris gestaltete Jonchère zwei monumentale Basreliefs als Supraporten für den Palais de la Métropole: La France donne aux colonies und La France reçoit des colonies. Beide wurden zerstört, der Originalgips des letzteren befindet sich im Conservatoire d’Art et d’Histoire in Annecy (Depot).

Für die Pariser Weltausstellung von 1937 erhielt Jonchère mehrere bedeutende Aufträge: das monumentale Basrelief Apollon musagète für das neu erbaute Palais de Chaillot, das Basrelief Les arts du théâtre für die Bühne des im selben Palais befindlichen Theaters – der Originalgips befindet sich im Musée de la Ville in Mont-de-Marsan, der Bronzeabguss ist heute im Palais de Chaillot zu sehen – sowie die patinierte Gipsgruppe Homme et singe für den Pavillon Kameruns. Darüber hinaus schuf er zwei Buddhafiguren für das große Portal des Pavillons von Französisch-Indochina. Im Jahr 1948 erhielt er den Auftrag für die Bronzestatue Le Général Leclerc à Douala (Paris, Musée national des Arts d’Afrique et d’Océanie). Sie war als Bestandteil eines geplanten großen Basreliefs für ein Denkmal in Douala vorgesehen.

Literatur

Jean-Pierre Delarge: Dictionnaire des arts plastiques modernes et contemporains. Gründ, Paris 2001. Jean-Charles Hachet: Dictionnaire des peintres et sculpteurs du Nord-Pas-de-Calais. Band 1, Éditions La Voix du Nord, Lille 2005. Véronique Reynaud: Évariste Jonchère (1892–1956), sculpteur. Mémoire de maîtrise, École du Louvre, Paris 1980. René Gain, Laurence Jonchère-Debiol: Évariste Jonchère (1892–1956). Paris 1991. Sophie Richemond: Terres cuites orientalistes et africanistes, 1860–1940. Éditions de l’Amateur, Paris 1999. Sophie Richemond: Les Salons des artistes coloniaux. Éditions de l'Amateur, Paris 2003. Jean Guisset (Hrsg.): Le Congo et l'art belge, 1880–1960. La Renaissance du Livre, Tournai 2003.

Weblinks

La Gazette Drouot Quang San Art Museum

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1892 Kategorie:Gestorben 1956 Kategorie:Mann