Hibiscadelphus giffardianus ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hibiscadelphus innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Sie ist auf der Insel Hawaiʻi endemisch und nach dem Diplomaten und Hortikulturisten Walter M. Giffard benannt, der 1911 ein Exemplar der Art sammelte, das von Joseph Francis Rock als Holotypus genutzt wurde, um Hibiscadelphus als neue Gattung zu beschreiben.

Merkmale mini|Foto vom Holotypus Hibiscadelphus giffardianus ist ein Baum, der eine Wuchshöhe von 7 m oder mehr erreicht. Der Stamm erreicht einen Durchmesser bis zu 30 cm.

Die wechselständigen Laubblätter sind herzförmig und gestielt. Die Blattspreite ist im Umriss kreisförmig bis annähernd nierenförmig. Die stumpfen bis spitzen Blätter sind 10 bis 25 cm, seltener 30 cm lang. Sie sind gewöhnlich 3-eckig oder 5-eckig, seltener 7-eckig. Der Blattrand ist ganz bis gezähnt oder buchtig bis gelappt. Beide Blattseiten sind in den Aderwinkeln behaart. Der Blattgrund ist herzförmig mit sich oft überlappenden Blattbuchten. Die Blattstiele oft nahezu so lang wie die Blattspreiten. Die Nebenblätter sind 1–2 mm lang.

Die zwittrigen und fünfzähligen Blüten erscheinen einzeln und achselständig. Die Blütenstiele sind 1,5 bis 3 cm, seltener bis 4 cm lang. Die fünf bis sieben 18–35 mm langen und bis 1,1 mm breiten Außenhüllblätter sind an der Basis geringfügig miteinander verwachsen, fadenförmig, steif abstehend oder zurückgebogen. Der sackförmige Blütenkelch ist zwei- bis dreispaltig, 2,7 bis 3,7 cm, seltener bis 4,5 cm lang, Die 6 bis 7 cm lange Blütenkrone ist außen graugrün und innen dunkelpurpurrot. Die sich überlappenden Blütenblätter bilden eine geschwungene, zweiseitig symmetrische Blüte, deren obere Blütenblätter länger sind – ein typisches Merkmal von durch Vögel bestäubten Blüten.

Die länglich-eiförmigen Kapselfrüchte sind verholzt. Sie sind 4–5 cm lang und 2–2,5 cm im Durchmesser. Das Mesokarp (mittlere Fruchtwandschicht) ist stark entwickelt und netzartig strukturiert. Die Anzahl der Endokarpsegmente (Segmente der inneren Fruchtwandschicht) beträgt 10. Die Samen sind 7–10 mm lang. Sie sind grauweiß und dicht wollig behaart.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.

Verbreitung Von Hibiscadelphus giffardianus ist aus freier Wildbahn lediglich ein einziges Exemplar bekannt geworden, das in Kipuka Puaulu (auch „Bird Park“) im Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark gefunden wurde. Dieser Baum starb 1930. Die Art wird jedoch weiterhin in Kultur erhalten, und zwar aus Samen, die ursprünglich von Walter M. Giffard vor dem Absterben des Baumes gesammelt worden waren.

Stecklinge dieser Kulturpflanzen wurden wieder in das inzwischen eingezäunte ursprüngliche Habitat in Kipuka Puaulu ausgepflanzt. Gegenwärtig sind dort mehrere ausgewachsene Pflanzen sowie Wurzelschösslinge bekannt.

In Kipuka Ki ausgepflanzte Individuen erwiesen sich später als Hybriden und wurden von Mitarbeitern des Nationalparks entfernt.

Die in Kultur gehaltenen Pflanzen in Kipuka Puaulu bildeten spontan fruchtbare Hybriden mit kultivierten Exemplaren von Hibiscadelphus hualalaiensis, die ebenfalls in Kipuka Puaulu und Kipuka Ki ausgepflanzt worden waren. Sowohl Hibiscadelphus hualalaiensis als auch die Hybriden wurden inzwischen aus dem Nationalpark entfernt.

Lebensraum Hibiscadelphus giffardianus kommt in mesischen Mischwäldern an den Hängen des Mauna Loa in Höhenlagen von 1200 bis 1310 m vor. Weitere mit diesem Taxon vergesellschaftete Arten sind Metrosideros polymorpha, Acacia koa, Sapindus saponaria, Diplazium sandwicianum, Coprosma spp., Pipturus albidus, Psychotria spp., Nestegis sandwicensis, Melicope spp., Dodonaea viscosa und Myoporum sandwicense.

Gefährdung und Schutz Hibiscadelphus giffardianus wird in der Roten Liste gefährdeter Arten in der Kategorie vom „Aussterben bedroht“ (critically endangered) gelistet. Ein einzelner Baum wurde 1911 in einem feuchten Wald mittlerer Niederschlagsverhältnisse (mesischer Wald) bei Kīpuka Puaulu in 1310 m Höhe an den östlichen Hängen des Mauna Loa auf Hawaiʻi gefunden.

Hibiscadelphus giffardianus wächst hauptsächlich in Kīpuka Puaulu im Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark, wo sie in der Kultur vermehrt wird.

Die wesentlichen Gefährdungsfaktoren für Hibiscadelphus giffardianus sind das Benagen von Rinde, Blüten und Früchten durch die Hausratte; Blattschäden in Form von punktförmigen Aufhellungen und Vergilbung durch die Zikadenart Sophonia rufofascia sowie Vergilbungen, die durch die einheimische Pflanzenwanze Hyalopeplus pellucidus verursacht werden; die Konkurrenz durch die eingeführten Gräser Ehrharta stipoides, Paspalum conjugatum und Paspalum dilatatum. Habitatveränderungen infolge vulkanischer Aktivität; sowie das Aussterberisiko durch natürlich auftretende Ereignisse und/oder eine verminderte Fortpflanzungsfähigkeit aufgrund der geringen Zahl vorhandener Kulturpflanzen, die sämtlich von einem einzigen Elternindividuum abstammen.

Rinder kamen nachweislich bereits in dem Gebiet vor, bevor dieses zum Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark erklärt wurde, und haben vermutlich einen erheblichen Einfluss auf das Habitat ausgeübt.

Literatur Warren L. Wagner, Derral R. Herbst, S. H. Sohmer: Manual of the Flowering Plants of Hawai'i. Band 1. Bishop Museum Special Publication Nr. 83. University of Hawaii Press. Bishop Museum, Honolulu, 1990. ISBN 0-8248-1152-6, S. 879. Walton Beacham, Frank V. Castronova, Suzanne Sessine: Beacham's Guide to the Endangered Species of North America Band 5: Dicots. Thompson Gale, 2001. ISBN 978-0787650339. S. 2678–2679. Fact Sheet Plants Hau kuahiwi Hibiscadelphus giffardianus (PDF; 0,2 MB).

Ken Baker, Suzy Allen: Studies on the endemic Hawaiian genus: Hibiscadelphus (hau-kuahiwi). Hawaii Volcanoes National Park, 1976, S. 19–22.

Weblinks

Hibiscadelphus giffardianus bei Plants of Hawaii. U.S. Fish and Wildlife Service ECOSphere Environmental Conservation Online System Hau kuahiwi (Hibiscadelphus giffardianus) 5-Year Review Short Form Summary Species Reviewed: Hibiscadelphus giffardianus (hau kuahiwi) (PDF; 0,4 MB) Center for Plant Conservation: Kilauea Hau Kuahiwi (Hibiscadelphus giffardianus) U.S. Fish and Wildlife Service: Hau Kuahiwi NatureServe: Hibiscadelphus giffardianus

Kategorie:Malvengewächse Kategorie:Malvaceae Kategorie:Endemische Pflanze Hawaiis