mini|Antonio Carrizo (1950er Jahre) Antonio Carrizo (* 15. September 1926 in General Villegas, Provinz von Buenos Aires, als Antonio Carrozzi Abascal; † 1. Januar 2016 in Buenos Aires) war ein argentinischer Radio- und Fernsehmoderator sowie Schauspieler.
Leben und Wirken
Carrizo wurde in General Villegas im Westen der Provinz Buenos Aires geboren. Seine ersten Erfahrungen als Sprecher sammelte er als Teenager an Bord eines Lautsprecherwagens. Mit diesem fuhr er durch General Villegas und die umliegenden Orte der Pampa, um Durchsagen und Werbung zu machen. Später arbeitete er auch als Ansager für Orchester, Tanzveranstalter und als Zeremonienmeister in den umliegenden Dörfern. Ein Publizist aus Buenos Aires wurde auf seine Stimme aufmerksam und ermutigte ihn, sein Glück bei den Radiosendern der Hauptstadt zu versuchen.
Hörfunk
Nach seiner Ankunft in Buenos Aires im Jahr 1948 begann Carrizo, beim Radiosender „Del Pueblo“ als Werbesprecher zu arbeiten. Gemeinsam mit Beatriz Taibo, die später Schauspielerin wurde, moderierte er auch eine Sendung beim quotenstarken Sender „Radio Belgrano“. Das Duo wurde bekannt dafür, Werbespots in Form von witzigen Dialogen zu präsentieren.
Er debütierte 1949 im Studio des Radiosenders „El Mundo“. Dort arbeitete er mit Persönlichkeiten des argentinischen Hörfunks wie Niní Marshall, Tita Merello und Luis Sandrini zusammen und wurde nach sieben Jahren Programmdirektor des Senders.
Ab 1966 trat er bei „Radio Rivadavia“ auf. 1971 verließ er „El Mundo“, um bei „Radio Rivadavia“ die journalistisch-musikalische Sendung La Vida y El Canto (Leben und Gesang) zu moderieren. Diese zwanzig Jahre lang laufende Sendung war der Höhepunkt seiner Hörfunkkarriere. In der Talkshow waren Gäste aus der argentinischen Musik-, Film- und Literaturszene wie Jorge Luis Borges und Astor Piazzolla sowie ausländische Gäste wie der italienische Filmstar Vittorio Gassman zu hören. Ein Schwerpunkt der Sendung war die Verbreitung des Tangos.
Fernsehen
In den 1950er Jahren debütierte er im Fernsehen auf TV-Kanal 7. Er moderierte El show de IKA und gehörte zu den Moderatoren der Eröffnungssendung des TV-Kanals 13 am 1. Oktober 1960.
Carrizo wurde 1964 von Alejandro Romay, dem Direktor des TV-Kanals 9, engagiert, um die Sendung Sábados Continuados zu moderieren. In dieser Sendung wurden unter anderem Figuren der „Nueva Ola“ ("Neue Welle") wie Palito Ortega oder Chico Novarro vorgestellt: Sie sangen Popmusik auf Spanisch, was damals ungewöhnlich war, und prägten den Musikgeschmack der Jugend jener Zeit maßgeblich. Später kehrte Carrizo zu Kanal 7 als Moderator von Bienvenido Sábado (Willkommen, Samstag) zurück, einer Varieté-Show, die 1965 ausgestrahlt wurde, und moderierte in den 1970er Jahren die Sendung La Primera de la Noche (Die Erste der Nacht).
Er moderierte auch Fußballsendungen im Fernsehen, darunter Polémica en el fútbol (Kontroverse im Fußball) und Tribuna caliente (Heiße Tribüne).
Anfang der 1980er Jahre erhielt Carrizo das Angebot, an der Seite des Komikers Juan Carlos Calabró in der Talkshow-Komödie El Contra mitzuwirken. Die Sendung zeigte das amüsante Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Männer: Der eine war klassisch gebildet, der andere ein gewiefter Typ. Bei fast jedem Thema, das sie behandelten, gerieten sie aneinander. „El Contra“, die Figur von Calabró, stand stets im Widerspruch zu Carrizos weltlicher, aufgeklärter Sichtweise auf innen- und außenpolitische Angelegenheiten.
Filme
Carrizo versuchte sich im Kino, insbesondere in den 1950er- und 1960er-Jahren, und spielte 1955 in dem Film El barro humano (Der menschliche Schlamm) unter der Regie von Luis César Amadori die Rolle eines Hörfunksprechers, während er 1963 in der spanisch-argentinischen Koproduktion El noveno mandamiento (Das neunte Gebot) unter der Regie von Enrique Carreras und 1966 in Muchachos impacientes (Ungeduldige Jungs) von Julio Saraceni mitwirkte.
Sonstige Aktivitäten
Carrizo zählte zu den bedeutendsten Bibliophilen des Landes und stellte in seinen Sendungen zahlreiche Bücher vor. Seine literarische Berufung konnte er in der im Jahr 1979 veröffentlichten Gesprächsreihe mit Jorge Luis Borges zur Geltung bringen, denn er galt als ein großer Kenner des Werks des Schriftstellers. Der Fondo de Cultura Económica gab das Buch Borges, el memoriosoBorges, el memorioso. Gespräche von Jorge Luis Borges mit Antonio Carrizo. ISBN 978-968-16-1351-8 heraus, in dem die zehn Gespräche zusammengefasst sind, die er mit Borges in den Studios von Radio Rivadavia geführt hatte.
Carrizo war von 1975 bis 1976 Präsident des argentinischen Schachverbands. Zu den Freunden des Schachspielers zählte auch Großmeister Bobby Fischer. Fischer besuchte Argentinien oft, und in Carrizos Haus fanden zahlreiche Partien zwischen den beiden statt, ebenso wie mit anderen namhaften Spielern wie Tigran Petrosjan und Miguel Quinteros.
Carrizo war in den 1990er Jahren als Kulturattaché an der argentinischen Botschaft in Spanien tätig.
Tod
Carrizo unterzog sich 2008 einer Herz-Lungen-Bypass-Operation sowie einer zerebrovaskulären Operation. 2009 erlitt er zwei Schlaganfälle. Er verbrachte seine letzten Jahre fernab der Öffentlichkeit und abseits der zahlreichen Ehrungen, die ihm vor allem im Radio zuteilwurden. Antonio Carrizo starb 2016 im Alter von 89 Jahren in Buenos Aires.
Auszeichnungen und Ehrungen
Er erhielt unter anderem den Medienpreis Martín Fierro für sein Lebenswerk, den Cortázar-Preis, der von der Argentinischen Buchkammer verliehen wird, den spanischen Orden de Isabel la Católica sowie zweimal den Kulturpreis Konex (1981 und 2021). Er wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Cavaliere della Repubblica Italiana und als Ciudadano Ilustre de la Ciudad de Buenos Aires. Filmografie 1955: El barro humano 1962: El noveno mandamiento 1965: Muchachos impacientes 2008: Puerta 12 (Dokumentarfilm) 2019: 1982 (Dokumentarfilm)
Fernsehen (Auswahl) Polémica en el Fútbol Sábados Continuados La Primera de la Noche (1971), zusammen mit Magdalena Ruiz Guiñazú Raíz y Canto Musicales Once Del Pueblo El Fogón de la Patria Grande Yo Tengo un Secreto Vivamos su problema Cultura y vida Las Cuatro Palabras Nueve Bis (1963) Contrapunto (1963) Videoshow Cultural (1981) Juntos (1982), zusammen mit Liliana López Foresi Los Grandes (1984–1986) Toda Estrella Tiene Contra (1989–1997), zusammen mit Juan Carlos Calabró in Canal 9 Libertad Dos Horas (1990), zusammen mit Mauro Viale, in ATC Una Hora de Noticias (1990–1991), zusammen mit Cecilia Laratro, in ATC Y si esto no es Cultura (1991), in ATC Con Acento en la "C" (1991), zusammen mit Julio Márbiz, in ATC Ay! Humor en el archivo Tribuna caliente (1994–1998), zusammen mit Julio Ricardo, in ATC und Telefe Que tiempos aquellos... (Komplize bei einer versteckten Kamera von Videomatch, 1998) Hecho en Argentina (2004–2005), in Canal 7
Schriften 1986: Borges, el memorioso. Gespräche von Jorge Luis Borges mit Antonio Carrizo. ISBN 978-968-16-1351-8 2008: Antonio Carrizo: Mi antepasado soy yo, Aufgezeichnet von Any Ventura. ISBN 978-987-614-080-5
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Fernsehmoderator (Argentinien) Kategorie:Hörfunkmoderator Kategorie:Ciudadano ilustre von Buenos Aires Kategorie:Träger des Premios Konex Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Schachfunktionär Kategorie:Argentinier Kategorie:Geboren 1926 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Mann