mini|Ansicht Jaffas vom Hafen aus (Félix Bonfils, vor 1870)

Die Geschichte der Stadt Jaffa bis 1949 umfasst das urbane Leben in Jaffa von den Anfängen in der Spätbronzezeit bis zur kommunalen Eingliederung in die Metropole Tel Aviv-Jaffa nach Einnahme durch die Hagana im Palästinakrieg.

In der Spätbronzezeit war Jaffa eine kanaanäische Stadt mit einer ägyptischen Festung. In der Eisenzeit wird Jaffa erst wieder greifbar beim Feldzug Sanheribs gegen Aschkelon 701 v. Chr. und gehört zum Einflussgebiet dieser philistäischen Stadt. Unter persischer Oberhoheit wurden die Städte Jaffa und Dor der phönizischen Handelsmetropole Sidon zugesprochen. Aus dieser Zeit datieren biblische Erwähnungen des Hafens Jaffa. In hellenistischer Zeit wurde der Andromeda-Mythos in Jaffa lokalisiert und bildete die Attraktion der Stadt. Die Hasmonäer eroberten Jaffa und siedelten dort eine jüdische Bevölkerung an. Im Jüdischen Krieg nahmen römische Soldaten Jaffa ein.

Für die Kreuzfahrer hatte Jaffa als Hafen von Jerusalem Bedeutung. Nach der Einnahme durch mamlukische Truppen unter Sultan Baibars I. 1268 wurde die Stadt zerstört und ein Wiederaufbau untersagt. Mitte des 17. Jahrhunderts gestatteten die osmanischen Behörden den Bau christlicher Pilgerhospize, und im Verlauf des 18. Jahrhunderts wuchs die Stadt wieder. Die französischen Expeditionsarmee unter Leitung Napoleon Bonapartes nahm Jaffa 1799 ein; Bonaparte befahl ein Massaker an den Gefangenen.

Die älteren historischen Gebäude Jaffas gehören dem Wiederaufbau der Stadt im frühen 19. Jahrhundert an. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die politische Bedeutung Jerusalems, weil europäische Institutionen dort stark präsent waren. Das wirkte auf Jaffa als Hafen Jerusalems zurück. Ab den 1880er Jahren veränderte eine starke jüdische Einwanderung die Demographie Jaffas. Nach wirtschaftlichem Niedergang im Ersten Weltkrieg, wuchs der Ballungsraum Jaffa−Tel Aviv in der Zeit des britischen Mandats zum ökonomischen und kulturellen Zentrum Palästinas heran. Der Hafen Jaffa war Schauplatz des Arabischen Aufstands 1936. Um die Blockade des Hafens zu brechen, zerstörte britisches Militär erhebliche Teile der Altstadt („Operation Anker“).

Namen Die Stadt heißt in ägyptischen Quellen jpw, in Keilschrifttexten Jāpu oder Jappū, phönizisch jpj und in der Hebräischen Bibel , einmal auch . Der Name bedeutet „die Schöne“.Gesenius. 18. Aufl. 2013, S. 479.

In koine-griechischen Texten trägt die Stadt den Namen oder ; die Schreibweise variiert in den Handschriften. Der lateinische Ortsname lautet Ioppe.

Der arabische Name lautet .

Kreuzfahrerzeitliche Quellen kennen Jaffa unter verschiedenen Namen: Joppa, Joppe, Jafis und Japhe.Adrian J. Boas: Frankish Jaffa, Los Angeles 2011, S. 121.

Topographie Jaffas 400px|mini|Jaffa und Umgebung (Map of Western Palestine, 1880)

Jaffa liegt auf einer Landspitze, maximal 45 Meter über dem Meeresspiegel. Die Hänge fallen steil zur Küste hin ab. Diese strategisch vorteilhafte Situation gewinnt zusätzlich durch zwei Quellen im Nordosten, welche die Wasserversorgung gewährleisten. Nördlich der Stadt liegen fruchtbare, vom Nahr el-Bārideh „kalter Fluss“, vgl. The Survey of Western Palestine, Arabic and English Name Lists, Translated and Explained by E. H. Palmer, London 1881, S. 216. (israelische Bezeichnung: Nahal Ajalon) angeschwemmte Alluvialböden. Der über sechs Kilometer breite Streifen von Sanddünen, der sich südlich von Jaffa an der Mittelmeerküste entlangzieht, ist nicht nur für die Landwirtschaft ungünstig. Er erschwert auch den Verkehr. Damit ist Jaffa der südlichste Punkt an der palästinischen Küste, der von Jerusalem aus gut zu erreichen ist. Ein weiterer Vorzug Jaffas, unabhängig von der im Lauf der Geschichte wechselnden Bedeutung Jerusalems, ist der Hafen. Denn Jaffa verfügte im Altertum über den einzigen Naturhafen in diesem Küstenabschnitt. Seit frührömischer Zeit erhielt er Konkurrenz durch den von Herodes angelegten Hafen von Caesarea Maritima.Benjamin Isaac: Ioppe, Introduction, Berlin / Boston 2014, S. 19.

Das vorhellenistische Jaffa Unter ägyptischer Herrschaft Nach dem Ende der Mittelbronzezeit war Jaffa kontinuierlich besiedelt. Hier bestand eine kanaanäische Küstenstadt, die nach dem ägyptischen Sieg in der Schlacht bei Megiddo (um 1456 v. Chr.) unter den unterworfenen Städten gelistet wurde. Vermutlich hatte sie der antiägyptischen Koalition angehört, die bei Megiddo unterlag. Eine Zerstörungsschicht, die der ägyptischen Einnahme zuzuordnen wäre, wurde in Jaffa archäologisch aber nicht nachgewiesen. In der Regierungszeit von Thutmosis III. wurde eine ägyptische Festung in der Stadt angelegt, von der ein aus Lehmziegeln erbauter, massiver Torkomplex archäologisch erfasst wurde: Die Torpassage war etwa vier Meter breit und wurde von rechteckigen Türmen flankiert, die über 18 Meter lang und vier Meter breit waren. Sie waren bei der Ausgrabung bis zu zwei Meter hoch erhalten.Aaron A. Burke, Martin Peilstöcker: Ägypter im spätbronzezeitlichen Jaffa, Mainz 2013, S. 100.

mini|Fragment der Torfassade Ramses’ II.

Die ägyptische Erzählung von der Eroberung Jaffas entstand unter den Ramessiden und blickte auf eine Rückeroberung Jaffas durch ägyptische Truppen zurück. Zwar ist der historische Wert der Erzählung gering, doch deuten große Mengen ägyptischer Keramik in einer frühen spätbronzezeitlichen Zerstörungsschicht darauf hin, dass die in der Region lebenden Kanaaniter bald nach Anlage der Festung gegen die ägyptische Vorherrschaft aufbegehrten und Jaffa einnehmen konnten. Jaffas ägyptisches Festungstor zeigt Spuren von Reparatur und Wiederaufbau, welche der Amarna-Zeit zugeordnet werden. In dieser Phase stürzte der südliche Torturm ein. Verbrannte Lehmziegel und verkohlte Holzreste dokumentieren, dass das Tor durch ein Feuer zerstört wurde − offenbar war ein antiägyptischer Aufstand kurzzeitig erfolgreich. Jaffa wurde aber kurz darauf von ägyptischen Truppen zurückerobert, der Torbereich planiert und auf dem Zerstörungsschutt eine neue Toranlage errichtet. Dabei wurden die älteren Torpartien, soweit erhalten, einbezogen. Die zügige Rückeroberung und Restaurierung zeigt, welche strategische Bedeutung Jaffa hatte. Die Amarna-Briefe erwähnen Kornspeicher in Jaffa; hier wurde demnach das in der Küstenebene angebaute Getreide magaziniert, das die ägyptische Armee brauchte. Unter Ramses II. wurde die nun schon Jahrzehnte alte Toranlage renoviert und durch eine monumentale Fassade aus Kurkar-Sandstein aufgewertet, deren eingemeißelte Schrift Titel und Namen des Pharaos nennt.Aaron A. Burke, Martin Peilstöcker: Ägypter im spätbronzezeitlichen Jaffa, Mainz 2013, S. 101–103.

mini|Bronze-Scharnier im Zerstörungsschutt des 12. JahrhundertsVgl. Aaron A. Burke, Martin Peilstöcker: Ägypter im spätbronzezeitlichen Jaffa, Mainz 2013, S. 104 Abb. 6.

Die Fragmente, die noch Spuren von Putz und Bemalung zeigen, wurden nicht in situ gefunden, sondern – wahrscheinlich in der Regierungszeit Merenptahs – als Orthostaten wiederverwendet, um die Tordurchfahrt zu verengen. Die Zerstörung, der die Toranlage Merenptahs zum Opfer fiel, ist archäologisch gut erfasst. „In der Asche auf der Schwelle lag ein 30 kg schweres Bronze-Scharnier. Es war so ausgerichtet, als ob das Tor geschlossen gewesen war und sich dann mit den verkohlten Überresten vom Holz der verbrannten Türflügel füllte.“Aaron A. Burke, Martin Peilstöcker: Ägypter im spätbronzezeitlichen Jaffa, Mainz 2013, S. 103 f.

Seevölker, Philister, Assyrer Im 12. Jahrhundert v. Chr. entglitt den Ägyptern die Kontrolle über ihre Provinz Kanaan. Dort etablierten sich neue, vermutlich heterogene Bevölkerungsgruppen, die als „Seevölker“ bezeichnet werden. Was dies für die Stadtgeschichte von Jaffa bedeutet, lässt sich schwer abschätzen, da Jaffa von den Philisterstädten Gaza, Aschkelon, Aschdod, Gat und Ekron im Süden relativ weit entfernt liegt und im Norden, in Dor, eine andere Seevölkergruppe, die Tjeker, bezeugt ist. Die Befunde der Ausgrabungen von Tell Qasile im Großraum Tel Aviv-Jaffa zeigen „eine völlig unkanaanäische Kultur …, die aus guten Gründen mit den Seevölkern in Verbindung gebracht wird.“Wolfgang Zwickel: Die Geschichte der Stadt Jaffa von den Anfängen bis zur Zeitenwende, Mainz 2013, S. 91.

Der assyrische König Sanherib führte im Jahr 701 v. Chr. einen Feldzug gegen die Stadt Aschkelon, die er eroberte. Er deportierte die Königsfamilie und setzte einen Vasallenkönig in Aschkelon ein. In diesem Zusammenhang erwähnte Sanheribs FeldzugsberichtChicago-Taylor-Prisma II. die Einnahme und Plünderung von Städten, die Aschkelon untertan waren. Sie alle sind im heutigen Großraum von Tel Aviv-Jaffa zu lokalisieren: „Bet Dagon, Japho/Jaffa, Bene Beraq und Azor, alle Städte Sidqas, die sich meinen Füßen nicht eilends unterworfen hatten.“Wolfgang Zwickel: Die Geschichte der Stadt Jaffa von den Anfängen bis zur Zeitenwende, Mainz 2013, S. 91 f.

Unter persischer Herrschaft hochkant|mini|Sarkophag Eschmunazars II. mit phönizischer Inschrift (Louvre)

Im späten 6. Jahrhundert v. Chr. war die Levante Teil des Achämenidenreichs. Eschmunazar II., der König der phönizischen Stadt Sidon, wurde vom Großkönig wegen seiner Loyalität mit der Herrschaft über „Dor und Joppe/Jaffa, den herrlichen Getreideländern im Gefilde von Scharon“Deutsche Übersetzung: HTAT, 2010, S. 475, Nr. 282. belohnt, wie seine Sarkophaginschrift vermeldet.Wolfgang Zwickel: Die Geschichte der Stadt Jaffa von den Anfängen bis zur Zeitenwende, Mainz 2013, S. 93.

Die Niederschrift der biblischen Jona-Erzählung wird um 400 v. Chr. angesetzt. Die fiktive Handlung enthält Elemente, die zu ihrer Abfassungszeit für die Leser plausibel waren. Jafo (= Jaffa) ist in der Erzählung ein Hafen, von wo aus man per Schiff quer übers Mittelmeer bis nach Tarschisch fahren konnte (). Jaffa war unter sidonischer Herrschaft ein solcher Hafen, denn phönizische Seeleute hatten die Fähigkeit, auf hoher See zu navigieren und waren nicht auf Küstenschifffahrt beschränkt.Wolfgang Zwickel: Die Geschichte der Stadt Jaffa von den Anfängen bis zur Zeitenwende, Mainz 2013, S. 93.

Das Buch der Chronik ist eine in persischer Zeit verfasste Relecture des Buchs der Könige (beide Geschichtswerke wurden erst im Mittelalter auf zwei Bücher aufgeteilt). Auch im Chronikbuch kommt Jaffa als phönizischer Hafen neu ins Spiel, wie der Vergleich mit den Vorbereitungen für Salomos Tempelbau im Königebuch erweist. König Salomo ist in biblischer Darstellung ein mächtiger Herrscher, der das für seine Prachtbauten in Jerusalem benötigte Zedernholz von Hiram, dem befreundeten König von Tyros, bezieht (). Der Chronist präzisierte, dass das Bauholz nach Jaffa geliefert wurde (). Auch für den Bau des Zweiten Tempels wurde Zedernholz von phönizischen Schiffen nach Jaffa geliefert () − ein Beleg dafür, dass diese Stadt in persischer Zeit der Hafen Jerusalems war.Benjamin Isaac: Ioppe, Introduction, Berlin / Boston 2014, S. 22; Wolfgang Zwickel: Die Geschichte der Stadt Jaffa von den Anfängen bis zur Zeitenwende, Mainz 2013, S. 94.

Hellenistische Zeit

Im Kontext des Alexanderzugs wurde Jaffa von den antiken Schriftstellern nicht erwähnt. In den Kämpfen, die nach dem Tod Alexanders des Großen unter den Diadochen ausgetragen wurden, nahm Antigonos I. Monophthalmos Gaza und Jaffa ein (315 v. Chr.). Zwei Jahre später zerstörte Ptolemaios I. diese beiden Städte ebenso wie Akkon und Samaria. Für Jaffa kann das aber nur eine kurze Siedlungslücke gewesen sein, denn unter Ptolemaios II und Ptolemaios III wurden hier Münzen der ägyptischen Herrscher in Gold, Silber und Bronze geprägt. Den Zenon-Papyri zufolge hatte der Hafen von Jaffa eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung, insbesondere im Sklavenhandel, war allerdings nicht mit Tyros und Gaza zu vergleichen.Benjamin Isaac: Ioppe, Introduction, Berlin / Boston 2014, S. 23 f.; Avner Ecker: The Coinage of Jaffa in the Roman Period, 2010, S. 152.