mini|Griechischstämmige Bevölkerung in den Vereinigten Staaten

Griechische Amerikaner (Englisch: Greek Americans) sind Bürger der Vereinigten Staaten griechischer Herkunft sowie in den Vereinigten Staaten lebende Personen, die aus Griechenland eingewandert sind. Die Gruppe entstand vor allem durch die Massenauswanderung aus Griechenland seit dem späten 19. Jahrhundert und entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einer etablierten ethnischen Gemeinschaft mit eigenen Kirchen, Vereinen, Schulen, Medien und Kulturinstitutionen. Nach den Daten des U.S. Census Bureau meldeten 2019 rund 1,25 Millionen Einwohner der Vereinigten Staaten eine vollständige oder teilweise griechische Abstammung. Die größten Siedlungsschwerpunkte liegen in Metropolräumen wie New York, Chicago, Boston, Los Angeles, Detroit, Philadelphia und South Florida.

Geschichte mini|Griechische Immigrantin auf Ellis Island (19. oder frühes 20. Jahrhundert) mini|Griechische Parade in New York (2013)

Der erste Grieche in Amerika war Don Teodoro Griego, der 1528 bereits lange vor der Gründung der Vereinigten Staaten in Florida ankam. Eine frühe griechisch geprägte Siedlung entstand 1768 bei St. Augustine in Florida. New Orleans wurde die erste Stadt in den Vereinigten Staaten, in der sich eine nennenswerte griechische Gemeinschaft ansiedelte, und bereits 1866 wurde dort das erste griechische Konsulat in den Vereinigten Staaten eröffnet. Eine dauerhafte griechisch-amerikanische Gemeinschaft entwickelte sich jedoch erst mit der Massenauswanderung aus Griechenland ab den 1890er Jahren. Diese stand im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Krisen, Bevölkerungsdruck, ländlicher Armut und den begrenzten Erwerbsmöglichkeiten im Königreich Griechenland. Besonders folgenreich war der Preisverfall bei Korinthen, einem zentralen Exportprodukt Griechenlands, nach der Wirtschaftskrise von 1893. Nach Angaben des Migration Policy Institute wanderte zwischen 1890 und 1914 fast ein Sechstel der griechischen Bevölkerung aus, vor allem in die Vereinigten Staaten und nach Ägypten; Geldüberweisungen der Auswanderer wurden auch in Griechenland als wirtschaftlich bedeutsam angesehen.

Die wichtigste Einwanderungsphase lag zwischen den 1890er Jahren und dem Ersten Weltkrieg. So kamen zwischen 1890 und 1921 etwa 421.000 Griechen in die Vereinigten Staaten. Die Einwanderer waren zunächst überwiegend junge Männer, die häufig als Saison- oder Wanderarbeiter kamen. Viele arbeiteten in der Industrie, im Bergbau, im Eisenbahnbau oder in der Gastronomie, wobei in folgenden Generationen häufig der soziale Aufstieg gelang. Früh entstanden griechische Viertel und Netzwerke in Hafen- und Industriestädten, darunter New York, Chicago, Detroit und Pittsburgh. 1919 waren ein Drittel aller Restaurants in Chicago in griechischer Hand. In New York war das Viertel Astoria in Queens eine Hochburg der Griechen mit einer eigenen Greektown. Aber auch weiter südlich siedelten sich Griechen an. Tarpon Springs in Florida entwickelte sich besonders durch griechische Schwammtaucher zu einem bekannten Zentrum griechischer Kultur in den Vereinigten Staaten.

Griechen wurden zwar rechtlich meist als „weiß“ eingeordnet, blieben aber gesellschaftlich nicht unbetroffen von Diskriminierung, da antikatholische und antiorthodoxe Vorurteile weit verbreitet waren. Besonders im Süden der USA kam es in den 1920er Jahren zu Feindseligkeiten gegen griechische Geschäftsleute und Arbeiter; die 1922 in Atlanta gegründete American Hellenic Educational Progressive Association (AHEPA) verstand sich ausdrücklich als Antwort auf Diskriminierung und Einschüchterung durch den Ku-Klux-Klan. Die Greek Orthodox Archdiocese of North and South America wurde 1921 inkorporiert und 1922 im Staat New York offiziell anerkannt. Um die Kirchen entstanden Schulen, Wohltätigkeitsvereine, Zeitungen und landsmannschaftliche Vereinigungen, die den Kontakt zu Herkunftsregionen in Griechenland aufrechterhielten und zugleich die Integration in die amerikanische Gesellschaft erleichterten.

Nach 1921 ging die Einwanderung stark zurück. Ausschlaggebend waren die restriktiven amerikanischen Einwanderungsgesetze, vor allem der Immigration Act von 1924, der ein Quotensystem nach nationaler Herkunft einführte. Das Gesetz begrenzte die jährliche Einwanderung auf zwei Prozent der im Zensus von 1890 gezählten Personen der jeweiligen Nationalität und benachteiligte dadurch Einwanderer aus Süd- und Osteuropa deutlich. Für Griechen bedeutete dies eine drastische Verringerung legaler Einwanderungsmöglichkeiten. Der Immigration and Nationality Act von 1965 liberalisierte das Einwanderungsrecht schließlich, was zu einer zweiten großen Einwanderungswelle führte. Bis 1980 kamen weitere 160.000 griechische Migranten nach Amerika. Diese Migranten waren häufig besser ausgebildet als frühere Arbeitergenerationen und siedelten sich weiterhin vor allem in großen urbanen Räumen an.

Seit den 1980er Jahren nahm die direkte Einwanderung aus Griechenland insgesamt ab, weil Griechenland wirtschaftlich stärker wurde und sich die Wanderungsziele durch die Europäische Integration veränderten. Eine erneute, kleinere Zuwanderung wurde nach der griechischen Staatsschuldenkrise ab 2010 beobachtet. Diese sogenannte „neue griechische Migration“ bestand sehr stark aus jüngeren, gut ausgebildeten Personen, darunter Studierende, Akademiker und Fachkräfte, blieb zahlenmäßig aber deutlich unter den Migrationswellen des frühen 20. Jahrhunderts oder der Zeit nach 1965.

Demografie und geografische Verteilung

Die zahlenmäßige Erfassung griechischer Amerikaner hängt von der Definition ab. Der U.S. Census erfasst nicht „griechische Amerikaner“ als feste ethnische Kategorie, sondern unter anderem Abstammung, Geburtsland und Sprache. Nach der American Community Survey 2019 gaben 1.247.142 Einwohner der Vereinigten Staaten eine griechische Abstammung an; 137.870 davon waren im Ausland, gewöhnlich in Griechenland, geboren, während die große Mehrheit bereits in den Vereinigten Staaten geboren war. Griechische Amerikaner leben heute über die gesamten Vereinigten Staaten verteilt, weisen aber weiterhin deutliche Konzentrationen in bestimmten Metropolregionen auf. Historische Zentren sind New York und Umgebung, Kalifornien, Chicago, Boston, Detroit, Philadelphia, Pittsburgh, Cleveland, Baltimore, Washington, D.C., Tarpon Springs (die Stadt mit dem höchsten Anteil an Griechen im Land) und verschiedene weitere Städte in Florida. Die frühere Konzentration in ethnischen Stadtvierteln hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts abgeschwächt, da viele Familien in Vororte zogen und sozial aufstiegen.

Die griechische Sprache ist vor allem unter Einwanderern und älteren Generationen verbreitet, während die Mehrheit der in den Vereinigten Staaten geborenen Personen griechischer Herkunft Englisch als Alltagssprache verwendet. Nach den ACS-Daten von 2019 sprachen 77 Prozent der Personen mit griechischer Abstammung ausschließlich Englisch zu Hause; der Anteil derjenigen, die Englisch weniger als „sehr gut“ beherrschten, lag bei 4,8 Prozent.

Sozioökonomische Lage Griechische Amerikaner weisen im Durchschnitt eine günstige sozioökonomische Lage auf. Nach der American Community Survey 2019 lag das mittlere Haushaltseinkommen von Personen mit griechischer Abstammung bei 82.036 US-Dollar, gegenüber 65.712 US-Dollar für die Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten. Auch die mittleren Familieneinkommen und Erwerbsbeteiligungsquoten lagen über dem US-Durchschnitt; zugleich war die Armutsquote mit 7,4 Prozent niedriger als die landesweite Quote von 12,3 Prozent. Auch beim Bildungsstand liegen griechische Amerikaner über dem amerikanischen Durchschnitt. In der ACS-Auswertung 2019 verfügten 47,7 Prozent der Bevölkerung ab 25 Jahren mit griechischer Abstammung über einen Bachelorabschluss oder höheren akademischen Abschluss; in der Gesamtbevölkerung betrug der entsprechende Anteil in dieser Auswertung 35,2 Prozent.

Griechische Organisationen und Kultur in den Vereinigten Staaten mini|National Hellenic Museum in Chicago

Die wichtigste Institution griechisch-amerikanischer Kultur ist die Griechisch-orthodoxe Kirche, deren Anhängerzahl auf 1,5 Millionen Menschen geschätzt wird. Die Greek Orthodox Archdiocese of America ist dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel zugeordnet und umfasst über 500 Gemeinden in allen Teilen der Vereinigten Staaten. Neben Gottesdiensten organisieren viele Gemeinden Feste, Sprachunterricht, Wohlfahrt, Jugendarbeit und kulturelle Veranstaltungen. Ihr Schulsystem umfasst 9 griechisch-orthodoxe Tagesschulen und mehr als 340 Nachmittags- und Samstagsschulen. Neben orthodoxen und griechisch-katholischen Griechen gibt es auch einige griechische Juden (Romanioten), deren Zentrum die Kehila Kenosha-Synagoge in New York bildet.

Zu den ältesten und einflussreichsten säkularen Organisationen gehört die American Hellenic Educational Progressive Association (AHEPA). Sie wurde 1922 in Atlanta gegründet und verstand sich zunächst als Organisation gegen Diskriminierung und zur Förderung der gesellschaftlichen Integration griechischer Einwanderer. Heute betont AHEPA neben Hellenismus und Bildung auch Philanthropie, bürgerschaftliches Engagement und Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten, Griechenland und Zypern. Eine stärker außenpolitisch ausgerichtete Rolle nimmt das American Hellenic Institute ein. Es wurde 1974 von Eugene Rossides gegründet und entstand im Kontext der Zypernkrise nach der türkischen Invasion der Republik Zypern. Das Institut befasst sich mit amerikanischer Politik gegenüber dem östlichen Mittelmeerraum. Griechisch-amerikanische Verbände spielten seit den 1970er Jahren wiederholt eine Rolle in Debatten über US-Beziehungen zu Griechenland, zur Türkei und zu Zypern.

Ein wichtiges kulturelles Zentrum ist das National Hellenic Museum in Chicago. Es befindet sich im historischen Greektown-Viertel und versteht sich als öffentliches Geschichtsmuseum zur Vermittlung griechischer Geschichte, Kunst, Kultur und der griechisch-amerikanischen Erfahrung. Zentren griechischer Kultur bilden Kirchengemeinden, Tavernen, Kulturvereine und Restaurants. Insgesamt gilt die griechisch-amerikanische Gemeinschaft als eine der am besten organisierten Gruppen der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig ist durch Sprachverlust und Exogamie eine voranschreitende Assimilation der griechischen Amerikaner zu beobachten.The Now and Future Greek America Strategies for Survival

Bekannte griechische Amerikaner George Papanicolaou (1883–1962), Arzt und Pionier der Zytodiagnostik Jim Londos (1894–1975), Wrestler Elia Kazan (1909–2003), Film- und Theaterregisseur John Argyris (1913–2004), Ingenieur und Mitbegründer der Finite-Elemente-Methode Spiro Agnew (1918–1996), Politiker, Vizepräsident der Vereinigten Staaten Telly Savalas (1922–1994), Schauspieler Harry Mark Petrakis (1923–2021), Schriftsteller John Cassavetes (1929–1989), Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Gena Rowlands (1930–2024), Schauspielerin Olympia Dukakis (1931–2021), Schauspielerin Michael Dukakis (* 1933), Politiker, Gouverneur von Massachusetts und Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei 1988 Nicholas Gage (* 1939), Journalist und Schriftsteller Nicholas Negroponte (* 1943), Informatiker, Architekt und Mitgründer des MIT Media Lab Andreas Katsulas (1946–2006), Schauspieler Dimitri Nanopoulos (* 1948), Physiker Arianna Huffington (* 1950), Publizistin, Unternehmerin und Mitgründerin der Huffington Post Rita Wilson (* 1956), Schauspielerin, Sängerin und Produzentin James Dimon (* 1956), Bankmanager Nick Galis (* 1957), Basketballspieler George P. Pelecanos (* 1957), Schriftsteller, Drehbuchautor und Fernsehproduzent George Stephanopoulos (* 1961), Journalist, politischer Berater und Fernsehmoderator Nia Vardalos (* 1962), Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin John Sarbanes (* 1962), Politiker und Mitglied des Repräsentantenhauses