mini|Adelaide Hoodless, ca. 1895

Adelaide (Addie) Sophia Hoodless, geborene Addie Hunter (* 27. Februar 1858 in St. George, Oberkanada, heute County of Brant, Ontario; † 26. Februar 1910 in Toronto, Ontario) war eine kanadisch-britische Bildungsreformerin, deren Arbeit die Entwicklung der Hauswirtschaft in Kanada maßgeblich mitprägte.

Leben Hoodless war das jüngste von zwölf Kindern von Jane Hamilton Hunter und David Hunter, die The Willows, einen Bauernhof in der Nähe von St. George bewirtschafteten. Die Familie Hunter war Teil einer größeren Gemeinschaft irischer Einwanderer in Oberkanada. Hoodless’ Großeltern väterlicherseits waren 1836 aus County Monaghan in Irland nach Peel County ausgewandert. Hoodless Jugend war von den für das ländliche Ontario der Mitte des 19. Jahrhunderts typischen Abläufen der landwirtschaftlichen Arbeit und der Hausarbeit geprägt. Der Vater starb nur wenige Monate nach ihrer Geburt, sodass die Mutter die Farm bewirtschaften und den großen Haushalt allein führen musste. Als jüngstes Kind wuchs Hoodless in einem Umfeld auf, das praktische Fähigkeiten, Zusammenarbeit und Selbstständigkeit erforderte.

Hoodless erhielt ihre frühe Schulbildung in einer örtlichen Volksschule in der Nähe des elterlichen Bauernhofs, wo sie Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen erhielt. Später lebte sie bei ihrer älteren Schwester Elizabeth („Lizzie“) Charlton, während sie das Ladies’ College in Cainsville in der Nähe von Brantford besuchte. Die Schule bot für junge Frauen in der Region, eine der wenigen Möglichkeiten, eine weitergehende Ausbildung. Trotz dieser Ausbildungszeit scheint Hoodless nur wenig formale Bildung erhalten zu haben.

Während ihres Aufenthalts bei ihrer Schwester lernte sie John Hoodless kennen, einen engen Freund von deren zukünftigem Ehemann, Seth Charlton. John Hoodless war der einzige überlebende Sohn von Joseph Hoodless, einem bedeutenden Möbelhersteller in Hamilton, Ontario. Die beiden heirateten am 14. September 1881, als Hunter 23 Jahre alt war. Das Paar ließ sich in Hamilton nieder, wo John Hoodless in das von seinem Vater gegründete Familienunternehmen für Möbelherstellung eintrat.

Hoodless engagierte sich im gesellschaftlichen und religiösen Leben der Stadt und konvertierte vom Presbyterianismus zum Anglikanismus. Sie wurde aktives Mitglied der Church of the Ascension in Hamilton.

Das Paar hatte vier Kinder: Edna, Muriel, Bernard und John Harold. Ihr jüngstes Kind wurde am 23. Juni 1888 geboren. Zwei Monate später starb Hoodless’ Mutter.

Weniger als ein Jahr nach dem Tod starb John Harold im Alter von nur vierzehn Monaten, laut offiziellem Sterberegister an Meningitis. Sein Tod wurde aber weithin auf eine sogenannte „Sommerkrankheit“ zurückgeführt, eine Verdauungskrankheit, die häufig mit einer bakteriellen Verunreinigung von Milch in Verbindung gebracht wurde. Der Verlust traf Hoodless tief und prägte ihr Engagement für sicherere Haushaltspraktiken und eine verbesserte häusliche Erziehung.

Öffentliches Engagement Nach dem Tod ihres Kindes begann Hoodless’ öffentliches Wirken. Sie wollte fördern, dass Frauen über das nötige Wissen verfügten, um Todesfälle wie den ihres Kindes zu verhindern, und widmete sich der Verbesserung der Ausbildung für junge Mütter. Hoodless reiste durch die gesamte Provinz und hielt Vorträge zum Thema Hauswirtschaft. Bekannt für ihre rhetorischen Fähigkeiten, hielt sie zwischen 1894 und 1898 um die 60 Vorträge.

Hoodless engagierte sich in der Hamilton Young Women’s Christian Association (YWCA) in einer Zeit, in der das Interesse an sozialen und bildungsbezogenen Frauenorganisationen zunahm. Am 1. Mai 1889, nachdem sich etwa 150 Frauen getroffen hatten, um die Notwendigkeit einer solchen Gruppe zu erörtern, eröffnete die YWCA Hamilton ihr erstes Haus. Es beherbergte acht Untermieterinnen und spiegelte das frühe Engagement der Organisation wider, Frauen erschwingliche Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Hoodless glaubte fest an die YWCA und erklärte: „Wir werden die größte und stärkste Gruppe junger Frauen sein, die je gegründet wurde. Ich meine: von Frauen, für Frauen und durch Frauen.“ Im Jahr 1890 wurde sie die zweite Präsidentin der YWCA Hamilton, ein Amt, das sie bis 1902 innehatte. Der YWCA Hamilton wuchs auch nach ihrer Präsidentschaft weiter. Am 1. Mai 1915 bezog die Organisation nach einer groß angelegten Spendenaktion ein neues siebenstöckiges Gebäude mit zweihundert Zimmern, die im Ersten Weltkrieg gebraucht wurden.

Im Jahr 1891 interessierte sie sich besonders für die Verbesserung der „Haushaltsarbeitsmethoden“ für Mädchen und unterstützte die Entwicklung des Hauswirtschaftsunterrichts durch die YWCA. Sie unterrichtete auch selbst Hauswirtschaft. Im Januar 1897 bat der Bildungsminister Hoodless, ein Lehrbuch für Hauswirtschaftskurse zu verfassen. 1898 veröffentlichte sie Public School Domestic Science, genannt das Little Red Book. Darin betonte sie die Bedeutung von Hygiene, Sauberkeit und Sparsamkeit. Im Oktober 1902 stand das Bildungsministerium kurz davor, Hauswirtschaft als festen Bestandteil in den Lehrplan der Schulen in Ontario aufzunehmen.

Hoodless’ Einfluss reichte über Hamilton hinaus. Durch ihre Arbeit beim National Council of Women of Canada lernte sie Ishbel Maria Hamilton-Gordon kennen, die sich Sorgen über die mangelnde medizinische Versorgung in abgelegenen Gemeinden machte. Ihre Ziele stimmten überein, und Hoodless arbeitete mit ihr zusammen und sie waren neben dem National Council of Women of Canada auch an der Stiftung des Victorian Order of Nurses und des YWCA Woman of Distinction Award beteiligt. Hoodless wird auch die Gründung des Canadian National YWCA im Jahr 1895 zugeschrieben.

Bei einer ihrer Vortragsreisen durch Ontario war Erland Lee aus Stoney Creek im Publikum. Beeindruckt von ihren Ideen bat er Hoodless, am 12. Februar 1897 beim Ladies Night Meeting seines Farmer’s Institute zu sprechen.

Bei dieser Versammlung schlug Hoodless vor, eine nationale Bewegung mit dem Ziel, Wissen über Hauswirtschaft und Landwirtschaft über die landliche Gemeinschaft von Frauen zu verbreitern, zu begründen. Die Idee wurde sofort begeistert aufgenommen. Die entstehende Gruppe sollte der erste Zweig des Women’s Institutes werden, mit Hoodless als Ehrenpräsidentin und Christina Ann Smith als Präsidentin. Nach Angaben der Federated Women’s Institutes of Canada wurde das erste Institut 1897 in Stoney Creek gegründet, und bis 1913 gab es Zweigstellen in jeder Provinz. Die Geschwindigkeit dieser Expansion spiegelt wider, wie effektiv Hoodless’ Ansatz den Bedürfnissen der Frauen auf dem Land entsprach, die nach Bildung, gegenseitiger Unterstützung und der Verbesserung des Gemeinwesens suchten. 1919 trafen sich Vertreterinnen der Provinzen in Winnipeg, um die Federated Women’s Institutes of Canada (FWIC) als nationale Koordinierungsstelle zu gründen. Die FWIC gab sich das Motto „Für Heim und Vaterland“ an und betonte damit ihre Ziele, das ländliche Leben zu stärken, Frauen zu bilden und sich mit nationalen und internationalen Themen zu befassen, die Familien betreffen. Durch den Beitritt zur Associated Country Women of the World wurden die FWIC Teil eines globalen Netzwerks von Frauenorganisationen mit gemeinsamen Zielen.

Hoodless wollte, dass Hauswirtschaftslehre auf Universitätsebene angeboten wurde. Um das Projekt zu finanzieren, benötigte sie einen wohlhabenden Gönner. Sie wandte sich an William Christopher Macdonald, einen Philanthrop aus Montreal, der sein Vermögen mit Tabak gemacht hatte. Hoodless' Ontario Normal School of Domestic Science and Art in Hamilton wurde zum MacDonald Institute of Home Economics, das Teil der University of Guelph wurde. Im Jahr 1907 feierten die Women's Institutes ihr zehnjähriges Jubiläum und beauftragten den Torontoer Künstler John Wycliffe Lowes Forster, ihr Porträt zu malen. Das Gemälde wurde dem MacDonald Institute geschenkt.

Am 26. Februar 1910 reiste Hoodless mit dem Zug nach Toronto, um am St. Margaret’s College einen Vortrag zum Thema „Frauen und das Arbeitsleben“ zu halten. Während des Vortrags brach sie zusammen und starb noch am selben Tag an einer Hirnblutung. Die Sterbeurkunde gibt als Todesursache Herzversagen an. Hoodless wurde am 1. März 1910 in Hamilton beigesetzt, einen Tag nach ihrem 52. Geburtstag.

Nachleben mini| Haus von Hoodless in St. George, Ontario mini| Rosa „Adelaide Hoodless“

Eine öffentliche Grundschule in Hamilton, die Adelaide Hoodless Public School, wurde 1911, ein Jahr nach ihrem Tod, eröffnet und wird bis heute von Schülern vom Kindergarten bis zur 8. Klasse besucht.

Ein Hoodless gewidmeter Gedenkstein wurde am 27. Oktober 1937 in St. George, Ontario, von Susan Buchan enthüllt. Er ist eines der frühesten öffentlichen Denkmäler für eine kanadische Reformerin.

Hoodless wurde 1960 vom Historic Sites and Monuments Board of Canada als nationale historische Persönlichkeit ausgezeichnet, in Anerkennung ihres landesweiten Einflusses auf die Frauenbildung und die Hauswirtschaft.

Hoodless’ Elternhaus in St. George, Ontario, wurde 1959 von den FWIC erworben. Es wurde renoviert und so gestaltet, dass es die Zeit widerspiegelt, in der Hoodless dort lebte. 1995 wurde es zur National Historic Site of Canada erklärt und dient heute als Hoodless Homestead Museum. Der Ontario Heritage Trust brachte an dem Anwesen eine Gedenktafel an, um Hoodless’ Beiträge zur Hauswirtschaft und zur Frauenbildung zu würdigen. Im Museum und auf dem Campus der University of Guelph sind Porträts, interpretative Kunstwerke und Skulpturen von ihr zu finden.

Im Jahr 1975 züchtete Henry Heard Marshall vom Agriculture and Agri-Food Canada die nach ihr benannte „Adelaide Hoodless-Rose“. Als Teil der Explorer-Rosenserie zeichnet sich diese Sorte durch ihre Büschel halbgefüllter roter Blüten und ihre Eignung für kalte Klimazonen aus.

Die FWIC verleihen den Adelaide Hunter Hoodless Canadian Woman of the Year Award, um außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement kanadischer Frauen zu würdigen.

Canada Post gab 1993 im Rahmen einer Serie zu Ehren einflussreicher kanadischer Frauen eine Gedenkbriefmarke mit einem Porträt der Künstlerin Heather Cooper von Hoodless heraus.

Im Jahr 2003 wurde der Hoodless Garden als Teil zahlreicher Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Gründung des MacDonald Institute in Guelph, Ontario, angelegt. Eine Skulptur des Künstlers Jan Noestheden hat die Form eines überlebensgroßen Aluminiumporträts, das so vor der Wand angebracht ist, sodass Licht durch das Bild scheint und einen Schatten wirft.

Weblinks

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Einzelnachweise

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