mini|Grabstelle von Lucy und Charles Townsend in Thorpe Lucy Townsend, geborene Jesse (* 25. Juli 1781 in England; † 20. April 1847 in Thorpe, Nottinghamshire), war eine englisch-britische Abolitionistin. Sie gründete in Birmingham die erste Frauenvereinigung gegen die Sklaverei mit dem Namen Birmingham Ladies Society for the Relief of Negro Slaves. Obwohl der britische Sklavenhandel mit dem Slave Trade Act bereits 1807 abgeschafft worden war, diente Townsends Vereinigung als Vorbild für andere Gruppen in Großbritannien und den Vereinigten Staaten, die sich für die Abschaffung der Sklaverei in den British West Indies und den USA einsetzten.

Leben Townsend war die zweite Tochter und das vierte von sechs Kindern von Mary, geborene Sage (1747–1835), und William Jesse (1738–1815), der evangelischer Pfarrer an der All Saints Church in West Bromwich. 1807 heiratete sie Reverend Charles Townsend (1780–1865), der als Vikar in West Bromwich tätig war und der sich gegen die Sklaverei engagierte und seine Frau für diese Sache gewann..Das Paar hatte mindestens fünf Kinder: Charlotte (1808–1871), Frances Lucy (1811–1892), Joseph Phipps (1812–1888), Chauncy Henry (1816–1888) und Louisa Joyce (1821–1908).

Townsend gründete am 8. April 1825 in Birmingham die erste Frauenvereinigung gegen die Sklaverei. Sie und Mary Lloyd waren die ersten gemeinsamen Sekretärinnen der Organisation, die zunächst den Namen The Ladies’ Society for the Relief of Negro Slaves trug. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern gehörten Elizabeth Heyrick, Sophia Sturge und Sarah Wedgwood (Tochter des Porzellanindustriellen Josiah Wedgwood). Bis 1831 gab es über siebzig ähnliche Organisationen gegen die Sklaverei. Townsends Organisation fand in Amerika Beachtung und wurde zum Vorbild für ähnliche Organisationen in den USA. Während ihres Aufenthalts in Birmingham gründete sie, wieder gemeinsam mit Mary Lloyd, auch eine Organisation zur Unterstützung von Taubstummen. Im Jahr 1836 zog Townsend nach Thorpe in Nottinghamshire. Sie gab ihr Amt als Sekretärin auf, blieb jedoch weiterhin Vorstandsmitglied.

1832 veröffentlichte Townsend To the Law and to the Testimony zur Unterstützung des Kampfes gegen die Sklaverei.

Die Organisationen der Frauen in der britischen Antisklavereibewegung waren eine von den Männern und ihren Organisationen eigenständige Bewegung. Lange wurde ihr Beitrag als von untergeordneter Bedeutung abgetan, doch neuere Forschungen haben gezeigt, dass diese Gruppen einen deutlichen und landesweiten Einfluss hatten. Townsend’s Organisation war weder einer nationalen Organisation angeschlossen, noch war sie in Birmingham eine Partnerorganisation der (männlichen) Anti-Sklaverei-Organisation. Viele Frauen, wie Elizabeth Heyrick, Eliza Wigham und Jane Smeal, waren der Ansicht, dass die Sklaverei nicht schrittweise, sondern sofort abgeschafft werden sollte. Es war die Frauenorganisation in Sheffield, die als erste Anti-Sklaverei-Organisation in Großbritannien ein solches sofortiges Ende der Sklaverei forderte. Townsends Organisation verfolgte spätestens seit 1839 einen konservativeren Kurs, als sie sich der Politik der British and Foreign Anti-Slavery Society anschloss, die einen schrittweisen Ansatz befürwortete. mini|Benjamin Robert Haydon: The Anti-Slavery Society Convention, Öl auf Leinwand, 1840 Townsend nahm 1840 an der World Anti-Slavery Convention teil. Anne Knight, die ebenfalls als Delegierte anwesend war, erfuhr, dass der Künstler Benjamin Robert Haydon mit einem Gruppenporträt der am Kampf gegen die Sklaverei Beteiligten begonnen hatte. Sie schrieb einen Brief an Townsend, in dem sie sich über das Fehlen von Frauen auf dem Gemälde beschwerte:

Als das Gemälde fertiggestellt war, war Knight abgebildet, Townsend und die meisten der führenden Aktivistinnen jedoch nicht. Die Historikerin Clare Midgley verweist aber auf die Bedeutung, dass überhaupt Frauen abgebildet wurden, womit hier anders als an anderen Erinnerungsstellen die Existenz weiblicher Aktivistinnen dokumentiert und ihnen eine eigenständige Rolle zugeschrieben wurde. Von Townsend ist auch an anderer Stelle kein Bild überliefert. Auf dem Kongress traf sie Frauen, die andere führende Frauenorganisationen vertraten. Eliza Wigham war als Vertreterin der Edinburgh Ladies’ Emancipation Society anwesend, Mary Anne Rawson kam von der Sheffield Society; Jane Smeal aus Glasgow; Amelia Opie aus Norwich; Elizabeth Pease Nichol aus Darlington und Knight aus Chelmsford.

Townsend lebte im Pfarrhaus von Thorpe, wo ihr Ehemann als Pfarrer an der St. Lawrence’s Church tätig war. Sie starb 1847. In der Kirche befindet sich eine Gedenktafel aus Messing, die dem Ehepaar Townsend gewidmet ist.

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