mini|Marion House auf der Terrasse ihres Apartments in New York City, 2015 Marion House, geborene Sauerbrunn (* 23. Februar 1923 in Berlin; † 26. November 2025 in New York City) war eine Überlebende des Holocaust und Zeitzeugin.

Leben Marion House wuchs in einer wohlhabenden Familie auf, die in einer 8-Zimmer-Wohnung am Bayerischen Platz 13–14 in Berlin-Schöneberg wohnte. Ihr Vater Fritz Sauerbrunn (geb. 1896) war Kaufmann und Teilhaber einer Firma, die an der Berliner Börse notiert war. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg und verheiratet mit Jachet Mandelbaum, geboren 1899 in einem kleinen Ort in Polen.

Marion House besuchte von 1933 bis 1936 die Rückertschule (Oberlyzeum) am Volkspark in Berlin-Schöneberg. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde der Druck der Schulleitung auf die jüdischen Schülerinnen, die nicht mehr erwünscht waren, immer größer. Deshalb meldeten ihre Eltern sie an der privaten jüdischen Schule von Leonore Goldschmidt in Berlin-Grunewald an. Dort wurden viele Fächer von englischen Muttersprachlern unterrichtet, um die Schüler und Schülerinnen auf die Emigration vorzubereiten.

Diskriminierung und Verfolgung der Juden verschärften sich bis zur Reichspogromnacht im November 1938 immer weiter. Auch die wirtschaftliche Lage hatte sich für Juden verschlechtert, so dass die Familie in eine kleinere Wohnung in der Berliner Straße 17 umziehen und ihre Haushaltshilfe Maria aufgrund der NS-Rassengesetze entlassen musste. Ein Onkel der Familie, der im Zusammenhang mit der Reichspogromnacht ins KZ Sachsenhausen verschleppt worden war, wurde nach einigen Wochen entlassen, da er ein Visum hatte und sich verpflichtete, innerhalb von vier Wochen Deutschland zu verlassen.

Um sie in Sicherheit zu bringen, setzten die Eltern ihre 16-jährige Tochter Marion im Mai 1939 in einen Zug mit einem Kindertransport nach England. Allen Beteiligten war klar, dass es eine Trennung für immer sein konnte.

Der Anfang in London war beschwerlich, denn Marion House musste sechs Monate in einem Kinderheim bleiben. Danach arbeitete sie als Kindermädchen und später im Pelzgeschäft ihres Onkels, der inzwischen ebenfalls im englischen Exil lebte. Später nahmen Onkel und Tante sie wie ein eigenes Kind auf.

1945 kam die Nachricht, dass ihre Eltern, die in Deutschland geblieben waren, weil sie den 82-jährigen Großvater von Marion House nicht im Stich lassen wollten, die Deportation ins KZ Theresienstadt überlebt hatten.

Um nach München in die Nähe der Eltern zu kommen, die inzwischen in Deggendorf in einem Lager für Displaced Persons lebten, bewarb sich Marion House deshalb 1946 bei der US-Armee als Dolmetscherin für die Zivilzensur. Marion wurde angenommen und traf ihre Eltern wieder. Gemeinsam wanderten sie ein Jahr später in die USA aus und ließen sich in New York City nieder, wo sie den Kürschnerberuf erlernte, heiratete und eine Tochter bekam.

Über 40 Jahre hat Marion House in Zusammenarbeit mit einem Berliner Rechtsanwalt Holocaust-Überlebenden in den USA geholfen, ihren Anspruch auf Wiedergutmachungszahlungen durchzusetzen, eine Tätigkeit, die sie von ihrem Vater übernahm.

Regelmäßig besuchte sie Verwandte in Europa sowie Freunde und Bekannte in Berlin. Zwischen 2008 und 2015 sprach sie an ihrer alten Schule, dem Rückert-Gymnasium, vor Schülern und Schülerinnen über ihr Leben.

Auch bei anderen Gelegenheiten war Marion als Zeitzeugin präsent, so nahm sie 2013 an einer Aktion im Jüdischen Museum teil.

Anlässlich des Themenjahres „Zerstörte Vielfalt“ 2013 porträtierte eine Litfaßsäule auf dem kleinen Vorplatz am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin Marion House.

In der Dauerausstellung Wir waren Nachbarn im Rathaus Schöneberg ist sie mit einem biografischen Album vertreten.

In New York war Marion House für viele Jahre eine regelmäßige Teilnehmerin und zentrale Persönlichkeit beim 1942 gegründeten Stammtisch der deutschen und österreichischen Migranten, der jeden Mittwoch in der Wohnung von Gaby Glückselig und nach deren Tod bei Trudy (Trude) Jeremias stattfand. Als Marion House im November 2025 im Alter von 102 Jahren starb, endete einen Monat später auch der Migranten-Stammtisch für immer, da sie die letzte Überlebende des Holocaust war.

Literatur Emil Rennert, Shani Bar On: Fast schon ein Ritual. Gaby Glueckseligs Stammtisch der Emigranten in New York = Almost like a ritual. edition exil, Wien 2015, ISBN 978-3-901899-67-6

Weblinks

Marion House im Interview: Schülerinnen und Schüler befragen Marion House in der Ausstellung 7xjung 2013

Einzelnachweise

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