mini|hochkant|Wappen derer von Sieghard(t) im Wappenbuch des Westfälischen Adels Sieghardt (auch Sieghard o. ä.), ursprünglich Brakel genannt Segerdes/Sieghard, ist der Name eines westfälischen Patrizier- und Adelsgeschlechts.
Geschichte Bei dem Geschlecht handelt es sich um eine in das Patriziat der Stadt Warburg übergegangene Linie der ursprünglich edelfreien, später in den Ministerialenadel abgesunkenen Herren von Brakel. Die Linie, die mit den Brüdern Werner und Hermann V. von Brakel beginnt und einen Burgmannsitz in Warburg besaß, stellte in der Folge Ratsherren und Bürgermeister der Stadt Warburg. Johann von Brakel, Sohn von Hermann V. von Brakel, war 1312–1328 Bürgermeister der Warburger Altstadt. Er heiratete eine von Westheim. Ihre gemeinsamen Söhne und Töchter waren mit den Warburger Ratsfamilien verheiratet. Die darauffolgende Generation nannte sich dann „von Brakel genannt Segerdes“ (Sieghard). In der Folgezeit schlossen die weiblichen Familienangehörigen vielfach Eheverbindungen mit Warburger, Volkmarser und Paderborner Ratsfamilien. Die männlichen Familienmitglieder dagegen schlossen vorwiegend Ehen mit Frauen aus dem niederen Landadel. Im 15. und 16. Jahrhundert erreichten die Segerdes/Sieghardts zusammen mit anderen Familien, z. B. den von Geismar, die Anerkennung ihrer Ebenbürtigkeit mit der erstarkten Landadel-Ritterschaft. Ab diesem Zeitpunkt gingen sie nur noch ebenbürtige Ehen ein.Heidenreich (1987), S. 20 f.
mini|Herrenhaus Natzungen, Ansicht von Osten, 2014 mini|Antoniuskapelle in Natzungen, 2014 Die Familie hatte den Schwerpunkt ihres Besitzes in Natzungen und Menne im Warburgischen. Später war die Familie auch in Posen ansässig, wo 1845 ein Oberlandesgerichtsrat von Sieghardt tätig war.
Christoph von Sieghardt war 1605 Herr zu Menne, ein Paderborner Lehen, und Besitzer eines Burglehens zu Warburg. Seine Schwester Catharina von Sieghardt war zu diesem Zeitpunkt Äbtissin des Klosters Willebadessen.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 202 / Gesamtarchiv von Spiegel (Dep.) / Akten, Nr. 6207, abgerufen am 4. Juni 2026. Eine gleichnamige Verwandte, Katharina von Sieghardt, war 1625–1668 Äbtissin im Kloster Brenkhausen, ebenso wie Maria Rosina von Sieghardt 1775–1780.Karl Hengst (Hrsg.): Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung Teil 1: Ahlen–Mülheim. Münster 1992, Online-Ausgabe der Historischen Kommission für Westfalen Münster 2023, S. 150 f., 222, 374 u. 577 (PDF, 4,5 MB auf lwl.org, abgerufen am 5. Juni 2026).
Der kaiserliche Obristleutnant zu Pferd Martin Jobst von Sieghardt zu Menne und Natzungen († 18. April 1667), Bruder des kaiserlichen Leutnants Herbold von Sieghardt († 1637 im Lager vor Nürnberg), war mit Ida Sidonia Dorothea von Spiegel zu Desenberg und Oberklingenburg verheiratet. Ihre Tochter Anna Dorothea von Sieghardt ehelichte 1673 Jobst Schöneberg von Juden zu Borgholz.Ledebur (1856), S. 445.Fahne (1858), S. 363.Kneschke (1868), S. 490. Martin Burchard von Sieghardt war 1638–1641 Propst der Propstei Obermarsberg, 1641–1643 Propst des Stifts Corvey, 1644–1649 Propst des Klosters Brenkhausen sowie 1650/1 erneut Propst und 1669 Senior des Stifts Corvey.
Das heutige Herrenhaus Natzungen wurde 1728 im Auftrag von Freiherr Leopold Georg von Sieghardt († 1758), paderbornischer Landeshauptmann, und dessen Ehefrau Anna Justina von Boggen errichtet. Das reich gegliederte Sandsteinportal mit Ädikularahmung zeigt im gesprengten Giebel mit Freiherrenkrone das Allianzwappen des Bauherrn-Ehepaars sowie ein Chronogramm des Baujahrs. Ebenfalls in Natzungen errichtete die Familie 1763 am nordöstlichen Ortsrand die kleine Antoniuskappe, als Dank für ihre und die Verschonung der Natzunger Bevölkerung im Siebenjährigen Krieg.Gerhard Sendler, Wilhelm Kuhne, Richard Wilhelms, Gerhard Sendler (Hrsg.): Natzungen 1036–1986. Borgentreich 1987, ISBN 978-3-9801168-2-4, S. 105.
Friderica von Sieghardt war 1789–1808 Äbtissin des Klosters Gravenhorst. Wilhemine Freiin von Sieghardt (* 1792; † 6. November 1830) heiratete 1813 Franz Carl von Schade. 1836 verstarb Friedrich Wilhelm Maximilian Schöneberg von Sieghardt, Gutsbesitzer in Natzungen. Ferdinand Freiherr von Sieghardt heiratete am 19. Oktober 1837 Therese Harsewinkel. Die Eheleute hatten eine Tochter (* 26. August 1838). 1878 erscheint ein Kanzleirat von Sieghardt in Arnsberg.Hefner/Grenser/Mülverstedt (1878), S. 139. Heidenreich berichtet 1987, dass ein Teil der Familie im 20. Jahrhundert in die USA auswanderte. Im ehemaligen Fürstentum Paderborn war sie da schon nicht mehr vertreten.
Wappen Blasonierung: In Silber ein roter hingekehrter Ochsenkopf. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Helmdecken zwei von Rot und Silber übereckgeteilte Büffelhörner.Spießen (1901–1903), S. 118.
Literatur Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Uebersiedelung nach Preußen, Curland und Liefland, mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien, Heberle, Köln 1858, S. 363 (Google Bücher). Otto Titan von Hefner, Alfred Grenser, George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 2. Abt., Bd. 1, T. 2: Der blühende Adel des Königreichs Preußen: Edelleute M–Z, Nürnberg 1878, S. 379 (uni-goettingen.de) und Tfl. 427 (uni-goettingen.de). Friedrich Joseph Liborius Heidenreich (Bearb.): Warburger Stammtafeln. Genealogien von Geschlechtern der Stadt Warburg und ihrer Nachbarstädte vom 14. bis ins 18. Jahrhundert. In: Beiträge zur westfälischen Familienforschung, Band 43/44 (1985–1986, Teil 1: Text), Münster 1987, S. 20 f. (PDF; 46,2 MB auf lwl.org). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Friedrich Voigt, Band 8: Saackhen, Wailckhl v. Saackhen – Steinhauer zu Bulgarn. Leipzig 1868, S. 490 (Google Bücher). Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie, Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 445 (digitale-sammlungen.de). Josef Mellage: Die Freiherren von Sieghardt. In: Heimatborn, 11. Jg. (1931), Nr. 10 und 11. Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 118 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 299 (hhu.de).
Einzelnachweise
Kategorie:Deutsches Patriziergeschlecht Kategorie:Westfälisches Adelsgeschlecht Kategorie:Linie eines Adelsgeschlechts