mini|Haramosh (Bergspitze im Hintergrund) vom Nanga Parbat aus gesehen Die Österreichische Himalaya-Expedition 1958 (auch Österreichische Karakorum-Expedition 1958) war eine von der Österreichischen Himalaya-Gesellschaft in Wien organisierte Bergexpedition in den Karakorum (Pakistan). Ihr zentrales Ergebnis war die Erstbesteigung des Haramosh (7406 m) am 4. August 1958 durch Heinrich Roiss, Stefan Pauer und Franz Mandl.
Hintergrund Der Haramosh (auch Haramosh Peak oder Peak 58) liegt im Rakaposhi-Haramosh-Gebirge des Kleinen Karakorum, rund 30 km oberhalb der Einmündung des Gilgit-Flusses in den Indus. Ursprünglich hatte die Österreichische Himalaya-Gesellschaft für 1958 eine Expedition zum Hidden Peak (Gasherbrum I) geplant. Die pakistanische Regierung verweigerte jedoch die Genehmigung, auch die Ausweichziele Gasherbrum IV, Chogolisa und Rakaposhi waren anderen Expeditionen zugeteilt worden. Schließlich erhielt die Gruppe die Genehmigung für den Haramosh.
1957 war eine britische Expedition am Haramosh gescheitert, wobei zwei Teilnehmer ums Leben kamen.
Expeditionsmitglieder Der Expeditionsbericht von Roiss nennt acht Mitglieder: drei Wissenschaftler, vier Bergsteiger und einen Arzt, der zugleich erfahrener Alpinist war.
Bergsteiger NameAlter (1958)Beruf / BemerkungHeinrich Roiss30ExpeditionsleiterFranz Mandl34Sekundarschullehrer, GrazStefan Pauer37Elektriker aus Pernitz; Bergsteiger und KameramannRudolf Ebner28Chemiker aus LeobenRudolf Hammerschlag36Arzt (Gynäkologe) aus Klagenfurt
Wissenschaftler NameAlter (1958)Disziplin / InstitutionKarl Jettmar40Ethnologie, Universität WienKonrad Wiche46Geographie, Universität WienEduard Piffl37Zoologie, Universität Wien Ab Iskere (ca. 2480 m) trennten sich Bergsteiger und Wissenschaftler; letztere arbeiteten im Haramosh-Tal sowie in den Regionen Gilgit, Tangir, Darel und Swat.
Ablauf der Expedition
Vorbereitung und Anreise Die Expeditionsvorbereitungen begannen bereits im November 1957. Am 28. März 1958 verließ die Gruppe Wien, reiste über Genua und den Suezkanal nach Pakistan und erreichte Karachi am 11. April sowie Rawalpindi am 16. April. Am 19. April flogen die Teilnehmer nach Gilgit, wo sechs Sherpa aus Hunza angeworben wurden.
Zustieg zum Basislager Von Gilgit führte der Weg über die Indus-Talachse nach Sasli, von wo aus der Zustieg ins Haramosh-Tal begann. Mit 125 Trägern und 14 Eseln wurden die rund 150 Lasten transportiert. Die Gruppe durchquerte die Dörfer Tasso und Barche und erreichte am Abend des 28. April Iskere (ca. 2480 m). Von dort wurden die Lasten in mehreren Etappen bis zum Basislager auf 3400 m (ca. 11.155 Fuß) gebracht, das am 16. Mai bezogen werden konnte.
Aufstieg und Schwierigkeiten Der Aufstieg zum Haramosh La war nach Roiss' Bericht rund 1400 Höhenmeter lang und durchgehend lawinengefährdet. Rudolf Hammerschlag erlitt auf dem Weg dorthin einen Sturz in einem Eiskamin und brach sich mehrere Rippen; er schied als Hochtourengeher aus.
Gipfelerfolg Am 4. August 1958 erreichten Heinrich Roiss, Stefan Pauer und Franz Mandl als erste Menschen den Gipfel des Haramosh (7406 m). Der Aufstieg erfolgte über den Haramosh La im Nordosten und die östliche Flanke.
Wissenschaftliche Ergebnisse Die drei Wissenschaftler der Expedition arbeiteten selbständig im Haramosh-Tal und den umliegenden Regionen. Einige Ergebnisse wurden noch 1958 veröffentlicht; weitere erschienen in Fachzeitschriften. Besondere Bekanntheit erlangte die ethnologische Arbeit von Karl Jettmar über bronzezeitliche Äxte aus dem Karakorum, die 1961 in den Proceedings of the American Philosophical Society erschien.Konrad Wiche: Die österreichische Karakorum-Expedition 1958. In: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft, Band 100, S. 280–294 (Digitalisat).Karl Jettmar: Bronze Axes from the Karakoram. Results of the 1958 Expedition in Azad Kashmir. In: Proceedings of the American Philosophical Society, Band 105, Nr. 1, 1961, S. 98–104 ().
Spätere Entwicklungen
Tod von Heinrich Roiss Heinrich Roiss starb wenige Monate nach der Expedition. Er war 1959 Mitglied einer österreichischen Dhaulagiri-Expedition unter Fritz Moravec und stürzte am 29. April 1959 in eine Gletscherspalte in der Nähe von Lager II. Er wurde am Dhaula-Himal begraben. Seit 1964 trägt die Roißgasse im 23. Wiener Gemeindebezirk (Mauer) seinen Namen; auf dem Schneeberg erinnert ein Gedenkstein an ihn.
Folgebesteigungen des Haramosh Nach dem Himalayan Index folgten auf die Erstbesteigung bis Ende des 20. Jahrhunderts lediglich drei weitere dokumentierte Besteigungen: 1978 durch eine japanische Gruppe über die Westflanke, 1979 durch eine Gruppe unbekannter Herkunft sowie 1988 durch eine polnische Gruppe an der südwestlichen Seite.
Dokumentation 2008, zum 50. Jahrestag der Erstbesteigung, entstand ein Dokumentarfilm von Thomas Zeller mit Originalaufnahmen von Expeditionsteilnehmer Stefan Pauer.
Siehe auch Österreichische Himalaya-Expedition 1969
Einzelnachweise
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