mini|hochkant=1.0|Wappen der Familie de Scorailles Das Adelsgeschlecht Scorailles (okzitanisch: de Scoralhas; im Laufe der Jahrhunderte auch d’Escorailles, de Scoraille oder in der heute einzig existierenden Linie de Scorraille geschrieben) ist ein altes südfranzösisches Adelsgeschlecht ritterlicher Abstammung (Extraction chevaleresque) aus der Haute-Auvergne. Die nachgewiesene Stammreihe beginnt im 12. Jahrhundert.

Geschichte Ursprünge und heraldische Titel Die Familie hat ihren Ursprung in der Gemeinde Escorailles im heutigen Département Cantal (Haute-Auvergne). Als mutmaßlicher Stammvater gilt Bégon, Comptour de Scorailles, der im Jahr 1030 sein Testament hinterlegte. Dessen Enkel Guy de Scorailles nahm 1096 am Ersten Kreuzzug teil. Die ununterbrochene und urkundlich bewiesene Filiation beginnt mit dessen Sohn, dem ebenfalls Bégon genannten Comptour, welcher 1168 testierte. Dieser hinterließ die Söhne Raoul und Étienne.

Die ältere Linie führte den seltenen, für die Auvergne typischen Feudaltitel des Comptour (vom lateinischen computator, Verwalter/Grafenstellvertreter). Sie begründete die Hauptlinie der Comptours de Scorailles, welche jedoch zu Beginn des 15. Jahrhunderts im Mannesstamm erlosch und deren Besitzungen im Erbgang an die Familie de Saint-Chamans fielen.Jean-Baptiste Bouillet: Nobiliaire d’Auvergne. Band 4, Clermont-Ferrand 1843, S. 183–206.

Die verschiedenen Linien im Überblick Im Laufe der Jahrhunderte bildete das Geschlecht zahlreiche Zweige aus, von denen die meisten im 18. und 19. Jahrhundert erloschen:

Hauptlinie (Comptours de Scorailles): Saß auf dem alten Stammschloss in Escorailles und besaß die Herrschaften Salins, Rihac und Sergiac; erloschen Mitte des 14. Jahrhunderts. Linie Roussilhe (Limousin): Ansässig auf Château de Roussilhe (Gemeinde Lamazière-Basse in der Haute-Corrèze). Aus ihr gingen bedeutende Militärs und die berühmte Herzogin von Fontanges hervor. Der Zweig erlosch im 18. Jahrhundert.Raoul de Warren: Grand Armorial de France. Band 6, Paris 1948, S. 191. Zweig des Carladès: Abspaltung der Linie Roussilhe, beginnend mit François I. de Scorailles, dem Erbauer von Schloss La Vigne. Die legitime Hauptlinie dieses Zweiges verlor im 19. Jahrhundert ihren Adelsstatus durch Derogation; der letzte Stammhalter, Georges Descorailles (1800–1841), lebte als Metzger und Viehhändler in Sexcles. Zweig de la Vialle / Descorailles: Spaltete sich im 17. Jahrhundert ab, legte den Adel ab und erlosch im 20. Jahrhundert in Marseille. Zweig Chanterelle: Saß auf Schloss Chanterelle und erlosch im Mannesstamm 1970 mit Maurice de Scorraille; die letzte weibliche Linie starb 1993. Zweig Berry und Burgund: Erhielt durch Heirat Güter in Burgund und stellte namhafte Generäle im 18. Jahrhundert; erlosch im 18. Jahrhundert. Zweig Mazerolles und Salers: Begründet durch Guillaume de Scorailles, einen unehelichen Sohn von François I. de Scorailles, der 1556 durch eine päpstliche Bulle von Papst Paul IV. und 1561 durch König Karl IX. legitimiert wurde. Durch die Heirat von Annet I. de Scorailles mit der Erbin der Baronie Salers kam dieser Zweig in den Besitz der bedeutenden Herrschaft Salers.James Lowth Goldsmith: Les Salers et les d’Escorailles, seigneurs de Haute Auvergne : 1500–1789. Institut d’études du Massif Central, Clermont-Ferrand 1984. Linie Bourran (Rouergue): Begründet durch Étienne (12. Jahrhundert) bzw. durch die Heirat von Géraud de Scorailles mit der Erbtochter Agnès de Bourran. Diese Linie hielt Schloss Bourran bei Rodez bis ins 18. Jahrhundert. Ein jüngerer Sohn, Guyon de Scorailles, Gouverneur von Villeneuve-sur-Lot, begründete den bis heute überlebenden Zweig Agenais.Hippolyte de Barrau: Documents historiques sur les familles et les hommes remarquables du Rouergue. Band 3, Rodez 1857, S. 67–72. Zweig Sangruère (Agenais): Ansässig seit dem 16. Jahrhundert auf Schloss Sangruère in Villeneuve-sur-Lot. Dies ist der einzig heute noch existierende Zweig der Gesamtfamilie, der seinen Namen heute konsequent de Scorraille schreibt.

Bedeutende Persönlichkeiten Eustorge de Scorailles († 1137), im Jahr 1106 zum Bischof von Limoges berufen. Während seines Pontifikats lag er im Konflikt mit dem Grafen von Poitiers, geriet in dessen Gefangenschaft und vermittelte 1128 einen wichtigen Friedenseid in der regionalen Adelsfehde zwischen dem Vizegrafen von Limoges und dem Herrn von Pierre-Buffière. Er nahm 1135 an der Synode von Pisa teil.Abbé Joseph Nadaud: Nobiliaire du diocèse et généralité de Limoges. Band 2, 1863. Géraud de Scorailles († 1188), im Jahr 1153 zum Abt von Tulle gewählt. Unter seinem Abbatiat entwickelte sich die von der Abtei kontrollierte Wallfahrt nach Rocamadour zu einem der bedeutendsten Pilgerzentren der Christenheit. Matfred de Scorailles († 1188), im Jahr 1154 Dekan des Klosters Mauriac, Erbauer der Kirche von Brageac. Jourdain de Scorailles, trat 1171 als einer der ritterlichen Wahlkämpfer (Champions) auf, die im Rahmen eines gerichtlichen Zweikampfs den Streit um das Schloss Montaigu-en-Combrailles zwischen den Herren von Blot und Bourbon beilegen sollten. Der Kampf wurde durch die persönliche Vermittlung des englischen Königs Heinrich II. im Beisein von Richard Löwenherz und Aliénor d’Aquitaine gütlich beigelegt. Algayette de Scorailles (vor 1202), Ehefrau von Henri I. de Rodez, Vizegraf von Carlat. Sie war als Muse in der Epoche der Troubadouren für ihre Weisheit und Schönheit berühmt. Louis de Scorailles, kämpfte ab 1410 im Dienst des Herzogs Jean de Berry in Flandern, wurde 1420 Seneschall des Berry und des Limousin. Er zeichnete sich im Hundertjährigen Krieg im Dienst König Karls VII. gegen die Engländer und Burgunder aus und wurde Kapitän des Großen Turms von Bourges sowie königlicher Kämmerer (Chambellan). François I. de Scorailles (ca. 1490–1571), Ritter des königlichen Ordens (Ordre du Roi). Er heiratete am 26. November 1525 Nine de Montal, die Tochter des Herrschers von Laroquebrou. Er verließ die alte Burg Escorailles und ließ ab 1532 das repräsentative Château de La Vigne in Ally errichten. Marie Angélique de Scorailles de Roussille, duchesse de Fontanges (1661–1681), berühmte Mätresse des Königs Ludwig XIV. François Philippe de Scorraille, genannt Marquis de Scorraille (1666–1724), Oberst der Dragoner und Feldmarschall (Maréchal de camp) der königlichen Armeen, Ritter des St.-Ludwigs-Ordens. Étienne Marie de Scorraille, genannt Marquis de Scorraille (1700–1758), Feldmarschall (1748) und General der königlichen Armeen (1758), Ritter des St.-Ludwigs-Ordens.

Besitzungen und Schlösser Château de La Vigne in Ally (Cantal): Ab 1532 durch François I. de Scorailles errichtet, diente es fast fünf Jahrhunderte als ein Hauptwohnsitz der Familie. Die Anlage mit ihren Renaissance-Dekoren und Wandmalereien steht als geschütztes Denkmal unter Denkmalschutz. Château de Cropières in Raulhac (Cantal): Dieses Schloss kam im 16. Jahrhundert durch Heirat in den Besitz einer Linie der Scorailles. Es ist der Geburtsort von Marie Angélique, duchesse de Fontanges, und zeichnet sich durch eine barocke Prachtarchitektur aus, die im Kern auf eine mittelalterliche Festung zurückgeht. Die Anlage ist als Monument historique klassifiziert. Château de Roussilhe in Lamazière-Basse (Corrèze): Historischer Stammsitz der Linie Roussilhe seit dem Spätmittelalter (im 17. Jahrhundert durch die Heirat von Louis de Scorailles mit Guillemine de Fontanges im Familienbesitz konsolidiert). Das in Privatbesitz befindliche Landschloss ist im regionalen Denkmal- und Kulturinventar des französischen Kulturministeriums erfasst.Ministère de la Culture: Inventaire général du patrimoine culturel – Château de Roussilhe (Lamazière-Basse). Schloss Escorailles in Escorailles (Cantal): Die ursprüngliche, mittelalterliche Stammburg der Familie, die im 15. Jahrhundert aufgegeben wurde und verfiel. Schloss Mazerolles in Salins (Cantal): Sitz des legitimierten Zweiges Scorailles-Mazerolles. Schloss Bourran in Rodez (Aveyron): Stammsitz der Linie in der Region Rouergue. Schloss Sangruère in Villeneuve-sur-Lot (Lot-et-Garonne): Stammsitz des heute einzig noch existierenden Zweiges Agenais (Scorraille). Schloss Chanterelle in Saint-Vincent-de-Salers (Cantal): Stammsitz des im 20. Jahrhundert erloschenen Zweiges Chanterelle.

Wappen Stammwappen: In Blau drei goldene Schrägbalken (D’azur à trois bandes d’or). Zweig Saint-Chamant: In Gold drei blaue Schrägbalken (D’or à trois bandes d’azur).

Hauptallianzen Die Familie de Scorailles ging unter anderem Ehebündnisse mit folgenden bedeutenden Adelsgeschlechtern ein: de Castelnau-Bretenoux, de Comborn, de Rodez, de Saint-Chamans, de Tournemire, de Salers, de La Roche-Aymon, de Dienne, de Salignac, de Montal, de Pestels, de Fontanges, de Plas de Valon, de Chabannes, de Chaslus, de Langeac.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Französisches Adelsgeschlecht