mini|Das Oratorium von der östlichen Seite Das Oratorium Santi Pietro e Paolo ist eine kleine Kapelle in Lugano, Schweiz. Sie wurde im 14. Jahrhundert erbaut.
Das Oratorium ist den Aposteln Petrus und Paulus von Tarsus gewidmet. Die Kapelle befindet sich in Pregassona, im Ortsteil Orlino (oder auch Rolino). Sie liegt auf einer kleinen Anhöhe neben der Kantonsstrasse, die in Richtung Sonvico und Valcolla führt, an der Kreuzung der Via San Pietro und der Via Selvapiana. Das Oratorium prägt die umliegende Landschaft, die von Grünflächen und modernen Gebäuden gekennzeichnet ist.
Geschichte Das Gebäude stammt aus dem 14. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurden die Fresken angebracht, die man heutzutage nicht mehr allzu gut erkennen kann. Die Fresken stammen von den Malern Cristofero und Nicolao von Seregno.
Im 17. Jahrhundert wurde der Altarbereich umgestaltet: Die ursprüngliche Chorform wurde durch eine polygonale Apsis ersetzt. Mit diesem Umbau wollte man einerseits mehr Platz für die Gläubigen schaffen und andererseits das Erscheinungsbild der Kirche an die architektonischen Vorstellungen der Renaissance anpassen.
An der Ostseite befindet sich ein Nebeneingang. Im 20. Jahrhundert wurde auf der Westseite eine Sakristei hinzugefügt.
Restaurierungen Die Kapelle wurde im Verlauf des letzten Jahrhunderts mindestens dreimal restauriert: 1915, 1968 und zwischen 1983 und 1984.
Die Restaurierungsarbeiten von 1968 sowie jene der Jahre 1983 und 1984 brachten neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des Oratoriums ans Licht. Archäologische Untersuchungen zeigten, dass das Gebäude ursprünglich kleiner und wahrscheinlich auch niedriger war als in seiner heutigen Gestalt. Vermutlich handelte es sich zunächst um eine einfache Kapelle, die im 15. Jahrhundert zu einer kleinen Kirche erweitert wurde. Im darauffolgenden Jahrhundert erfolgten weitere Vergrösserungen sowie eine Erhöhung des Bauwerks. Die heutige halbkreisförmige Apsis steht auf den ursprünglichen Fundamenten, während das Langhaus im Laufe der Zeit verlängert wurde.
Die umfassende Restaurierung von 1983 bis 1984 führte zur Freilegung und Sicherung der mittelalterlichen Fresken, die durch Feuchtigkeitseinwirkungen in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Unter der Leitung von Luigi Gianola wurden die Wandmalereien sorgfältig restauriert. Dabei entfernte man die später aufgetragene Putzschicht, welche die Fresken verdeckte, und traf Massnahmen zum Schutz vor weiterer Feuchtigkeit. Dadurch konnten die Kunstwerke in ihrem historischen Erscheinungsbild bewahrt werden.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts, insbesondere ab den 1930er-Jahren, verfiel das Gebäude zunehmend. Von den Wänden lösten sich Putzteile, und die Feuchtigkeit gefährdete die Bausubstanz. Dennoch blieb die Verbindung zwischen dem Oratorium und der lokalen Bevölkerung durch die traditionelle Feier des Festes der Heiligen Petrus und Paulus am 29. Juni bestehen.
Beschreibung Das Bauwerk ist eine romanische Saalkirche aus Bruchsteinmauerwerk. Sie weist sich durch ihre einfache Architektur aus. Die Kirche hat einen rechteckigen Grundriss mit Ausrichtung nach Nordosten, eine halbkreisförmige Apsis sowie einen kleinen gepflasterten Vorplatz. An den Aussenwänden sind noch Reste des ursprünglichen Verputzes erkennbar, die zusammen mit den sichtbaren Alterungsspuren von der langen Geschichte des Oratoriums zeugen. Die Hauptfassade richtet sich zur Stadt hin und wird von einem Portal geprägt, über dem ein Fresko der Madonna mit dem Jesuskind sowie der Heiligen Petrus und Paulus angebracht ist.
Der Innenraum besteht aus einem Saal, dessen Decke von einer Holzkonstruktion aus Kastanien- und Eichenholz getragen wird. Die kunstvoll von Hand bearbeiteten Balken verleihen dem Raum einen besonderen Charakter. Der Chor ist mit einem Kreuzgratgewölbe ausgestattet, während Wände und Decke mit wertvollen Fresken aus dem 15. Jahrhundert geschmückt sind. Die spätgotischen Wandmalereien stellen einen bedeutenden Teil des kulturellen und künstlerischen Erbes der Kirche dar. mini|Im Vordergrund ist die Apsis zu sehen, rechts sieht man die Sakristei
Dem Dach ist an der Ostseite ein Glockengiebel aufgesetzt. Über dem Portal befindet sich eine mit einem Fresko aus dem späten 15. Jahrhundert geschmückte Lunette, die die Madonna mit den Heiligen Petrus und Paulus darstellt. alternativtext=Chiesa di San Pietro e Paolo di Orlino - altare|mini|Das Oratorium von innen mit dem Altar Im Inneren haben sich Fresken aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Zu sehen sind unter anderem über dem Altar ein Gnadenstuhl als Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit sowie eine Kreuzigungsszene mit der thronenden Madonna mit Kind, den beiden Kirchenpatronen Paulus und Petrus als Papst mit einer Tiara und einem weiteren Heiligen mit einer Stifterfigur. Weitere Darstellungen zeigen die heilige Klara und den heiligen Rochus, den heiligen Antonius den Einsiedler und die heilige Luzia. Auf dem Triumphbogen sind die thronende Madonna und der heilige Bernhardin von Siena abgebildet, darüber die Szene der Verkündigung.
In der romanischen Apsis befindet sich das älteste Fresko des Oratoriums, das zwei Heiligenfiguren zeigt. Die Wände des im 17. Jahrhundert umgestalteten Chorraums sind mit Darstellungen der Heiligsten Dreifaltigkeit, des auferstandenen Christus, der Madonna von Loreto und des heiligen Sebastian geschmückt. Darüber hinaus beherbergt das Oratorium die Statue einer Mondsichelmadonna aus dem 17. Jahrhundert.
Die Bilder des Kreuzwegs stammen aus dem 19. Jahrhundert.
Literatur Bernhard Anderes: Guida d’Arte della Svizzera Italiana. Edizioni Trelingue, Porza-Lugano 1980, S. 275. AA.VV.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 325. Giorgio Pagani, Ely Riva: San Pietro di Orlino. La Buona Stampa, Lugano 2010. Dalmazio Ambrosioni: Orlino, il fascino discreto di storia, religiosità e arte. In: Giornale del Popolo. 25. Juni 2010. La Buona Stampa, Lugano 2010, S. 8.
Weblinks
Website des Oratoriums (italienisch)
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