mini|Plan de l’Attaque de la Hube le 5me de Novembre 1761 Das Gefecht an der Hube (in der regionalen Geschichtsschreibung auch als Schlacht an der Hube bezeichnet) war eine militärische Auseinandersetzung des Siebenjährigen Krieges, die vom 5. bis 9. November 1761 auf dem Höhenzug der Hube nördlich von Einbeck stattfand. Es bildete den Höhepunkt einer alliierten Operation unter dem Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel gegen französische Truppen, die seit dem Sommer 1761 den Raum Einbeck besetzt hielten. Die Kämpfe führten zur Räumung der französischen Stellungen auf der Hube und leiteten den Rückzug der Franzosen aus der Region ein. Während der anfängliche Aufmarsch der Alliierten bei Ammensen stattfand, entwickelte sich das Dorf Holtershausen im Verlauf der mehrtägigen Operation zu einem wichtigen Gefechts-, Aufklärungs- und Biwakraum der alliierten Truppen.
Hintergrund In der späten Phase des Siebenjährigen Krieges standen sich in Südniedersachsen die alliierte Armee unter Herzog Ferdinand von Braunschweig und die französische Armee unter Marschall Victor-François de Broglie gegenüber.
Seit dem Sommer 1761 hatten französische Truppen den Raum Einbeck besetzt und auf den Höhenzügen westlich und nördlich der Stadt befestigte Stellungen angelegt. Die Hube bildete dabei einen strategisch wichtigen Verteidigungspunkt, da von ihren bewaldeten Höhen aus die nördlichen und westlichen Zugänge nach Einbeck kontrolliert werden konnten und hier eine wichtige Handelsstraße verlief. Die alliierte Führung unter Herzog Ferdinand bereitete daraufhin einen koordinierten Angriff auf die französischen Stellungen im Raum Eschershausen–Einbeck vor. Nach dem ausführlichen Operationsbericht der Karte Plan shewing the Movements of his Majesty's Army in Germany on the Expedition to Eimbeck in Novbr. 1761 von William Roy bestand die alliierte Streitmacht aus insgesamt 70 Bataillonen und 87 Schwadronen sowie mehreren Jägerverbänden. Zum Korps des Erbprinzen zählten dabei 14 Bataillone, 14 Schwadronen sowie Artillerie und leichte Truppen. Zunächst sollte das französische Korps des Marquis de Chabot bei Eschershausen vom übrigen Heer abgeschnitten werden. Nachdem dieses Vorhaben infolge des rechtzeitigen Rückzuges Chabots misslang, richtete sich der Schwerpunkt der alliierten Offensive auf ihr zweites Operationsziel, die französischen Hauptstellungen auf der Hube.
Strategische Lage und Aufmarsch Anfang November 1761 konzentrierten die Alliierten ihre Kräfte nordwestlich der Hube. Die wichtigste Quelle hierzu ist die zeitgenössische alliierte Militärkarte ''Plan de l’Attaque de la Hube le 5me de Novembre 1761'', die sich heute im Stadtarchiv Einbeck befindet.
Der tatsächliche Ausgangspunkt der alliierten Offensive lag laut der Kartenlegende nordwestlich des Höhenzuges bei Ammensen. Dort formierten sich die Angriffskolonnen nach dem Durchqueren des dortigen Engpasses (Defilee) an einem vereinbarten Sammelpunkt (Rendezvous). Die Vorhut stand unter dem Kommando von Generalmajor von Veltheim, um den Aufmarsch zu decken. Als alliierte Truppenteile waren unter anderem die Schwarzen Husaren (''Husards Noirs''), zwei Bataillone des Regiments „Prinz Friedrich“, mehrere Kavallerieeskadrons (''Corps de Cavalerie'') sowie Artillerieverbände beteiligt.
Im Zuge der vorrückenden Angriffsoperationen verlagerte sich der Schwerpunkt direkt in den Raum Holtershausen. Das Dorf lag unmittelbar vor den französischen Linien und wurde zum strategischen Dreh- und Angelpunkt: Nach den ersten Gefechten bezogen die alliierten Truppen hier ein Biwak.
Verlauf mini|Truppenaufstellung und Biwak des Erbprinzen um Holtershausen Anfang November 1761. Die roten Markierungen kennzeichnen alliierte Verbände, die gelben französische Truppen.
Am 5. November 1761 begannen die alliierten Angriffe, die vom Erbprinzen persönlich geleitet wurden. Mehrere Kolonnen rückten aus dem Raum Holtershausen gegen die Höhen der Hube vor. Die französischen Truppen verteidigten sich entlang der bewaldeten Höhenzüge und wurden dabei von eigener Artillerie unterstützt. Gleichzeitig bezog der Befehlshaber der britischen Truppen, John Manners, Marquess of Granby, mit seinem Korps Stellung bei Wenzen, um den Angriff des Erbprinzen zu unterstützen und die französischen Kräfte zu binden.
Die Kämpfe an der Hube konzentrierten sich auf die Waldgebiete und markanten Geländekanten des Höhenzugs. Vom Lietberg südlich von Holtershausen aus beschoss die alliierte Artillerie die französischen Stellungen auf der Hube. Das schwierige, steile Gelände begünstigte die Verteidiger und erschwerte den alliierten Vormarsch. Nachdem sich gezeigt hatte, dass die französischen Stellungen aufgrund des Geländes und eingetroffener Verstärkungen wesentlich stärker waren als erwartet, verzichtete der Erbprinz auf einen Frontalangriff und beschränkte sich auf ein mehrstündiges Artillerieduell bis zum Einbruch der Dunkelheit. Nach Beendigung der Kanonade zog sich der Erbprinz nördlich hinter Holtershausen auf die Höhen des Süllbergs zurück und verblieb am 06. November in dieser Stellung.
Da das Lager bei Holtershausen zu exponiert lag, wurde es am 7. November hinter Naensen zurückgezogen. Kaum waren die Zelte aufgestellt, stieß ein starke französisches Kavalleriekorps von der Hube gegen das alliierte Feldlager vor. Der drohende Angriff führte zu einem wechselseitigen Artilleriebeschuss und konnte so aufgehalten werden; er zwang die Alliierten jedoch, das Lager sofort wieder abzubrechen und ein geschützteres Biwak zu beziehen. Bei Holtershausen verblieb ein alliierter Vor- und Beobachtungsposten (Camp Holtzhaus) unter Friedrich Adolf Riedesel. Am 9. November setzte der Erbprinz seinen Marsch weiter nach Westen in Richtung Vorwohle fort und umging damit die französische Stellung auf der Hube.
Ein detaillierter zeitgenössischer Bericht stammt vom Pfarrer Johann Georg Keidel, der als Pastor von Brunsen, Holtershausen und Stroit Augenzeuge der Ereignisse wurde. Keidel berichtete, dass die Beerdigung seiner am 4. November verstorbenen Ehefrau aufgrund des heftigen Artilleriebeschusses und der Truppenbewegungen nur unter Lebensgefahr stattfinden konnte. Nach seinen Aufzeichnungen dauerten die intensiven Kämpfe vom 5. bis zum 9. November an. Dabei wurden die Kirche von Brunsen beschädigt und das dortige Schulhaus von Geschossen getroffen. Am 7. November besetzten zeitweise über 600 französische Soldaten den Brunser Pfarrhof, wobei das Gebäude geplündert wurde.
Folgen und Auswirkungen Das Gefecht führte zwar nicht zur Vernichtung der französischen Streitkräfte, erreichte jedoch das operative Ziel der Alliierten. Durch die geschickte alliierte Taktik, insbesondere die Umgehung der linken französischen Flanke, sowie die ungünstige Wetterlage räumten die französischen Truppen ihre Stellungen auf der Hube und zogen sich zunächst in das Stadtgebiet von Einbeck zurück. Mit dem Verlust des Höhenzugs war das nördliche Vorfeld der Stadt nicht mehr zu halten, sodass die Franzosen Einbeck am 10. November 1761 räumten. Beim Abzug wurden Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung Einbecks gesprengt.mini|Ausmarsch der französischen Armee, Sprengung von Teilen der Einbecker Stadtbefestigung und Anmarsch der alliierten Armee am 10. November 1761. Das Gefecht gehörte zu den letzten erfolgreichen Offensivoperationen der braunschweigisch-alliierten Armee in Südniedersachsen.
Die lokalen Dörfer erlitten erhebliche Schäden. Pfarrer Keidel dokumentierte weitreichende Plünderungen, die Verwüstung von Agrarflächen und die Beschlagnahmung von Vorräten durch beide Parteien. In Holtershausen wurde ein Behelfsfriedhof (Begräbnisfeld) für die gefallenen Soldaten eingerichtet, der bis um 1900 erhalten blieb. Die wirtschaftlichen Folgen der Verwüstungen und Schanzarbeiten belasteten die bäuerliche Bevölkerung noch Jahre nach dem Friedensschluss von 1763.
Literarische Verarbeitung Der Schriftsteller Wilhelm Raabe (1831–1910) greift die Ereignisse in seinem 1888 erschienenen Roman Das Odfeld auf. In der Erzählung, deren Handlung auf die Tage vom 4. und 5. November 1761 eingegrenzt ist, werden die strategischen Truppenbewegungen sowie die Kämpfe an der Hube bei Einbeck mehrfach explizit erwähnt.
Literatur Jürgen Diehl, Udo Strohmeier: Der Pastor, die Pfarre und sieben Jahre Krieg. In: Einbecker Jahrbuch, Band 54. Hrsg.: Einbecker Geschichtsverein. Isensee, Oldenburg 2021, ISBN 978-3-7308-1897-8, S. 157 ff. Joachim Niemeyer, Georg Ortenburg (Hrsg.): Die Chur-braunschweig-lüneburgische Armee im Siebenjährigen Kriege.Beckum 1976. Stefan Teuber / Marco Strohmeier: Der vergessene Klosterhof an der Hube bei Einbeck – Ein Abtshof des Amelungsborner Klosters im Wendfeld nahe Holtershausen. Hrsg.: Einbecker Geschichtsverein. Isensee, Oldenburg 2020, ISBN 978-3-7308-1723-0, S. 20–21. William Roy: PLAN SHEWING THE MOVEMENTS OF HIS MAJESTY'S ARMY IN GERMANY ON THE EXPEDITION TO EIMBECK in Novbr. 1761. Zeitgenössische Militärkarte, Royal Collection Trust, England. Plan de l’Attaque de la Hube le 5me de Novembre 1761 (Militärkarte), Stadtarchiv Einbeck. Christian Heinrich Philipp von Westphalen: Geschichte der Feldzüge des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg. Urkundliche Nachträge zu dem nachgelassenen Manuscript. Hrsg. von F. O. W. H. von Westphalen. Band V (1761). Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin 1872, S. 1050 ff. L. von Sichart: Geschichte der Königlich-Hannoverschen Armee. Dritter Band. Vierter Zeitraum 1756 bis 1789. Zweite Abtheilung. Hahn'sche Hofbuchhandlung, Hannover 1870, Seite 370 ff. Klaus-Jürgen Bremm: Preußen bewegt die Welt – Wie eine Großmacht entsteht, Herder Verlag, Freiburg 2024, ISBN 978-3-534-27593-9, S. 316 ff. Einbecker Geschichtsverein: Geschichte der Stadt Einbeck - Band 1 - Von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, bearbeitet von Horst Hülse und Claus Spörer, Goltze-Druck, Göttingen 1991, ISBN 3-88452-410-0, Seite 284 ff.
Weblinks PLAN SHEWING THE MOVEMENTS OF HIS MAIESTY´S ARMY IN GERMANY ON THE EXPEDITION TO EIMBECK in Novbr.1761 in der Royal Collection Trust (Zeitgenössische Militärkarte) https://geschichtsverein.wordpress.com/2026/05/10/vortrag-von-marc-hainski-uber-einbeck-und-den-siebenjahrigen-krieg/ https://einbeckaktuell.blog/2026/07/30/wie-zwei-karten-von-1761-die-erkenntnisse-ueber-den-siebenjaehrigen-krieg-rund-um-einbeck-erweitern/
Kategorie:Konflikt 1761 Kategorie:Schlacht des Siebenjährigen Kriegs Kategorie:Geschichte (Einbeck)