Adolfsburg – Bornberg – Sülzenberg sind die namensgebenden Erhebungen eines Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebiets im thüringischen Wartburgkreis. Sie sind Teil des länderübergreifenden Netzes besonderer Schutzgebiete Natura 2000, das den Erhalt der biologischen Vielfalt zum Ziel hat und dem anhaltenden Rückgang von wildlebenden Arten und ihrer natürlichen Lebensräume entgegenwirken soll. Zu dem geschützten Bereich gehören charakteristische Biotope des Muschelkalks, die als Wald, Acker- oder Grünland genutzt werden sowie Streuobstwiesen, Kalkfelsen mit Pionierrasen und Kalkschutthalden. Das Gebiet mit den landschaftsprägenden, steil abfallenden felsigen Hängen ist zum Lebensraum für viele schutzwürdige Pflanzen und Tiere geworden. Unter ihnen sind mit Kleiner Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros), Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), Goldenem Scheckenfalter (Euphydryas aurinia), Frauenschuh (Cypripedium calceolus) und Grünem Koboldmoos (Buxbaumia viridis) Arten, für deren Erhaltung nach den Gesetzen der Europäischen Union besondere Schutzgebiete eingerichtet werden müssen.Liste der in Deutschland vorkommenden Arten des Anhangs II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. In: Deutschlands Natur; abgerufen am 1. Juni 2026.
Lage Das FFH-Gebiet befindet sich im nördlichen Teil der Gemarkung der Stadt Treffurt im Nordwesten des Wartburgkreises, in der Nähe der Landesgrenze zu Hessen. Es erstreckt auf den nach Süden ausgerichteten Muschelkalkhängen rechts der Werra und den sich nördlich daran anschließenden Plateaus, in einer Höhenlage zwischen rund 220 m und 379 m. Es besteht aus zwei sich nordöstlich der Burg Normannstein berührenden Teilgebieten.
Nach der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, die auf der Geografischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg basiert, liegt das FFH-Gebiet in dem Bereich, wo die Wanfrieder Werrahöhen (483.22) und die Falkener Platte (483.52) der Nordwestlichen Randplatten des Thüringer Beckens (483) auf das Treffurt-Wanfrieder Werratal (358.1) des Unteren Werraberglands (358) treffen.Hans-Jürgen Klink: Blatt 112 Kassel. In: Naturräumliche Gliederung nach der Geographischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg. Das innerthüringische, nur landesweit einteilende System der Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) ordnet das Gebiet dem Naturraum Werrabergland - Hörselberge (3.3) innerhalb des Hauptlandschaftstyps Muschelkalk-Platten und -Bergländer (3) zu.Die Naturräume Thüringens. Website des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum; abgerufen am 1. Juni 2026.
Historische Nutzung Es wird angenommen, dass in der Zeit des Weinbaus im mittleren Werratal auch der Südhang der AdolfsburgDer Muschelkalkberg soll seinen Namen einer hölzernen Belagerungsburg verdanken, von der aus Adolf von Nassau (* vor 1250; † 1298) einst Burg Normannstein angegriffen haben soll. als Weinberg bearbeitet wurde. Die nicht sehr rentablen Rebhänge wurden jedoch vielerorts bald aufgegeben und die Flächen als Weideland und für den Ackerbau genutzt. Wegen den Bewirtschaftungserschwernissen auf den steinigen, oft nur streifenförmig an den Hängen angelegten Äckern hatte die Landwirtschaft keine Zukunft. Allerdings waren hier die geologischen und klimatischen Bedingungen für den Obstanbau geeignet und in Bereichen der Adolfsburg und des Mühlbergs wurden ausgedehnte Obstwiesen, besonders mit Kirschen und Zwetschgen angelegt, die den Haupterwerb in dem Gebiet schufen. Eine Besucherinformation der Stadt Treffurt im Schutzgebiet berichtet, dass einst 25.000 Obstbäume in der Gemarkung standen. Schon im Jahr 1788 wurde angeordnet, „dass jeder neu eingezogene Einwohner und jeder junge Ehemann sechs Stück gepfropfte Obstbäume... und jeder Einwohner jährlich zwei Stück…“ pflanzen musste. Seit 2014 erhält jedes Brautpaar von der Stadt ein Kirschbäumchen zum Geschenk, welches zur Erhaltung der Plantage gepflanzt wird.
Der Bereich des FFH-Gebiets soll zu DDR-Zeiten mit rund 1200 Schafen in vier Herden beweidet worden sein. Dabei wurden die Tiere auf den einzelnen Flächen drei- bis viermal im Jahr aufgetrieben. Nach 1989 wurde der Bestand auf zwei Herden reduziert und die Beweidung führte später nicht mehr ein Landwirtschaftsbetrieb, sondern ein Landschaftspflegeverband aus. Früher wurde auch am Hang der Adolfsburg und am Born- und Sülzenberg in kleinen Steinbrüchen Gips, Kalk- und Sandstein abgebaut.Ingenieurbüro für Naturschutz und Landschaftsplanung (INL), Drei Gleichen: Managementplan (Fachbeitrag Offenland) für das FFH-Gebiet „Adolfsburg – Bornberg – Sülzenberg“. Abschlussbericht.
Lebensräume mini|Blick in das Schutzgebiet mit dem Bornberg (hinten rechts) Das FFH-Gebiet besitzt natürliche und naturnahe Lebensräume, die als „von gemeinschaftlichem Interesse“ gelten und zu deren Erhaltung die Mitgliedstaaten der Europäischen Union verpflichtet sind. Für sie müssen besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden. Mit dem Standarddatenbogen für besondere SchutzgebieteThüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN): Standard-Datenbogen für besondere Schutzgebiete Adolfsburg – Bornberg – Sülzenberg, erstellt im Dezember 1999 und im Oktober 2023 aktualisiert. meldete Thüringen im Jahr 2000 zehn Lebensraumtypen (LRT), die um Adolfsburg, Bornberg und Sülzenberg nachgewiesen werden konnten, der EU für das Schutzgebietsnetz Natura 2000. Die Managementplanung erfolgte nach der Verwaltungsvorschrift des Thüringer Umweltministerium nach einem modularen Prinzip: Mit der Erfassung der Offenlandbereiche wurde unter der Federführung der Naturschutzfachbehörde die Bietergemeinschaft Ingenieurbüro für Naturschutz und Landschaftsplanung (INL), Drei Gleichen und Büro für Ökologie und Naturschutz (RANA), Halle (Saale) beauftragt, die zwischen April 2016 und November 2017 den Fachbeitrag erstellten. Für die Bearbeitung der Wälder war das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum (FFK) von ThüringenForst in Gotha zuständig, das mit dem Stichtag 1. Januar 2015 die Flächen untersuchte. In den Fachbeiträgen für die Offenlandanteile sowie für die Waldflächen zum Managementplan wurden die vorkommenden Lebensraumtypen (LRT) differenziert nach prioritären mit besonders strengen Schutzvorschriften, die in Listen mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet werden und nicht prioritären Ausprägungen aufgelistet. Sie wurden teils als hervorragend (A), teils als gut (B) oder teils auch als mittel bis schlecht (C) bewertet.Liste der in Deutschland vorkommenden Lebensräume des Anhangs I der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie. In: Deutschlands Natur; abgerufen am 1. Juni 2026. EU-Code Lebensraumtyp Fläche Anzahl Erhaltungszustand 5130 Wacholderheiden 0,191 ha 1 C 6110* Kalk- oder basenhaltige Felsen mit Kalk-Pionierrasen 0,137 ha 9 B 6210 Trespen-Schwingel-Kalk-Trockenrasen 19,877 ha 56 B 6210* Trespen Schwingel-Kalk Trockenrasen, besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen 1,420 ha 5 B 6510 Extensive Mähwiesen des Flach- und Hügellandes 22,628 ha 17 B 8160* Kalkschutthalden 0,394 ha 5 B 8210 Kalkfelsen und ihre Felsspaltenvegetation 0,742 ha 18 B 8310 Nicht touristisch erschlossene Höhlen 0,001 ha 2 A 9130 Waldmeister-Buchenwald 8,65 ha 2 C 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald 1,06 ha 2 B
Wälder Das FFH-Gebiet prägt eine teils kleinflächige Vernetzung von Wald- und Offenlandbiotopen. Der Waldanteil, einschließlich der durch Sukzession bewaldeten ehemaligen Trockenrasen, macht insgesamt weniger als die Hälfte des Schutzgebietes aus. Den größten Teil der Waldflächen nehmen Nadelmischwälder ein sowie Mischwälder, die aus Laub- und Nadelhölzern bestehen. Als auffallend bewertet wurde die hohe Ausstattung der schwachen Baumholzphase in den Beständen. Durch forstliche Maßnahmen soll als langfristiges Entwicklungsziel die Reduzierung des Anteils von Nadelbaumarten zugunsten einer Entwicklung zu Buchenwald-Lebensräumen erreicht werden.Fachbeitrag Wald zum Managementplan für das Natura 2000-Gebiet „Adolfsburg - Bornberg - Sülzenberg“. Bearbeitung durch das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha von ThüringenForst.
Offenland mini|Kalk-Pionierrasen an der Oberhangkante der Adolfsburg Die erhobenen Daten bei den Offenlandbiotopkartierungen hatten acht waldfreie Lebensraumtypen in dem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ausgewiesen. Vor allem am Bornberg und am Sülzenberg bildeten sich großflächige Komplexe aus, die durch Wege, Hecken und Steinwälle vielfach in kleine Einzelparzellen unterteilt werden. Auch der Steilhang der Adolfsburg besitzt eng verwoben felsige Lebensräume, Blaugrasrasen und Kalk-Pionierfluren. Hier gelten die Vorkommen sehr seltener Kryptogamenarten, wie der Moose Schuppiges Fransenmoos (Crossidium squamiferum), mit dem einzigen Vorkommen in Thüringen, Zahnloses Kissenmoos (Grimmia anodon) und Stachelloses Drehzahnmoos (Tortula inermis) sowie der Gewöhnlichen Feuerflechte (Fulgensia fulgens) als bemerkenswert. Als bedeutend für das FFH-Gebiet werden auch die Vorkommen von Kalk-Pionierrasen angesehen, die auf den Oberhängen und Felsköpfen steiler Muschelkalkhänge und an Wegrändern auftreten. Der prioritäre Lebensraumtyp hat sich besonders an der Adolfsburg reich entwickelt. Mit Berg-Lauch (Allium senescens), Trauben-Gamander (Teucrium botrys), Scharfem (Sedum acre) und Mildem Mauerpfeffer (Sedum sexangulare) kommen vier kennzeichnende Arten vor.
Einen hohen Anteil der Bereiche des Offenlands nehmen die Mageren Flachland-Mähwiesen ein. Die größte Teilfläche liegt auf dem Plateau oberhalb der Adolfsburg und besitzt eine große ehemalige Obstplantage mit alten Kirschbäumen. Im FFH-Gebiet überwiegen die eher trockenen Ausprägungen dieses Lebensraumtyps. Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Flaumhafer ( Avenula pubescens ), Wiesen-Rispengras (Poa pratensis) sowie Goldhafer (Trisetum flavescens) sind die vorherrschenden Grasarten der Wiesen. Der Lebensraumtyp Wacholderheide ist nur am südostexponierten Hang des Sülzenberges vorhanden und ist dort in einen Halbtrockenrasen eingebettet. Die Wacholderbüsche befinden sich meist in der Alters- und Zerfallsphase, ohne eine erkennbare Verjüngung.
Das nach Süden ausgerichtete Offenland wird von Trespen-Halbtrockenrasen und deren prioritären Ausprägung mit Beständen „bemerkenswerter Orchideen“ eingenommen. In den meisten Bereichen dominiert die Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum). Auch Gewöhnliches Zittergras (Briza media) Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Schaf-Schwingel (Festuca ovina) und andere Gräser sind häufig vertreten. Auf mehr als der Hälfte der Teilflächen wachsen Orchideen. Am häufigsten sind Fuchs’ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), Braunroter Sitter (Epipactis atrorubens), Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) sowie Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), Helm- (Orchis militaris) und Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea). Vereinzelt kommen Große Händelwurz (Gymnadenia conopsea), Großes Zweiblatt (Listera ovata) und Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula) vor. Da die ursprüngliche Nutzung durch Schafhutung lange schon nicht mehr besteht, gelten die Halbtrockenrasen durch eine zunehmende Gehölzsukzession als stark gefährdet.
Arten des Anhangs II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie im FFH-Gebiet Zu den Arten des Anhangs II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, die als von „gemeinschaftlichem Interesse“ gelten und für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen, gehören im Gebiet: Goldener Scheckenfalter Die Erfassungen aus den vergangenen Jahren zur Bestandssituation konnten nur einzelne Falter nachweisen und lassen erkennen, dass die Bestände sehr stark abgenommen haben und viele einstige Vorkommen mittlerweile erloschen sind. Bechsteinfledermaus