Erich Finsches (* 11. September 1927 in Wien; auch Erich Richard Finsches) ist ein österreichischer Holocaustüberlebender, Zeitzeuge und Laiendarsteller. Als jüdisches Kind und Jugendlicher wurde er während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, zur Zwangsarbeit herangezogen und in das KZ Auschwitz sowie in Außenlager des KZ Dachau deportiert. Seit vielen Jahren tritt Finsches als Zeitzeuge auf, insbesondere im Rahmen der historisch-politischen Bildungsarbeit an Schulen. Daneben wurde er durch Auftritte in Filmen von Ulrich Seidl bekannt.

Leben

Erich Finsches wurde am 11. September 1927 in Wien als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 war er demzufolge der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. In einem Gespräch mit dem Newsroom der Parlamentsdirektion berichtete Finsches, er sei während der Novemberpogrome als Elfjähriger festgenommen worden, nachdem er seinen verschwundenen Vater auf dem Bezirkskommissariat gesucht habe. Nach Angaben des OeAD-Projekts weiter_erzählen wurde Finsches im November 1938 verhaftet und 1939 zur Zwangsarbeit nach Eisenerz gebracht.

Finsches gelang die Flucht nach Wien, wo er zeitweise als sogenanntes U-Boot untertauchte. Später wurde er erneut zur Zwangsarbeit herangezogen und floh nach Ungarn. Dort lebte er zwei Jahre und beteiligte sich am jugoslawischen Widerstand. 1944 wurde Finsches in Budapest verhaftet und in das KZ Auschwitz deportiert. Später kam er in Außenlager des KZ Dachau, darunter nach Mühldorf und Kaufering, wo er zum Bunkerbau unter der Leitung der Organisation Todt gezwungen wurde.

Am 27. April 1945 wurde Finsches befreit und kehrte im Oktober 1945 nach Wien zurück. Laut der Zeitzeugenplattform weiter_erzählen hat er drei Kinder und lebt in Wien.

Zeitzeugenschaft mini|Erich Finsches sieht die Dokumentation Leben und Überleben, die sein Leben behandelt. Finsches ist seit vielen Jahren als Zeitzeuge tätig. Er berichtete unter anderem an Schulen und bei Gedenkveranstaltungen über seine Verfolgungserfahrungen während des Nationalsozialismus. 2022 wurde mit ihm im Rahmen des von der OeAD betreuten Programms ERINNERN:AT ein mehr als vierstündiges Interview für die Plattform weiter_erzählen aufgezeichnet.

Auch bei Veranstaltungen im Umfeld der KZ-Gedenkstätte Dachau trat Finsches als Zeitzeuge auf. Das Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau führt ihn als ehemaligen Häftling von Auschwitz, der Dachauer Außenlager Mühldorf am Inn und Kaufering sowie des KZ Dachau. Die Süddeutsche Zeitung berichtete über Finsches als Überlebenden des KZ Dachau beziehungsweise seiner Außenlager und über seine Teilnahme an Gedenkveranstaltungen.

Im Jahr 2025 veröffentlichte das österreichische Parlament anlässlich des Jahrestags der Novemberpogrome ein Gespräch mit Finsches über seine Erinnerungen an die Verfolgung seit 1938. Ebenfalls 2025 wurde Finsches im Rahmen der Verleihung des Simon-Wiesenthal-Preises im Parlament gemeinsam mit anderen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geehrt.

Film und Theater

Finsches wirkte in mehreren Filmen von Ulrich Seidl mit. Nach Angaben der offiziellen Website Seidls wurde er im Zuge der Recherche zu Bilder einer Ausstellung als Darsteller für spätere Seidl-Filme entdeckt. In Seidls Spielfilm Hundstage spielte er den alten Mann. In Import Export spielte er die Rolle Herr Schlager.

Die Lebensgeschichte von Erich Finsches bildet die Grundlage des Klassenzimmertheaterstücks Ein Zniachtl des Wiener Klassenzimmertheaters. Das Stück behandelt Finsches’ Erfahrungen als verfolgter Jude während der NS-Zeit und wurde in Kooperation mit dem OeAD-Programm ERINNERN:AT für Jugendliche ab 13 beziehungsweise 14 Jahren angeboten. Im Dschungel Wien wurde Ein Zniachtl als Schauspiel über „Das Leben von Erich Finsches“ angekündigt; Regie führte Dana Csapo, es spielte Andrzej Jaślikowski.

Über Finsches entstand außerdem der Dokumentarfilm Leben und Überleben von Matthias Jaklitsch. Der Film porträtiert Finsches als Wiener Zeitzeugen und Holocaustüberlebenden und behandelt sowohl seine Verfolgungsgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus als auch sein Leben im Wien der Nachkriegszeit. Das Projekt wurde 2023 vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus gefördert.

Filmografie

1996: Bilder einer Ausstellung, Regie: Ulrich Seidl – Mitwirkung 2001: Hundstage, Regie: Ulrich Seidl – Der alte Mann 2007: Import Export, Regie: Ulrich Seidl – Herr Schlager 2025: Leben und Überleben, Regie: Matthias Jaklitsch – Dokumentarfilm über Finsches

Hörspiel 2019: Die Quellen sprechen (13. Teil: Slowakei, Rumänien und Bulgarien) Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Eine dokumentarische Höredition – Regie: Ulrich Lampen (Original-Hörspiel, Dokumentarhörspiel – Bayerischer Rundfunk/Institut für Zeitgeschichte/Edition ‚Judenverfolgung 1933–1945‘, Abspieldauer: 88 Minuten)ARD-Hörspieldatenbank (Die Quellen sprechen (13. Teil: Slowakei, Rumänien und Bulgarien), Bayerischer Rundfunk/Institut für Zeitgeschichte 2019)

Weblinks

Erich Finsches auf weiter_erzählen, OeAD / ERINNERN:AT Erich Richard Finsches beim Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus Erich Finsches im Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau

Einzelnachweise

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