Kitāb ilā man lā yahduruhu t-tabīb (, etwa „Buch für den, dem kein Arzt zur Verfügung steht“), auch Man lā yaḥḍuruhu ṭ-ṭabīb und Kitāb Ṭibb al-fuqarāʾ (), ist eine arabischsprachige medizinische Abhandlung, die dem persischen Arzt und Gelehrten Abū Bakr Muḥammad ibn Zakariyyā ar-Rāzī (latinisiert Rhazes) zugeschrieben wird. Das Werk gehört zur praktischen mittelalterlichen islamischen Medizin und beschreibt die Behandlung von Krankheiten mit leicht verfügbaren Arzneimitteln, Nahrungsmitteln und einfachen Rezepturen. Es richtet sich an Menschen, die keinen Arzt erreichen konnten.

Inhalt Eine in der Handschrift Arabic MS 552 der John Rylands Library überlieferte Fassung beginnt mit inneren Krankheiten und folgt der klassischen Ordnung vom Kopf bis zu den Füßen. Auf die Beschreibung der jeweiligen Krankheit und ihrer Zeichen folgen Behandlungen mit Arzneien, Nahrungsmitteln, Ölen, Salben, Bädern und anderen einfachen Vorschriften. Ab fol. 43v nennt der Text Krankheiten der Körperoberfläche, ab fol. 47v Vergiftungen, Skorpion- und Schlangenbisse und ab fol. 49r Fieber.

Überlieferung Ibn Abī Usaibiʿa (13. Jahrhundert) nennt unter den Schriften ar-Rāzīs ein Kitāb ilā man lā yaḥḍuruhu ṭabīb, das auch als Kitāb Ṭibb al-fuqarāʾ bekannt sei. Die Überlieferung zeigt mindestens zwei deutlich voneinander abweichende Fassungen. Emilie Savage-Smith weist darauf hin, dass Anfang und Schluss der Handschriften in der Bodleian Library nicht mit der Handschrift in Manchester übereinstimmen. Die Handschrift der John Rylands Library vertritt demnach eine zweite Fassung, die auch in zwei Handschriften der Wellcome Library überliefert ist. Eine Ausgabe dieser Fassung erschien 1886. Eine arabische Ausgabe wurde 1991 herausgegeben.

Einordnung Der Nebentitel Ṭibb al-fuqarāʾ kann zu Verwechslungen führen. Unter demselben oder einem sehr ähnlichen Titel sind weitere Schriften überliefert, darunter ein Ṭibb al-fuqarāʾ des syrischen Arztes Ibn an-Nafīs und das Ṭibb al-fuqarāʾ wa-l-masākīn von Ibn al-Dschazzar. Die lateinische Medizin des Mittelalters kennt verwandte Schriften, etwa ein Constantinus Africanus zugeschriebener Liber pauperum sowie ähnliche Titel bei Arnald von Villanova und Bernhard von Gordon. Eine lateinische Übersetzung des ar-Rāzī zugeschriebenen Textes ist hingegen nicht nachgewiesen.

Ausgaben Man lā yaḥḍuruhu ṭ-ṭabīb. Lucknow 1886. Maḥmūd al-Ḥāǧǧ Qāsim Muḥammad (Hrsg.): Man lā yaḥḍuruhu ṭ-ṭabīb. Dār aš-šuʾūn aṯ-ṯaqāfīya al-ʿāmma, Bagdad 1991.

Literatur Gerrit Bos: Ibn al-Jazzār on Medicine for the Poor and Destitute. In: Journal of the American Oriental Society. Band 118, Nr. 3, 1998, S. 365–375. Peter E. Pormann, Emilie Savage-Smith: Medieval Islamic Medicine. Edinburgh University Press, Edinburgh 2007. Emilie Savage-Smith: A New Catalogue of Arabic Manuscripts in the Bodleian Library, University of Oxford. Volume I: Medicine. Oxford University Press, Oxford 2011, S. 528–532. Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Band 3: Medizin – Pharmazie – Zoologie – Tierheilkunde bis ca. 430 H. Brill, Leiden 1970. Manfred Ullmann: Die Medizin im Islam. Brill, Leiden/Köln 1970, S. 128–137.

Einzelnachweise

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