mini|Marjorie Gullan, 1916 Marjorie Gullan, geborene Margaret Isabel Morton Gullan (* 1879 in Reading, Berkshire; † 8. Oktober 1959 in London) war eine englisch-britische Lehrerin und Hochschuldozentin für Sprechbildung und Mitbegründerin des Speech Institute in London. Sie gilt als Wegbereiterin für die Entwicklung und Verbreitung des Chorsprechens, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Blütezeit erlebte.
Leben Gullan war das drittjüngste von acht Kindern von James Thomas C. Gullan (* 1838) und Christiana J. Gullan, geborene Voss (* 1850). 1883 zog die Familie nach Glasgow, wo der Vater zum Minister an der Augustine Free Church ernannt wurde. Zum Freundeskreis der Familie gehörten die Frauenwahlrechtsaktivisten Helen Fraser und das Ehepaar Graham und Margaret Moffat.
Gullan studierte in London Elocution (Neuschöpfung des 18. und 19. Jahrhunderts, „Sprachkunst“) und Stimmbildung. Ab 1901 wird sie im zehnjährigen Zensus als „Lehrerin für Sprachkunst“ geführt. Im Jahr 1904 gründete Gullan in der Sauchiehall Street 534 (heute Teil der Fußgängerzone in Glasgow) die „School of Elocution“ („Schule für Sprachkunst“), die sich als erfolgreich erwies. Außerdem unterrichtete sie Theater und Sprachkunst an der Park School for Girls und der Laurel Bank School. Um sich weiter vom der Bedeutung der elocutio in der klassischen Rhetorik abzusetzen, ersetzte Gullan es bald durch dramatic art und speech training. Eine Technik, die auf unisono gesprochenem Text in Verbindung mit rhythmischen Bewegungen basierte, wurde als Marjorie Gullan Method of Rhythmic Movement to Spoken Poetry bekannt.
Gullan war eine führende Persönlichkeit der britischen Bewegung für „Sprechchöre“ und gründete um 1922 in Glasgow den ersten Sprechchor überhaupt, die Glasgow Nightingales. Er war das Ergebnis von Solo-Sprechvorführungen ihrer Schüler bei den Festivals in Glasgow und Edinburgh zwischen 1919 und 1922 und knüpfte an eine Tradition des chorischen Sprechens an, die bis ins antike griechische Drama zurückreicht. 1925 gründete Gullan den London Verse Speaking Choir und veröffentlichte kurz darauf Spoken Poetry in the School. Ebenfalls in den 1920er Jahren wurden zwei spezielle Festivals für das Vortragen von Gedichten ins Leben gerufen: die Oxford Recitations im Jahr 1922 und das London Speech Festival im Jahr 1927. Chöre für das Vortragen von Gedichten wurden als einzigartige Möglichkeit gepriesen, Poesie zu schätzen und zu verstehen, da sie jedem, der sprechen konnte, die Teilnahme ermöglichten.
Gullan setzte sich dafür ein, Sprechkurse in den Lehrplan von Schulen und Lehrerausbildungsstätten aufzunehmen. Sie war Präsidentin der Speech Fellowship, einer Vereinigung, die zur Förderung dieser Ziele gegründet worden war. Von 1926 bis 1938 unterrichtete Gullan Lehrer am London Day Training College (heute das Institute of Education des University College London) in Sprachausbildung und Stimmbildung. In London wurde Gullan Leiterin der Abteilung für Sprachausbildung und darstellende Kunst am Regent Street Polytechnic. 1932 eröffnete sie gemeinsam mit Clarissa Graves das Speech Institute, dessen Kursangebot Chor- und Puppenspiel umfasste. Der Trend zum Versvortrag griff auf Amerika über, wo Gullan Tourneen unternahm und Vorträge hielt.
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Gullan ehrenamtlich als Leiterin in einem Umsiedlungszentrum in Kettering, wo sie für die Betreuung und Erziehung von über 200 Kindern aus den ärmsten Stadtteilen Londons verantwortlich war.
Gullan war zudem Autorin von acht Lehrbüchern und Anthologien und Herausgeberin der Zeitschrift Good Speech (später Speech News). 1952 wurde Gullan für ihre Verdienste um die Etablierung des Sprechunterrichts an Schulen und die Wiederbelebung des Interesses am Chorsprechen zur Member of the Order of the British Empire (MBE) ernannt.
Angesichts sinkender Teilnehmerzahlen, da viele Schulen selbst Stimmbildungskurse einführten, schloss das Speech Institute 1953.
Gullan starb 1959 in Reading. The Times schrieb in einem Nachruf:
Die Mitchell Library in Glasgow verfügt über eine Zeitungsausschnittsammlung über sie, mehrere 78-U/min-Schallplatten mit Aufnahmen von ihr, die ihr verliehene Medaille und einige weitere Gegenstände ihres Nachlasses.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Weblinks Suchergebnis „Marjorie Gullan“ auf der Website des Internet Archives, inklusive der Schallplattenaufnahmen von Gullan.
Einzelnachweise
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