mini|Nadia Yala Kisukidi Nadia Yala Kisukidi (* 1978 in Brüssel) ist eine französische Philosophin, Schriftstellerin und Hochschullehrerin, die zu französischer Philosophie, afrikanischer und Africana-Philosophie, Postkolonialismus und Rassismus arbeitet. Ihre Arbeiten beinhalten Untersuchungen zu Henri Bergson, Aimé Césaire und Denkern der afrikanischen Diaspora, aber auch Themen wie Universalismus, Schwarzsein, politische Imagination.
Leben und Wirken Nadia Yala Kisukidi wurde 1978 in Brüssel als Tochter eines kongolesischen Vaters und einer franko-italienischen Mutter geboren. Die Exilerfahrung ihres Vaters während der Diktatur Mobutu Sese Sekos hatte Einfluss auf ihr späteres Nachdenken über Diaspora, Rückkehrwunsch und aufgeschobene Heimkehr. Von 2014 bis 2016 war sie Vizepräsidentin des Collège international de philosophie in Paris und lehrte an der Université Paris 8 Vincennes–Saint-Denis. Anfang 2026 lehrte sie französische Literatur und kritisches Denken an der New York University.
An der Université Paris 8 gehörte Kisukidi zu den wenigen Wissenschaftlerinnen in Frankreich, die ein Seminar zu afrikanischer bzw. Africana-Philosophie anboten. Gemeinsam mit Matthieu Renault, Farah Chérif Zahar, Guillaume Sibertin-Blanc und Orazio Irrera organisierte sie dort ein Forschungs- und Lehrseminar über nicht-europäische Archive der Philosophie. Sie kritisiert die weitgehende Abwesenheit nichtwestlicher Referenzen in wissenschaftlichen Arbeiten und universitärer Lehre und richtet ihren Blick auf die kolonialen Voraussetzungen philosophischer Kanonbildung. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Frage, wie sich Schwarzsein denken lässt, ohne essentialistische Identitätsbegriffe zu verfestigen und ohne den politischen Schutz des Begriffs aufzugeben. In ihrer Lektüre Aimé Césaires kommen poetische Selbstbehauptung und eine Politik der Solidaritäten mit der Kritik falscher Universalismen zusammen. Zu ihren Buchveröffentlichungen gehören Bergson ou l’humanité créatrice (2013), Dialogue transatlantique mit Djamila Ribeiro und der Roman La Dissociation (2022). La Dissociation stand 2022 in der Auswahl des Prix littéraire Le Monde und dient als Bildungsroman zwischen Abenteuererzählung, magischem Realismus, Gedicht und Pamphlet. Im Feld zeitgenössischer Kunst war sie als Kommissarin der zweiten Yango-Biennale in Kinshasa tätig, die neue Wege der Kunst in der kongolesischen Hauptstadt diskutieren sollte. Sie beschreibt Rassismus als strukturierende Frage der französischen Politik, kritisiert rassistische Gewalt scharf und fordert politische Vorstellungskraft ein. Zugleich beschreibt sie Freude und laetitia africana nicht als bloßen Optimismus, sondern als Ressource der Widerständigkeit und der schöpferischen Arbeit.
Einzelnachweise
Kategorie:Philosoph (21. Jahrhundert) Kategorie:Autor Kategorie:Hochschullehrer (Vincennes) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1978 Kategorie:Frau