mini|Dornac (1858–1941): Ernest Chaplet (um 1893) Ernest Chaplet (* 8. Juli 1835 in Sèvres; † 15. Juni 1909 in Choisy-le-Roi, Département Val-de-Marne) war ein französischer Keramiker, der maßgeblich zur Erneuerung der europäischen Kunstkeramik im späten 19. Jahrhundert beitrug. Er gilt als Mitentwickler des Barbotine-Verfahrens und als Pionier der Kupferrotglasur auf europäischem Porzellan.
Leben mini|Ernest Chaplet – Quadratische Vase, um 1889. Metropolitan Museum of Art, New York Chaplet absolvierte ab 1848 eine Lehre an der Porzellanmanufaktur Sèvres, wo er von Jacob Meyer-Heine ausgebildet wurde. Von 1852 bis 1855 arbeitete er in einer Porzellanmalerwerkstatt, bevor er nach Sèvres zurückkehrte, um als Assistent des Porzellanmalers Émile Aubert Lessore zu wirken. Parallel dazu unternahm er erste Versuche, alte italienische Fayencen zu kopieren.
Ab 1857 arbeitete er in Bourg-la-Reine (Hauts-de-Seine) mit dem Fayencehersteller François Laurin zusammen. Gemeinsam stellten sie Fayencen mit Dekor her, die bei hohen Temperaturen gebrannt wurden. In diesem Atelier verkehrten verschiedene Künstler, darunter Camille Moreau-Nélaton und Claudius Popelin. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es ihnen über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren, erfolgreich zu produzieren.
1871 lernte Chaplet durch Émile Renard den Künstler Auguste-Joseph Bracquemond kennen. 1874 trennte er sich von Laurin und gründete eine eigene Werkstatt in der Grande Rue 8 in Bourg-la-Reine. Das Geheimnis des Barbotine-Verfahrens verkaufte er an das Atelier Haviland & Co. Ende 1875 baten ihn Charles Haviland, an der Weiterentwicklung des Verfahrens mitzuwirken.
Ende 1881 verließ Chaplet die Firma, um einen Erholungsurlaub an der Küste der Normandie zu machen. Bei Besuchen verschiedener Keramikwerkstätten entdeckte er das traditionelle braune Steinzeug als neuen Werkstoff. Anschließend überzeugte er die Brüder Haviland, Ende 1882 eine Werkstatt in der Rue Blomet 153 in Paris zu eröffnen, deren Leitung er übernahm. Ab Frühjahr 1886 führte Chaplet die Werkstatt wieder auf eigene Rechnung. Nachdem alle von Chaplet auf der Ausstellung der Union Centrale des Arts Décoratifs im Jahr 1887 gezeigten Stücke verkauft worden waren, beschloss er, künftig allein zu arbeiten. Er veräußerte die Werkstatt in der Rue Blomet an Auguste Delaherche und ließ sich dauerhaft in Choisy-le-Roi nieder.
In seinen letzten Lebensjahren verlor Chaplet zunehmend sein Augenlicht und erblindete schließlich im Jahr 1905 vollständig. Da er nicht mehr experimentieren konnte, vernichtete er alle technischen Unterlagen und nahm sich am 15. Juni 1909 in Choisy-le-Roi das Leben.
Werk Barbotine-Verfahren mini|Ernest Chaplet – Zwei Vasen. Choisy-le-Roi, um 1900. Steinzeug, glasiert. Porzellan, glasiert. Erworben vom Künstler auf der Weltausstellung Paris 1900. Grassimuseum – Museum für angewandte Kunst, Leipzig 1871 entwickeltent Chaplet und François Laurin Verfahren der Barbotine-Dekoration weiter, bei denen farbige Tonschlicker (barbotines) zur malerischen Gestaltung keramischer Oberflächen verwendet wurden. Nach seinem Wechsel zu Charles Haviland beteiligte sich Chaplet gemeinsam mit Charles Haviland, Félix Bracquemond und weiteren Künstlern an der Erneuerung der französischen Kunstkeramik. Die in Philadelphia (1876) und auf Ausstellungen der Union Centrale präsentierten Arbeiten fanden große Beachtung und gelten als wichtige Beispiele der sogenannten „impressionistischen“ Keramik. Die Erzeugnisse der Haviland-Werkstatt trugen zeitweise eine Marke mit dem Schriftzug „H&Co“, der von einem Rosenkranz (chapelet) umgeben war – eine häufig als Anspielung auf Chaplets Namen interpretierte Kennzeichnung.
Steinzeug und Japonismus Nach der Wiederentdeckung des traditionellen normannischen Steinzeugs ließ Chaplet in den Werkstätten der Rue Blomet Gefäße in schlichten, vom Japonismus und ostasiatischen Vorbildern beeinflussten Formen herstellen. Dabei experimentierte er mit farbigen Engoben, Inkrustationen und Hochbrandtechniken, die den natürlichen Charakter des Steinzeugs betonten. Die Werkstatt wurde zu einem wichtigen Zentrum der französischen Steinzeugrenaissance. Künstler wie Édouard und Albert Dammouse, Jean-Désiré Ringel d’Illzach, Frédéric Hexamer sowie Bildhauer wie Jules Dalou arbeiteten dort mit keramischen Materialien und trugen zur Etablierung des Steinzeugs als künstlerischem Medium bei.
Kupferrotglasur Charles Haviland lenkte Ernest Chaplets Interesse auf die chinesische Kupferrotglasur (Lang Yao bzw. sang de bœuf). Seit den frühen 1880er Jahren experimentierte Chaplet intensiv mit deren Nachbildung. Erste Erfolge zeigte er 1884 auf Ausstellungen der Union Centrale. 1885 gelang ihm schließlich die Herstellung einer dem chinesischen Vorbild vergleichbaren Kupferrotglasur auf Porzellan – ein Durchbruch, der ihn zu einem der führenden europäischen Keramiker seiner Zeit machte.
Spätwerk und Zusammenarbeit mit Bildhauern Nach der Übernahme der Werkstatt auf eigene Rechnung ab 1886 brannte Chaplet Steinzeugplastiken nach Modellen von Jules Dalou und Auguste Rodin. Er arbeitete an der Töpferscheibe und modellierte frei, sodass dickwandigere Stücke in schlichten Formen als Unikate entstanden. Da das keramische Material nicht mehr durchscheinend war, verwendete er matte, raue und dicke Glasuren sowie Craqueléen und herunterlaufende Glasurtropfen („Nasen“). Bei der Beschäftigung mit den Verwendungsmöglichkeiten von Kupfer entwickelte Chaplet eine Farbskala von Violett über Flambé und Flecken bis hin zu Mélangetönen und Blassgrün. Als nun berühmter Künstler wurde er an verschiedenen Bauvorhaben beteiligt, darunter die Villa des Barons Joseph Vita in Évian und das Badezimmer des Marquis de Ganay.
Zusammenarbeit mit Paul Gauguin Paul Gauguin lernte 1886 Ernest Chaplet kennen, der ihn in keramische Techniken einführte. In Chaplets Pariser Atelier entstanden in den Wintern 1886/87 und 1887/88 zahlreiche gemeinschaftlich ausgeführte Steinzeugarbeiten, bei denen Gauguin die künstlerischen Entwürfe lieferte und Chaplet ihn bei der technischen Umsetzung unterstützte. Nach Gauguins Rückkehr aus Tahiti kam es von 1893 bis 1895 zu einer erneuten Zusammenarbeit, aus der einige seiner bedeutendsten keramischen Werke hervorgingen.
Werke (Auswahl)
Ausstellungen / Sammlungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1887: Union centrale des Arts décoratifs, Paris 1889: Weltausstellung, Paris 1900: Weltausstellung, Paris 1903, 1905: Galerie Georges Petit, Paris 1910: Musée des Arts décoratifs (MAD), Paris 1976: Retrospektive, MAD, Paris
Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl) Köln, Museum für Angewandte Kunst Kopenhagen, Kunstindustrimuseet Limoges, Musée national Adrien-Dubouché Nancy, Musée de l’École de Nancy Paris: Musée des Arts Décoratifs (MAD), Musée national des Arts et Techniques, Musée d’Orsay, Petit Palais, Musée des Arts d’Afrique et d’Océanie Sèvres, Musée national de Céramique Washington, D.C., Smithsonian Institution
Ernest Chaplet vermachte die in seinem Besitz verbliebenen Werke zu gleichen Teilen fünf französischen Museen: dem Musée Galliera, dem Musée des Arts et des Métiers, dem Musée des Arts décoratifs, dem Musée du Luxembourg sowie dem Musée national de Céramique in Sèvres.
Literatur Jean et Laurens d’Albis: Ernest Chaplet. Connaissance des Arts, Paris 1976. Mel Byars: The Design Encyclopedia. London / New York 2004. Dieter Zühlsdorff: Markenlexikon. Porzellan- und Keramik-Report 1885–1935. Band I. Stuttgart 1988. Roger Marx: Nachruf auf Ernest Chaplet. In: Art et Décoration. 1910.
Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 3: Bülow – Cossin. Paris, 2006.
Weblinks
French Art Pottery Jason Jacques Artera askART encyclopedia.design. 300 Years of Applied and Decorative Arts
Einzelnachweise
Kategorie:Keramiker Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1835 Kategorie:Gestorben 1909 Kategorie:Mann