Die Alliance Defending Freedom (ADF, bis 2012 Alliance Defense Fund) ist eine US-amerikanische christlich-konservative Organisation mit Sitz in Scottsdale, Arizona. Sie ist als gemeinnützige Vereinigung nach dem US-Steuerrecht (501(c)(3)) registriert und betreibt juristische Interessenvertretung (Legal Advocacy). Die ADF unterhält Außenstellen u. a. in Washington, D.C. und New York. Die internationale Tochtergesellschaft Alliance Defending Freedom International hat ihren Sitz in Wien (Österreich) und ist nach eigenen Angaben in über 100 Ländern aktiv.

Aktivitäten und Programmatik Die Organisation gilt gemessen an Budget, Fallzahlen und ihrem Netzwerk als eine der einflussreichsten christlich-konservativen Rechtsvereinigungen in den Vereinigten Staaten.

Die ADF setzt sich auf juristischem und politischem Weg für die Ausweitung christlich-religiöser Praktiken an staatlichen Schulen und in Behörden ein. Zu den Kernpositionen der Organisation gehören:

Lebensschutz und Familie: Die ADF lehnt Schwangerschaftsabbrüche strikt ab. Juristen der Organisation entwarfen die Modellgesetzgebung für das restriktive Abtreibungsgesetz des Bundesstaates Mississippi, das im Fall Dobbs v. Jackson Women’s Health Organization zur Aufhebung des Grundsatzurteils Roe v. Wade durch den Obersten Gerichtshof der USA führte. Zudem befürwortet die ADF ein Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe. LGBTQ-Rechte: Die ADF wendet sich gegen rechtliche Gleichstellung von LGBTQ-Personen, gegen Transgender-Rechte sowie gegen bestimmte Antidiskriminierungsgesetze. Sie vertrat unter anderem Dienstleister aus der Hochzeitsbranche vor Gericht, die eine Bedienung gleichgeschlechtlicher Paare aus religiösen Gründen ablehnten. mini|Bill und Vonette Bright, Mitbegründer des Alliance Defense Fund, dem Vorgänger der Alliance Defending Freedommini|James Dobson, Mitbegründer des Alliance Defense Fund, dem Vorgänger der Alliance Defending FreedomReligionsfreiheit: Die ADF unterstützt christliche Gebete bei kommunalen Versammlungen und fordert die Einschränkung von Versicherungspflichten für Verhütungsmittel.

Politischer Einfluss und Einordnung Die ADF verfügt über enge Verbindungen zum konservativen und rechten politischen Spektrum in den USA. Seit der Präsidentschaft von Donald Trump gilt die Gruppe als einflussreicher Berater konservativer Regierungsstellen.

Mehrere namhafte US-Politiker und Juristen stehen oder standen mit der ADF in Verbindung, darunter:

Mike Johnson (Sprecher des Repräsentantenhauses und ehemaliger ADF-Anwalt) Amy Coney Barrett (Richterin am Obersten Gerichtshof) Mike Pence (ehemaliger Vizepräsident) William Barr und Jeff Sessions (ehemalige Justizminister) Josh Hawley (US-Senator)

Bis zum Jahr 2025 war die ADF an mindestens 74 Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof der USA beteiligt und erzielte in 15 Fällen, in denen sie Parteien direkt vertrat, ein Urteil in ihrem Sinne.

Kritik und Kontroversen Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center (SPLC) stuft die ADF als „Anti-LGBT-Hassgruppe“ (anti-LGBT hate group) ein.

In zwei viel beachteten Gerichtsverfahren wurde den Anwälten der ADF von Kritikern vorgeworfen, ungenaue oder gefälschte Beweismittel und Sachverhaltsdarstellungen vorgelegt zu haben.

Geschichte und Struktur Gründung Die Organisation wurde 1993 als Alliance Defense Fund (ADF) von Vertretern der christlichen Rechten in den Vereinigten Staaten gegründet. Ziel der Gründer war der Schutz der Religionsfreiheit, die sie in der amerikanischen Gesellschaft gefährdet sahen. Zu den sieben Mitbegründern gehörten Bill Bright (Gründer von Campus Crusade for Christ), Larry Burkett, James Dobson (Gründer von Focus on the Family), D. James Kennedy (Gründer von Coral Ridge Ministries), Marlin Maddoux, Mark Siljander und Alan Sears. Die ADF ist als steuerbefreite gemeinnützige Organisation nach dem US-Recht (501(c)(3)) registriert.

In den Anfangsjahren beschränkte sich die Organisation weitgehend auf die finanzielle Unterstützung von Gerichtsverfahren, anstatt selbst als Prozesspartei oder Rechtsvertretung aufzutreten. Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag dabei auf der juristischen Auseinandersetzung mit den Aktivitäten der American Civil Liberties Union (ACLU), deren Arbeit die ADF-Gründer als Mitursache für einen Rückgang christlicher Werte in der Gesellschaft ansahen.

Übergang zur direkten Prozessführung Im Jahr 2012 änderte die Organisation ihren Namen in Alliance Defending Freedom. Die Umbenennung sollte den strategischen Wandel verdeutlichen, Rechtsfälle fortan durch eigene Anwälte direkt zu führen, anstatt primär externe Juristen finanziell zu unterstützen.

Bis 2014 wuchs die Zahl der festangestellten Rechtsanwälte auf über 40. In dieser Phase übernahm die ADF zahlreiche Pro-bono-Mandate im Bereich des religiös-konservativen Spektrums. Größere nationale Aufmerksamkeit erlangte die Organisation unter anderem durch das Grundsatzurteil Burwell v. Hobby Lobby Stores, Inc. (2012) sowie durch juristische Klagen gegen den Affordable Care Act („Obamacare“) im Jahr 2014.

Leitung Alan Sears (1993–2017): Der Mitbegründer Sears war der erste Präsident, CEO und Chefjustiziar der Organisation. Zuvor war er unter der Reagan-Regierung als geschäftsführender Direktor der Attorney General's Commission on Pornography tätig gewesen, die 1986 den sogenannten Meese-Report veröffentlichte. Er leitete die ADF über zwei Jahrzehnte. Michael Farris (2017–2022): Farris, Gründer des Patrick Henry College und der Home School Legal Defense Association, übernahm 2017 die Leitung. Er hatte sich zuvor in den 1990er-Jahren für die Verabschiedung des Religious Freedom Restoration Act eingesetzt. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2016 äußerte er öffentlich moralische Bedenken gegenüber einer Kandidatur von Donald Trump. Nach der Präsidentschaftswahl 2020 unterstützte Farris jedoch Bemühungen, das Wahlergebnis anzufechten, und war am Entwurf einer Klageschrift des texanischen Generalstaatsanwalts Ken Paxton beteiligt (Texas v. Pennsylvania). Kristen Waggoner (seit 2022): Am 1. Oktober 2022 übernahm Waggoner die Positionen der Präsidentin und des CEO, während sie gleichzeitig ihre Funktion als General Counsel beibehielt.

ADF International Seit 2010 weitete die Organisation ihre Aktivitäten durch den internationalen Arm ADF International global aus. Nach eigenen Angaben war die Organisation bis 2015 an über 500 Verfahren vor nationalen und internationalen Gerichten beteiligt, darunter in den USA, Argentinien, Honduras, Indien, Mexiko, Peru sowie vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte. Für das Jahr 2017 meldete die Organisation 580 laufende Rechtssachen in 51 Ländern.

Internationale Ableger wurden unter anderem 2012 in Indien (Hauptsitz Neu-Delhi) sowie in mehreren europäischen Ländern (darunter Deutschland als ADF International Deutschland, Österreich als ADF International Austria GmbH, Frankreich, die Schweiz, Großbritannien und Belgien) gegründet. Über das Büro in Brüssel (ADF International Belgium) betreibt die Organisation Lobbyarbeit beim Europäischen Parlament und ist Teil der Interfraktionellen Arbeitsgruppe zu Religionsfreiheit und religiöser Toleranz. Zu den dort behandelten Themen gehörte unter anderem die Verfolgung christlicher Minderheiten im Irak und in Myanmar.

Das weltweite Budget von ADF International lag im Geschäftsjahr 2020/21 bei rund 11,5 Millionen US-Dollar (€ 9.489.000). In der Europäischen Union gab die Organisation zwischen 2008 und 2016 laut Transparenzberichten etwa 8,7 Millionen Euro aus. Das Brüsseler Lobbybüro wies für das Geschäftsjahr 2022/23 ein Budget von rund 585.000 US-Dollar aus und gab an, vollständig durch Spenden der US-Mutterorganisation finanziert zu werden.

Finanzen und Unterstützer Die ADF finanziert sich maßgeblich durch Zuwendungen von Stiftungen und privaten Spendern. Zu den größten Geldgebern gehörte zwischen 2018 und 2020 die Servant Foundation, die der ADF über ihren Finanzzweig The Signatry mehr als 50 Millionen US-Dollar zukommen ließ. Teile dieser Mittel flossen unter anderem in die christliche Werbekampagne „He Gets Us“ (bekannt durch Ausstrahlungen während des Super Bowl).

Weitere namhafte Spender und Stiftungen sind:

Die Unternehmerfamilie Green (Eigentümer von Hobby Lobby) Die Covenant Foundation Die Bolthouse Foundation Die Edgar and Elsa Prince Foundation Die Richard and Helen DeVos Foundation Die Bradley Foundation Das Charles Koch Institute Der M.J. Murdock Charitable Trust (Zuweisung von fast 1 Million US-Dollar zwischen 2007 und 2016)

Supreme Court Die Alliance Defending Freedom (ADF) hat eine Reihe von Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten (Supreme Court) geführt und gewonnen.

Meinungsfreiheit (Free Speech) 303 Creative LLC v. Elenis (2023): Dieser Fall behandelte das Verhältnis von Meinungsfreiheit und LGBTQ-Rechten. Die ADF-Anwältin Kristen Waggoner vertrat die Grafikdesignerin Lorie Smith. Smith klagte gegen ein Antidiskriminierungsgesetz in Colorado. Sie argumentierte, das Gesetz zwinge sie zur Erstellung von Websites für gleichgeschlechtliche Eheschließungen. Dies widerspreche ihren religiösen Überzeugungen. Der Supreme Court entschied mit 6:3 Stimmen für Smith. Der Staat darf Personen nicht zu Äußerungen zwingen, die ihren Überzeugungen widersprechen. National Institute of Family and Life Advocates v. Becerra (2018): Hier ging es um Meinungsfreiheit und Schwangerschaftsabbrüche. Ein kalifornisches Gesetz verpflichtete Pro-Life-Schwangerschaftszentren zu einem Aushang. Dieser musste über staatliche, kostenlose Abtreibungsdienste und Telefonnummern informieren. Die Zentren wurden von ADF-Anwalt Michael Farris vertreten. Der Supreme Court erklärte die Hinweispflicht mit 5:4 Stimmen für verfassungswidrig. Sie verletze die Meinungsfreiheit. Good News Club v. Milford Central School (2001): In diesem Fall ging es um den Ausschluss eines christlichen Schülerclubs von der Nutzung schulischer Räumlichkeiten nach Unterrichtsschluss aufgrund des religiösen Charakters der Vereinigung. Der Supreme Court entschied mit 6:3 Stimmen, dass der Good News Club – vertreten durch den leitenden ADF-Anwalt Thomas Marcelle – eine unzulässige Benachteiligung aufgrund seiner Weltanschauung (viewpoint discrimination) erfahren habe und religiösen Gruppen der gleiche Zugang zu öffentlichen Schuleinrichtungen gewährt werden müsse.

Schwangerschaftsabbruch (Abortion) Dobbs v. Jackson Women's Health Organization (2022): Der Fall prüfte ein Abtreibungsverbot in Mississippi nach der 15. Schwangerschaftswoche. Das Gesetz stand im Widerspruch zu den Grundsatzurteilen Roe v. Wade (1973) und Planned Parenthood v. Casey (1992). Die ADF hatte die zugrundeliegende Modellgesetzgebung gezielt entwickelt, um ein Verfahren vor dem Supreme Court zu provozieren. ADF-Anwälte verteidigten das Verbot später gemeinsam mit dem Generalstaatsanwalt von Mississippi. Die Strategie hatte Erfolg. Der Supreme Court hob Roe v. Wade und Casey auf. Die Regulierung von Abtreibungen liegt seitdem wieder bei den Bundesstaaten.

Kontroversen über Sachverhaltsdarstellungen und Beweismittel In Zusammenhang mit mehreren von der ADF vor dem Supreme Court vertretenen Fällen kam es in Medienberichten und juristischen Debatten zu Vorwürfen bezüglich ungenauer oder irreführender Sachverhaltsdarstellungen.

303 Creative LLC v. Elenis: Nach dem Urteil im Jahr 2023 geriet das Verfahren in die Kritik, nachdem investigative Berichte darauf hinwiesen, dass eine im Rahmen des Verfahrens angeführte Kundenanfrage eines gleichgeschlechtlichen Paares mutmaßlich nicht existiert hatte oder fingiert war. Das Urteil sowie die Legitimität des Verfahrens wurden in der Folge von verschiedenen Rechtswissenschaftlern und in juristischen Fachzeitschriften diskutiert und kritisiert.