Usaramo (auch Usuramo) bezeichnet eine historische Landschaft in Ostafrika, die heute Teil des Staates Tansania ist. Sie bildete das unmittelbare Hinterland der Küstenstädte Daressalam und Bagamoyo in der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Auf dem Gebiet von Usaramo liegen heute die Regionen Daressalam und Pwani.
Geografie und Geologie mini|alternativtext=farbige Landkarte eines Abschnittes der Küstenhinterlandes mit Siedlungsräumen in Deutsch-Ostafrika|Deutsche Karte der Lage Usaramos aus dem Jahr 1896 (rechte Bildhälfte; Karte von Franz Stuhlmann und Max Moisel) Die Landschaft wurde im Osten durch den Indischen Ozean, im Süden durch die Talebene des Rufiji, im Nordwesten durch den Ruvu und im Westen durch die Landschaft Khutu begrenzt.Autorenkollektiv: Brockhaus Konversations-Lexikon. 14. Auflage, Band 16: Turkestan–Zz, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien 1903, S. 45 (Digitalisat der Bauhaus-Universität Weimar und online auf retrobibliothek.de). Die Küstenzone, auch Mrima genannt, wurde durch feinen weißen Korallensand, zahlreiche Buchten, Lagunen und Mangrovensümpfe charakterisiert.Brix Förster: Deutsch-Ostafrika: Geographie und Geschichte der Colonie. Brockhaus, Leipzig 1890 (Digitalisat der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen und online auf gutenberg.org).
Vom flachen Küstenstreifen stieg das Gelände zu einem Hügelland an, das Höhen von etwa 300 bis 500 Metern erreichte. Geologisch bestand der Untergrund in weiten Teilen aus Sandstein und Korallenfels, der oft von Schichten aus Laterit, Sandstein und Ton überdeckt war.Franz Stuhlmann: Dr. F. Stuhlmanns Forschungsreisen in Usaramo. In: Freiherr von Danckelman (Hrsg.): Mittheilungen von Forschungsreisenden und Gelehrten aus den Deutschen Schutzgebieten. Band 7, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1894, S. 225–232.Carl Uhlig: Usaramo. In: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Band 2: H – O, Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 592 f. Während die Küstenzone und die Flusstäler des Ruvu und Rufiji fruchtbaren Alluvialboden aufwiesen, wurde das höher gelegene Plateau oft als wasserarm und einförmig beschrieben. Das Klima galt unter Europäern aufgrund verbreiteter Malaria als ungesund.
Fauna und Flora Die Vegetation wechselte je nach Beschaffenheit des Bodens: Am Indischen Ozean wuchsen Kokospalmen und Mangroven. Das Binnenland war geprägt durch Baum- und Buschsteppe, Trockenwälder sowie stellenweise dichter Dschungel an den Flüssen. Reisenden des 19. Jahrhunderts fiel das Vorkommen von Kopalbäumen auf. Viele Fruchtbäume wie Mango, Orangen und Jackfrucht verbreiteten sich von der Küste aus ins Landesinnere.Usaramo. In: Paul Heichen: Afrika Hand-Lexikon. Band 3, Gressner & Schramm, Leipzig 1885, S. 1308 (Digitalisat der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen).
In der Fauna galt Usaramo im Vergleich zu Landschaften wie Usambara und Usegua als arm an Wildtieren. Dennoch wurde vereinzelt von Antilopen berichtet. Die Viehzucht beschränkte sich demnach in der Regel auf Ziegen, Fettschwanzschafe und kleine Bestände an Zebu-Rindern.
Geschichte Usaramo geriet im 19. Jahrhundert unter den Einfluss des Sultans von Sansibar, der unter anderem versuchte, Daressalam zu einem zentralen Handelsplatz auszubauen. Im Jahr 1885 schloss Rochus Schmidt für die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (DOAG) in Usaramo 25 sogenannte Verträge über Landabtretungen, deren Bedeutung – wie Schmidt selbst zugab – von den Unterzeichnern „nicht annähernd verstanden“Rochus Schmidt: Deutschlands Kolonien. Ihr Gestaltung, Entwickelung und Hilfsquellen. Band 1, Verlag des Vereins der Bücherfreunde Schall & Grund, Berlin 1898, S. 28. wurde. Usaramo lag allerdings außerhalb jenes Territoriums, das bereits 1885 unter deutschen Reichsschutz gestellt wurde. Solange Verhandlungen zwischen Deutschland, Großbritannien und Sansibar um die Herrschaft an der Küste liefen, lehnte Otto von Bismarck die Erweiterung um Usaramo ab. Die DOAG errichtete dennoch mehrere kleine Stationen am Ruvu und in Pugu, an denen sie Agrarversuche durchführen ließ. Der Widerstand lokaler Gruppen gegen die koloniale Aneignung sowie die Folgen des Küstenaufstands wurde von deutschen Truppen unter Hermann von Wissmann gewaltsam unterdrückt. Mit den umliegenden Landschaften wurde auch Usaramo 1891 unter direkte Reichsverwaltung gestellt. Die infrastrukturelle Erschließung des Landes erfolgte durch die Anlage von Straßen (ansatzweise schon vor der deutschen Herrschaft) und den Bau der Zentralbahn.
Bevölkerung mini|alternativtext=Landkarte eines Abschnitts der Küste und eines Teils des Hinterlandes im heutigen Tansania|Siedlungsgebiet der Wasaramo (rot unterstrichen) auf einer deutschen Karte aus der Zeit um 1900 Die namensgebende Bevölkerungsgruppe waren die Wasaramo oder Zaramo, die zu den Bantu gezählt wurde. An der Küste lebten außerdem Suaheli, Araber und Inder. Die Wasaramo lebten in zahlreichen kleinen Bezirken unterteilt, die von lokalen Häuptern (Pasi oder Jumbe genannt) geführt wurden. Eine zentrale politische Struktur war aus europäischer Perspektive nicht ersichtlich.Kurt Büttner: Die Anfänge der deutschen Kolonialpolitik in Ostafrika. Eine kritische Untersuchung anhand unveröffentlichter Quellen. Akademie-Verlag, Berlin 1959.
Zu den kulturellen Eigenheiten gehörten Franz Stuhlmann zufolge auffällige Frisuren, die mit roter Erde oder Tonpomade versteift wurden, sowie spezifische Grabformen mit Ahnenbildern und Grabbeigaben. Die religiöse Praxis war teils durch den Islam, teils durch lokale Traditionen und Ahnenkult geprägt. Während sie früher als kriegerisch und Schrecken der Karawanen galten, beschreiben spätere Reiseberichte die Bewohner als friedfertig.
Wirtschaft Die wirtschaftliche Bedeutung Usaramos lag historisch vor allem im Handel und in der Sammelwirtschaft. Das ausgegrabene Harz (Kopal) war ein wichtiger Handelsartikel. Ein zentrales Nahrungsmittel war Maniok. Weitere Nutzpflanzen waren Reis, Mais, Hirse (Sorghum), Bohnen, Tabak und vereinzelt Baumwolle.
Der Küstenort Bagamoyo war ein bedeutendes Ziel von Karawanen aus Innerafrika, was der Region zeitweise einen Wirtschaftsaufschwung und einen regen Handel mit Elfenbein und Sklaven einbrachte. Viele Wasaramo arbeiteten als Träger für Karawanen oder als Lohnarbeiter an der Küste.
Rezeption Das Kombischiff Usaramo der Deutschen Ost-Afrika-Linie war nach der Landschaft benannt.
Einzelnachweise
Kategorie:Deutsch-Ostafrika Kategorie:Geographie (Tansania) Kategorie:Historisches Territorium (Afrika)