Walter Rabl (* 1959 in Volders, Tirol) ist ein österreichischer Rechtsmediziner. Er war bis zu seiner Pensionierung Ende 2024 stellvertretender Direktor des Instituts für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck und von 2004 bis 2024 Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gerichtliche Medizin (ÖGGM).
Leben Rabl wurde 1959 in Volders in Tirol geboren. Nach der Matura 1977 am BORG Innsbruck studierte er bis 1983 Medizin an der Universität Innsbruck. Von 1983 bis 1989 absolvierte er am Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck die Ausbildung zum Facharzt für gerichtliche Medizin. In den Jahren 1991 und 1992 war er als Gerichtsmediziner am Kantonsspital St. Gallen tätig und versah dort die Funktion eines Bezirksarztes für die Stadt St. Gallen.
1992 wurde Rabl zum allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen für gerichtliche Medizin einschließlich Toxikologie und Spurenkunde bestellt. 1998 habilitierte er sich an der Universität Innsbruck. 2016 erwarb er an der Universität Bern den Abschluss eines Master of Medical Education (MME).
Rabl lebt in Tirol.
Wirken Am Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck leitete Rabl von 1986 bis 2000 (mit Unterbrechung durch die Tätigkeit in St. Gallen) den Fachbereich biologische Spuren und die nationale DNA-Datenbank; ab 2000 übernahm er die Leitung des Fachbereichs forensische Toxikologie. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählten die forensische Morphologie, biologische Spuren und DNA, die Toxikologie sowie die klinische Gerichtsmedizin. Zuletzt war er stellvertretender Direktor des Instituts.
Im März 2004 wurde Rabl zum Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Gerichtliche Medizin gewählt; diese Funktion übte er bis zu seiner Pensionierung Ende 2024 aus. Als Präsident wies er wiederholt auf die sinkende Obduktionsquote in Österreich hin und warnte vor unentdeckt bleibenden Tötungsdelikten.
Rabl war über mehr als vier Jahrzehnte häufig als gerichtlicher Sachverständiger tätig und befasste sich mit zahlreichen Todesfällen und Verbrechen in Tirol. Bekannt wurde unter anderem seine Beteiligung an der Untersuchung des Falls des kanadischen Eishockeyspielers Duncan MacPherson, dessen Leichnam 2003 am Stubaier Gletscher geborgen wurde, sowie des Mordfalls Raven Vollrath.
Rabl tritt auch öffentlich als Vermittler gerichtsmedizinischen Wissens auf, etwa im Crime-Podcast Tatort Tirol der Tiroler Tageszeitung.
Kritik Rabl war über mehr als vier Jahrzehnte häufig als gerichtlicher Sachverständiger tätig und befasste sich mit zahlreichen Todesfällen und Verbrechen in Tirol und darüber hinaus. Einzelne von Rabl erstellte Gutachten gerieten in die öffentliche Kritik. Das österreichische Nachrichtenmagazin profil berichtete 2015 über Vorwürfe, wonach einzelne seiner Befunde fehlerhaft oder widersprüchlich gewesen seien. Rabl wies die Kritik zurück.
Im Juni 2025 untersuchte Die Zeit in einer Reportage der Rubrik ZEIT Verbrechen insgesamt sechs Todesfälle, zu denen Rabl Gutachten erstellt hatte, und schilderte dabei aus Sicht der Autoren eine Reihe von Ungereimtheiten. Zu den behandelten Fällen zählen der gewaltsame Tod von Angelika Föger (1990 in Grän im Tannheimer Tal, Tirol), der Tod des kanadischen Eishockeyspielers Duncan MacPherson (verschwunden 1989, 2003 aus dem Stubaier Gletscher geborgen), der Tod des deutschen Saisonarbeiters Raven Vollrath (2005 in Zöblen, Tirol), der Tod von Susi Greiner (2006 unterhalb der Gumpenspitze im Karwendel), der Tod von Denisa Šoltísová (2008 in Preising, Oberösterreich), sowie der Tod des sechsjährigen Leon Apler (2022 in der Kitzbüheler Ache). Rabl räumte gegenüber der Zeit ein, dass ihm im Lauf seiner Tätigkeit Fehler unterlaufen seien, sah sich bei den medial breit diskutierten Fällen jedoch keines großen Fehlers bewusst. Rabl wies die Darstellung in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung als einseitig zurück. Er gab an, für den Tötungsfall im Tannheimer Tal von 1990 noch nicht verantwortlich gewesen zu sein, und verwies darauf, dass der deutsche Fallanalytiker Axel Petermann diesen Fall erneut aufgerollt und die Vorwürfe nicht bestätigt habe.
Publikationen
mit Birgit Kofler-Bettschart: Leichen lügen nicht. Fälle und Fakten aus der Gerichtsmedizin. Carl Ueberreuter Verlag, Wien 2025, ISBN 978-3-8000-7894-3.
Weblinks
Walter Rabl bei der Österreichischen Gesellschaft für Gerichtliche Medizin
Einzelnachweise
Kategorie:Rechtsmediziner Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Medizinische Universität Innsbruck) Kategorie:Absolvent der Universität Innsbruck Kategorie:Sachbuchautor (Medizin) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1959 Kategorie:Mann