mini| Am Fenster, Staatsgalerie Stuttgart
Pauline Caroline MargareteIn den Quellen finden sich auch die Schreibvarianten Margarethe, Margareta und Margaretha für den Vornamen. von Kurowski (* 1853 in Brieg, Provinz Schlesien; † 14. Februar 1907 in Görlitz) war eine deutsche Künstlerin polnischer Abstammung, die insbesondere durch ihre Porträts und Genremalerei bekannt war.
Leben Margarete von Kurowski wurde 1853 als Tochter von Benno von Kurowski, einem preußischen Hauptmann, in der Provinz Schlesien geboren. Von Kurowski wird in zeitgenössischen Berichten als ruhiges, früh gereiftes Kind beschrieben, das wenig Interesse an typischen Beschäftigungen Gleichaltriger zeigte und sich stattdessen häufig zurückgezogen mit eigenen Gedanken beschäftigte oder Gespräche von Erwachsenen verfolgte. Zudem wird ihr bereits in jungen Jahren ein ausgeprägter Arbeitseifer zugeschrieben, der sich in einer über das Geforderte hinausgehenden schulischen Leistung zeigte und von ihren Lehrerinnen als außergewöhnlich hohe Arbeitsintensität beschrieben wurde. Aus ihren frühen Aufsätzen und Gedichten wurde ein ausgeprägtes inneres Erleben sowie ein erkennbares poetisches Talent abgeleitet. In dem im Alter von vierzehn Jahren verfassten Gedicht zum Thema Friedhof findet sich zudem eine frühe Auseinandersetzung mit dem Gedanken an den Tod.
Ein systematischer Kunstunterricht war ihr zunächst lange nicht möglich. Nach dem Tod ihres Vaters im April 1870 lebte sie mit ihrer Familie in Schweidnitz und konnte erst im Alter von 23 Jahren gelegentlich nach Breslau reisen, wo sie im Atelier des Landschaftsmalers Adolf Dressler Kopierübungen ausführte. Obwohl früh ein Talent zur Porträtmalerei erkennbar war, wurde ein reguläres Kunststudium zunächst nicht in Betracht gezogen. Der Unterricht bei Dressler war zudem nur von kurzer Dauer, da dieser die Leitung des von ihm gegründeten Schlesischen Museums der Bildenden Künste übernahm. Anschließend hielt sich von Kurowski zeitweise für mehrere Monate in Breslau auf und studierte an der Kunstschule bei Peter Bräuer, der ihre zeichnerische Ausbildung wesentlich prägte. Aufgrund ihrer gezeigten Leistungen wurde sie später als einzige Schülerin in das Atelier des Porträtmalers Otto Kreyher aufgenommen, wo sie zwei Jahre lang intensiv arbeitete. 1885 erhielt von Kurowski als erste Frau ein zweijähriges Stipendium der Provinz Schlesien und zog nach München.
Von Kurowski setzte ihre Ausbildung zunächst an der Künstlerinnenschule fort, wo sie Unterricht bei Kurz sowie bei Alois Erdtelt erhielt, der für seine technische Ausbildung bekannt war. Später studierte sie bei Herterich und schließlich bei Wilhelm Dürr dem Jüngeren, dessen künstlerische Haltung sie besonders geprägt haben soll. Ihr Studium verlief jedoch nicht kontinuierlich, da sie es wiederholt für längere Zeit unterbrechen musste, um durch Porträtaufträge ihren Lebensunterhalt zu sichern. Diese Aufträge führte sie unter anderem in Berlin, Schlesien und Russland aus. 1889 entstand zum Beispiel in Berlin ein Porträt Kaiser Wilhelms II., das beim Auftraggeber auf positive Resonanz stieß.
Die Verbindung von künstlerischer Ausbildung und beruflicher Auftragsarbeit führte zu einer hohen Arbeitsbelastung, die sich auch gesundheitlich auswirkte. Bereits während ihrer Zeit in Breslau war sie auf die Belastungen ihres Berufs hingewiesen worden, setzte ihre Tätigkeit jedoch fort. Besonders die Porträtmalerei stellte für Künstlerinnen und Künstler jener Zeit häufig eine zusätzliche Herausforderung dar. In den letzten Lebensjahren war von Kurowski gesundheitlich zunehmend beeinträchtigt. Berichtet werden eine gesteigerte nervliche Belastung sowie wiederkehrende starke Kopfschmerzen. Zusätzlich litt sie an einem Knieleiden, das bereits in der Kindheit begonnen haben soll und sich im Laufe der Zeit verschlimmerte. Trotz dieser Einschränkungen setzte sie ihre künstlerische Tätigkeit fort und arbeitete weiterhin in hohem Tempo. Im März 1906 verschlechterte sich der Zustand ihres Knies so stark, dass sie zeitweise nicht mehr stehen konnte. Sie wurde zur Behandlung nach Wiesbaden gebracht und unterzog sich dort einer Operation, infolge derer das betroffene Bein dauerhaft eingeschränkt blieb. Ihre gesundheitliche Situation blieb auch danach stark beeinträchtigt, da zudem das andere Bein bereits geschwächt war. Zu Lebzeiten blieb ihr Erfolg nicht aus. Als von Kurowski am 14. Februar 1907 starb, hatte sie noch sieben offene Aufträge.
Werk Von Kurowskis Werke, meist Porträts, einfache Figuren oder Figurengruppen, zeichneten sich durch eine feine und nuancierte Malweise aus. Häufig verwendete sie gedämpfte, gebrochene Farben, die ihren Bildern eine melancholische Stimmung verliehen. Viele ihrer Arbeiten wirken ernst und nachdenklich, teilweise von einer melancholischen „Todesahnung“ überschattet. Gleichzeitig strahlten sie aber auch Empathie, Introspektion und eine religiöse Tiefe aus. Besonders auffällig war die menschliche Wirkung ihrer Porträts. Obwohl die dargestellten Personen oft keine klassischen Schönheitsideale erfüllten und meist in einfachen, alltäglichen Haltungen gezeigt wurden, wirkten die Bilder ausdrucksstark. Auf dramatische Szenen oder erzählerische Effekte verzichtete von Kurowski fast vollständig. Stattdessen konzentrierte sie sich auf den Ausdruck und das Innenleben der Menschen. Neben den eher ernsten Bildern entstanden auch unbeschwertere Arbeiten, besonders wenn die Künstlerin Kinder darstellte. Ein weiterer Schwerpunkt ihres Schaffens war die Darstellung von Armut. Diese Motive sind durch eine ruhige, eher melancholische Grundstimmung geprägt und verzichten auf eine anklagende Haltung.
Mutter mit Kind, nach Äpfeln greifend In diesem Werk trägt eine Mutter ihr Kind zu einem Apfelbaum mit reifen Früchten. Ihr Gesichtsausdruck wirkt zurückhaltend und ernst, mit einem angedeuteten Lächeln, das eher auf Gewohnheit an Belastung als auf Freude hinweist. Wie auf anderen Bildern, in denen von Kurowski Mutterschaft und Mutter-Kind-Szenen darstellt, wird auch hier keine ausdrücklich glückliche oder idealisierte Darstellung von Mutterschaft gezeigt.
Engelterzett Das Werk gilt in zeitgenössischen Beschreibungen als eines der ausgereifteren Werke von Kurowskis. Dargestellt sind drei Figuren mit ernstem, stark individualisiertem Gesichtsausdruck. Die Komposition wird dabei nicht als klassische Engelsszene im religiösen Sinn interpretiert, sondern als Darstellung junger Menschen in idealisierender, symbolisch aufgeladener Form.
Weitere Werke (Auswahl) Bauernmädchen am Gehöftzaun, Öl auf Leinwand, Neue Pinakothek, München Porträt einer Frau in einem schwarzen Kleid, Nationalmuseum Breslau mini|Porträt einer Frau in einem schwarzen Kleid, Nationalmuseum Breslau Dachauer Ackerbürger in seiner Stube, Öl auf Leinwand Paar vor dunklem Hintergrund, Öl auf Leinwand Madonna Porträt-Studie Skizze, Öl Frau mit Sack, Öl Studie, Öl Mutter und Kind, Öl Im Atelier, Öl Mutter mit Tochter, Öl Stillende Mutter Mädchen mit Schweinen Geiger Knabenakte Lastträgerin Die Geschwister, Bild mit blauen Kyanen Mädchen mit den Teetassen Am Fenster, Öl auf Leinwand, 110 × 92, Staatsgalerie Stuttgart Mutter mit Tochter, Öl Frau von Pannwitz. Hier handelt es sich um ein Porträt von Eva von Pannewitz, das von Franz von Lenbach gerühmt wurde. Kopf einer Herodias Mädchen unter blauem Sonnenschirm Nocturno
Gruppenausstellungen (Auswahl) Von Kurowski hatte viele Jahre bei der Wiener Secession und bei der Luitpold-Gruppe ausgestellt. 1905: Frühjahr-Ausstellung des Vereins bildender Künstler Münchens „Sezession“, ehemaliges Königliches Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz, heute Staatliche Antikensammlungen, München 1905: IX. Internationale Kunstausstellung, Glaspalast, München 1906: Internationale Kunstausstellung Bremen, Kunsthalle Bremen, Bremen 1906: Frühjahr-Ausstellung des Vereins bildender Künstler Münchens „Sezession“, ehemaliges Königliches Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz, München 1910: XXXVII. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession, Wiener Secessionsgebäude, Wien
Einzelausstellungen (Auswahl) 1907: Nachlass-Ausstellung, Kunstverein München, München
Werke in öffentlichen Sammlungen Staatsgalerie Stuttgart Neue Pinakothek, München
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Künstler (Deutschland) Kategorie:Adliger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1853 Kategorie:Gestorben 1907 Kategorie:Frau