Das Corpus of Early Medieval Latin Medicine (CEMLM) ist ein Forschungsprojekt zur Erfassung lateinischer Handschriften mit medizinischem Inhalt aus dem Frühmittelalter. Das an der University of St Andrews angesiedelte und von der British Academy geförderte Projekt berücksichtigt Handschriften bis zum Jahr 1000. Eine erste Handlist mit rund 200 Einträgen wurde im Juni 2025 vorgestellt.
Hintergrund Die früheren Kataloge von Augusto Beccaria (1956) und Ernest Wickersheimer (1966) verzeichnen 225 Handschriften.Claire Burridge et al.: Early Medieval Medicine: How a New Corpus of Manuscripts Is Transforming the Field. In: Early Science and Medicine. Band 30, Nr. 6, 2025, S. 640–684. () Seit 2020 ermittelte das CEMLM ungefähr 250 weitere Handschriften.Corpus of Early Medieval Latin Medicine (CEMLM). In: The British Academy, abgerufen am 30. Mai 2026.
Das CEMLM verzeichnet auch medizinische Einträge in Handschriften mit anderem Hauptinhalt, etwa in liturgischen, theologischen, grammatischen, poetischen, rechtlichen, computistischen und hagiographischen Handschriften. Ein bekanntes Beispiel sind die Basler Rezepte. Zu den weiteren Zielen des Projekts gehören ein neuer Handschriftenkatalog, Editionen und Übersetzungen bislang unedierter Rezeptliteratur sowie eine kurze Einführung in die frühmittelalterliche Medizin.
Mitarbeiter des Projekts sind u. a. James T. Palmer (St Andrews), Claire Burridge (Oslo) und Carine van Rhijn (Utrecht).
Rezeption Nach der Veröffentlichung der Handlist griffen zahlreiche Medien das CEMLM auf. Der Projektblog verzeichnete im August 2025 mehr als 110 Beiträge in 34 Ländern und in über einem Dutzend Sprachen. Besonders stark verbreitete sich dabei der Vergleich frühmittelalterlicher Rezepte mit heutigen TikTok-Trends.Carine van Rhijn: Launching the Handlist. In: Corpus of Early Medieval Latin Medicine, 25. August 2025, abgerufen am 30. Mai 2026.
Berichte erschienen unter anderem in The Times,Nicola Woolcock: Lizard shampoo, bloodletting and other health tips from the Middle Ages. In: The Times, 29. Juni 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. IFLScience,Russell Moul: “Lizard Shampoo” And Pagan Texts Suggest “Dark Age” Medicine Wasn’t So Dark After All. In: IFLScience, 27. Juni 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. ScienceDaily,1,000-year-old health hacks are trending—and backed by science. In: ScienceDaily, 16. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. Popular Science,Andrew Paul: Dark Age detoxes sometimes resembled TikTok health trends. In: Popular Science, 17. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. Discover Magazine,Jenny Lehmann: People in the Middle Ages Spread Wellness Trends Like We Do Today on TikTok. In: Discover Magazine, 17. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. SciTechDaily,Medieval Medicine Was Surprisingly Smart – And Trending Again. In: SciTechDaily, 18. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. Vice,Ashley Fike: These Medieval Remedies Sound Cursed—but They Weren’t All Wrong. In: Vice, 27. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. Scientias,Hagedissenshampoo in een priesterboek: wetenschappers ontdekken middeleeuwse beauty- en gezondheidstips op de gekste plekken. In: Scientias, 8. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. De Morgen,Rozemarijn, olie en as van hagedissen: zo maakten middeleeuwers shampoo. In: De Morgen, 8. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. Sciences et Avenir,Aurore Neyrat: Un catalogue de manuscrits bouleverse notre vision de la médecine au début du Moyen Âge. In: Sciences et Avenir, 25. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. GEO,Überraschend modern: Mittelalterliche Heilmittel und ihre Wirkung. In: GEO, 24. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. GMXCarla Giuseppina Magnanimo: Zufallsfund rückt Medizin aus dem Mittelalter in ein neues Licht. In: GMX, 25. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026. und ZWP online.Katja Kupfer: Das war nicht nur Aberglaube! Mittelalter-Medizin viel schlauer als ihr Ruf. In: ZWP online, 22. Juli 2025, abgerufen am 30. Mai 2026.
Carine van Rhijn kommentierte die Medienresonanz im Projektblog. Viele Beiträge hätten bekannte Bilder vom „dunklen“, abergläubischen Frühmittelalter aufgenommen und zugleich in eine Gegenerzählung von klugen oder modernen Heilpraktiken gewendet. Die Handlist selbst sei in den meisten Meldungen nur am Rand sichtbar geblieben, stärker verbreitet hätten sich die zugespitzten Formeln der Pressearbeit. Der Blog stellte außerdem klar, dass das Projekt keine heutigen TikTok-Trends wissenschaftlich bestätige und die überlieferten Rezepte nicht zum Nachmachen gedacht seien. Auch die Bebilderung wurde angesprochen: Viele Medien verwendeten Bilder von Handschriften, andere ergänzten künstlich generierte Abbildungen.
Literatur Claire Burridge, Jeffrey Doolittle, Meg Leja, James T. Palmer, Carine van Rhijn: Early Medieval Medicine: How a New Corpus of Manuscripts Is Transforming the Field. In: Early Science and Medicine. Band 30, Nr. 6, 2025, S. 640–684. ()
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