Linderung der Fieber (Armenisch: Ջերմանց Մխիթարություն, Jermants Mkhitarutiun, engl. Relief of Fevers) ist eine enzyklopädische medizinische Abhandlung, die im Jahr 1184 von dem armenischen Arzt Mkhitar Heratsi verfasst wurde und vollständig erhalten geblieben ist.

Im Vorwort zu seinem Buch schreibt Heratsi, dass er für sein Buch arabische, persische und griechische Quellen, darunter Texte von Galenos und Avicenna, benutzt hat.

Inhalt In dem Handbuch handelt Heratsi neben Infektionskrankheiten auch Chirurgie, Diäten und psychoptherapeutische Aspekte ab. Er ist der erste in der Geschichte der Medizin, der die Rolle von Schimmelpilzen (moulds) als Verursacher von Krankheiten beschreibt. In der Geschichtsschreibung wird er daher als ein früher Vorläufer von Girolamo Fracastoro bzw. der Entdecker der Mikroorganismen als Verursacher von Infektionen im 19. Jahrhundert gesehen.Viktorya Vasilyan: Medieval Armenian Medicine. A Short Historical Outline Centre for the Study of Medicine and the Body in the Renaissance, Pisa, abgerufen am 30. Mai 2026 Zu den Infektionskrankheiten, die er in seinem Buch abhandelt, zählen Malaria, Typhus, Sepsis, die Pest, Pocken und Masern. Er unterscheider drei Typen von Malaria: die Quotidian-Malaria (miorya), die Tertian-Malaria (an jedem zweiten Tag auftretend; yerekorya) und die Quartan-Malaria (im Abstand von drei Tagen auftretend; horekorya).

Er unterscheidet mehrere Formen der Tuberkulose und identifiziert drei auslösende Ursachen für die Erkrankung: 1. Stress und Angst, 2. Erschöpfung, Überarbeitung und falsche Ernährung und schließlich ein schlechtes klimatisches Umfeld. Zur Diagnose von Krankheiten empfiehlt er Beobachtung, Palpation, Abklopfen mit der Hand, Abhören zusammen mit der Untersuchung von Urin, Auswurf u. ä. Eine wichtige Rolle spielt die Anamnese und die Krankengeschichte des Patienten. Als Therapien dienen Pflanzen und Pflanzenextrakte, Diätvorschriften, körperliche Übungen und Hydrotherapie (Bäder, Duschen, Waschungen mit kaltem Schwamm). Ein therapeutisches bzw. psychotherapeutisches Mittel ist das Anhören von Musik und das Ablenken des Patienten durch Gespräche und humorvolle Geschichten.Armine S. Aslanyan: History of medicine. A Manual. Jerevan 2018. S. 104.

Zu den Pflanzen und Mineralien, die als Heilmittel eingesetzt werden, zählt er u. a. Präparate aus Wasserlilien, Veilchen als fiebersenkende Mittel, Ysop, Alant, Süßholz, Wegerich, Safran, Kapern, Minze, Thymian, Portulak, Okra, Koriander. Zur Behandlung von Tuberkulosekranken empfiehlt er Milch. Außerdem enthalten Rezepte tierische Produkte, wie Castoreum und Ochsengalle, sowie Mineralien mit antitoxischer und antisklerotischer Wirkung, z. B. Schwefel, Zink oder Borsäure.

mini|Ausgabe Venedig 1832

Ausgaben Das Manuskript wurde 1727 in Konstantinopel entdeckt und von der Nationalbibliothek in Paris erworben. Herausgegeben vom Armenian Cultural Center of San Lazzaro erschien erstmals 1832 in Venedig im Druck. Im 19. Jahrhundert wurde es durch eine Reihe deutscher Forscher, die einige Auszüge auf Deutsch veröffentlichten, der westlichen Gelehrtenwelt bekannt gemacht. Auch auf Französisch wurden Auszüge veröffentlicht, und zwar 1899 von Vahram Torkomian (1858–1942). Das Gesamtwerk wurde 1908 von Ernst Seidel ins Deutsche übersetzt. Eine russische Übersetzung erschien 1955 in Jerewan.

Literatur

Viktorya Vasilyan: Medieval Armenian Medicine. A Short Historical Outline Centre for the Study of Medicine and the Body in the Renaissance, Pisa

Weblinks The Heritage of Armenian Literature From the Sixth to the Eighteenth Century (volume2) by Agop J. Hacikyan

Einzelnachweise

Kategorie:Sachliteratur (Medizin) Kategorie:Literatur (Armenisch) Kategorie:Handschrift (12. Jahrhundert) Kategorie:Handschrift der Bibliothèque nationale de France (Paris) Kategorie:Medizin (Mittelalter)