Giorgia Serughetti (* 17. März 1979) ist eine italienische politische Philosophin, Hochschullehrerin und Autorin. Sie ist Professorin für politische Philosophie an der Abteilung für Soziologie und Sozialforschung der Universität Mailand-Bicocca. Ihre Arbeit befasst sich mit politischer Theorie und Geschlechterforschung und sie leistet Beiträge zu Debatten über Migration, Sexualität, Gewalt gegen Frauen, Feminismus und Demokratie.

Leben Serughetti promovierte an der Universität Palermo in Kulturwissenschaften; sie arbeitete zunächst als Forschungsassistentin an der Universität Milano-Bicocca und als freiberufliche Forscherin zu Migration, Sexarbeit und Frauenhandel. An der Universität Mailand-Bicocca gehört sie der Abteilung für Soziologie und Sozialforschung an und ist dem Fach politische Philosophie zugeordnet. Sie ist als Philosophin und Verfasserin von Essays zu Genderfragen und politischer Theorie bekannt.

Wirken Ein Schwerpunkt ihrer Forschung ist die gesellschaftliche und rechtspolitische Deutung von Prostitution und Sexarbeit. In ihrem Aufsatz Prostitution and Clients’ Responsibility analysierte sie den Wandel, durch den in vielen Debatten nicht mehr Sexarbeiterinnen, sondern männliche Kunden als zentrale Akteure des Sexmarktes betrachtet wurden, und plädierte für eine kontextgebundene, gender-sensible Perspektive ohne vorurteilsgeleitete Verkürzungen. Mit Cecilia D’Elia veröffentlichte sie Libere tutte. Dall’aborto al velo, donne nel nuovo millennio, das Themen von Abtreibung, Ehe, Prostitution, Leihmutterschaft und Schleier als Konflikte um die Freiheit von Frauen behandelt.

Im Umfeld der Debatte um das italienische Zan-GesetzLegge Zan = Modifiche agli articoli 604-bis e 604-ter del codice penale, in materia di violenza o discriminazione per motivi di orientamento sessuale o identità di genere, Parlamento Italiano, VIII Legislatura trat Serughetti 2020 in einem Interview von il manifesto für eine gemeinsame Betrachtung von Hass und Gewalt aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität ein, weil diese Formen der Diskriminierung eine gemeinsame Matrix hätten. Vor der italienischen Parlamentswahl 2022 beurteilte sie die mögliche Wahl Giorgia Melonis zur ersten Frau im Amt der Ministerpräsidentin Italiens nicht als Fortschritt für Frauenrechte, sondern als möglichen Rückschritt. Die Wahlenthaltung vieler Frauen deutete sie als Protest gegen eine politische Ordnung, in der sie ihre Interessen nicht vertreten sähen. Nach der Bildung der Meloni-Regierung warnte sie, die Regierung könne den rechtlichen Rahmen für Abtreibungen unangetastet lassen und dennoch durch die Unterstützung von Pro-Life-Akteuren den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen erschweren. In Potere di altro genere. Donne, femminismi e politica untersuchte sie das Spannungsverhältnis zwischen einzelnen Frauen in Machtpositionen und fortbestehenden Strukturen von Ausbeutung, Gewalt, Armut und kultureller Marginalisierung von Frauen. Im Jahr 2026 veröffentlichte sie mit Rosi Braidotti und Jennifer Guerra Giù le mani dal femminismo, welches die Aneignung feministischer Begriffe durch reaktionäre Rechte und ihre Umdeutung für politische Projekte der Ausgrenzung kritisiert.

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