Johann Friedrich Kolle (* 14. März 1774 in Tangermünde; † 25. Juni 1830 in Hamburg) war ein deutscher Elbschiffer, Schiffsreeder und Kapitän. Während der Befreiungskriege wurde er durch die Herstellung und Organisation von Flussübergängen für die verbündeten Truppen bekannt. In Tangermünde wird er als „Kapitän Kolle“ erinnert.

Leben Johann Friedrich Kolle wurde am 14. März 1774 in Tangermünde geboren. Er stammte aus einfachen Verhältnissen und arbeitete bereits früh auf der Elbe. Später wurde er Steuermann, Kahnführer und Schiffer. Das Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg führt ihn als Schiffsreeder und Kapitän sowie als Erbauer einer Elbbrücke in der Franzosenzeit.

Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon im Jahr 1806 kehrte Kolle nach Tangermünde zurück. Ein 1935 in Das alte Tangermünde erschienener Beitrag berichtet, dass er im Auftrag Hamburger Kaufleute beladene Kähne auf der Elbe vor dem Zugriff französischer Truppen rettete.

Während der Befreiungskriege wurde Kolle 1813 von russischen Truppen eingesetzt. Er erhielt den Auftrag, sichere Übergänge über die Elbe zu erkunden und vorzubereiten. Im März 1813 war er an Unternehmungen im Raum Ferchland, Tangermünde und Werben beteiligt. Dabei geriet sein Kahn zeitweise in französische Hände; Kolle konnte entkommen und setzte seine Arbeit für die verbündeten Truppen fort.

Für seinen Einsatz wurde Kolle ausgezeichnet und zum Schiffskapitän ernannt. Später führte er russische Truppen erneut über die Elbe. Während der Völkerschlacht bei Leipzig soll er auf Befehl des schwedischen Kronprinzen Karl Johann eine Brücke über Parthe und Pleiße geschlagen haben, um der Nordarmee den Übergang zu ermöglichen.

Nach Napoleons Rückkehr von Elba im Jahr 1815 wurde Kolle erneut herangezogen. Er sollte zerstörte Brückenverbindungen in Frankreich wiederherstellen. Nach den Befreiungskriegen betrieb er ein Schifffahrtskontor in Hamburg. Seine Handelsbeziehungen reichten nach späteren Darstellungen bis Prag.

Kolle starb 1830 in Hamburg. Nach Tangermünder Angaben wurde er auf dem alten Friedhof in Tangermünde beigesetzt; sein Grab wurde bei einer späteren Umgestaltung des Friedhofs eingeebnet.

Auszeichnungen Kolle erhielt mehrere Auszeichnungen. Genannt werden unter anderem das Eiserne Kreuz 2. Klasse, russische Verdienstmedaillen, eine schwedische Verdienstmedaille sowie weitere Ehrungen. Außerdem soll er besondere Privilegien für seine Tätigkeit auf Wasserstraßen erhalten haben.

Erinnerung in Tangermünde mini|Relieftafel „1813 Kapitän Kolle“ am Tangermünder Stadtbrunnen

In Tangermünde blieb Kolle als „Kapitän Kolle“ Teil der städtischen Erinnerung. Am Stadtbrunnen vor der St.-Stephans-Kirche befindet sich eine Relieftafel mit der Aufschrift „1813 Kapitän Kolle“. Der 2006 geschaffene Stadtbrunnen zeigt auf mehreren Tafeln Personen und Motive aus der Geschichte Tangermündes.

Sein ehemaliges Wohnhaus in der Langen Fischerstraße 37 ist als historischer Fachwerkbau erhalten. Auch touristisch wird an Kolle erinnert: In den Tangermünder Exempel-Schlafstuben gibt es ein Themenzimmer mit dem Namen „Käpt’n Kolles Kajüte“.

Literatur Der königl. preußische und kaiserl. russische Tangermünder Schiffskapitän Johann Friedrich Kolle. In: Das alte Tangermünde. Nr. 34, 25. August 1926. Bedeutende Tangermünder: Johann Friedrich Kolle. In: Das alte Tangermünde. Nr. 11, 1935. M. Ehlies: Johann Friedrich Kolle. Ein altmärkischer Held der Freiheitskriege. In: Der Altmarkbote. Kulturblätter für Stadt und Land. 6. Jahrgang, 1961, S. 294–297.

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Einzelnachweise

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