Tahani Nadim (* 1977) ist eine österreichische Wissenschaftssoziologin. Seit 2024 ist sie Forschungsprofessorin für die Kuratierung digitaler Objekte kulturellen Wissens und Gedächtnisses an der Ruhr-Universität Bochum und am Kolleg für Sozial- und Geisteswissenschaften. Ihre Arbeit umfasst Wissenschaftssoziologie, Anthropologie, Wissenschaftsgeschichte, Kulturwissenschaften und die Digitalisierung von Natur, Sammlungen und Erinnerungskulturen.

Leben Nadim studierte von 1997 bis 2003 Kunst- und Designgeschichte am Camberwell College of Arts sowie Kultur, Wissenschaft und Technologie am Goldsmiths, University of London. Von 2006 bis 2012 promovierte sie am Zentrum für Erfindung und soziale Prozesse des Goldsmiths mit der Arbeit Inside the sequence universe. The amazing life of data and the people who look after them. Von 2013 bis 2015 war sie International Museum Fellow am Museum für Naturkunde in Berlin. Von 2015 bis 2017 war sie dort Postdoktorandin und von 2017 bis 2024 Juniorprofessorin in gemeinsamer Berufung der Humboldt-Universität zu Berlin und des Museums für Naturkunde. Von 2018 bis 2024 leitete sie am Museum für Naturkunde Berlin das Forschungszentrum Geisteswissenschaften der Natur.

Wirken Nadims Forschung untersucht, wie Datenpraktiken, digitale Infrastrukturen und kuratorische Verfahren Wissen über Natur, kulturelle Überlieferung und gesellschaftliche Teilhabe formen. An der Ruhr-Universität Bochum erforscht sie, wie digitale Technologien und digitale Sammlungspraktiken Erinnerungskulturen verändern; im Schwerpunkt Digitalisierung der Gesellschaft ist ein Gedächtnislabor für die digitale Archivierung solcher Bestände vorgesehen. Ein weiterer Schwerpunkt gilt Mensch-Umwelt-Beziehungen, Biodiversitätsverlust, Artenschutz und der Frage, wie Auswahl und Ausschluss in Praktiken des Bewahrens eingehen. Im Jahr 2015 entwickelte sie mit Åsa Sonjasdotter die Ausstellung Tote Wespen fliegen länger, die Wege von Sammlungsobjekten und Museumsarbeit aufzeigte. Im Forschungsprojekt Die Sprache der Datentiere befasste sie sich mit Etiketten, Katalogisierung, Inventarlisten und Schriftverkehr über Erwerb und Handel von Tieren. 2018/2019 gehörte sie zum kuratorischen Team der nGbK-Ausstellung Der Beeinflussungsapparat, die sich mit Bots, Datenpolitik, Automatisierung, Arbeit und menschlicher Handlungsmacht beschäftigte.

Veröffentlichungen (Auswahl) Nadim, T. (2021). The datafication of nature: Data formations and new scales in natural history. Journal of the Royal Anthropological Institute, 27(S1), 62–75. https://doi.org/10.1111/1467-9655.13480 Nadim, T., Vennen, M., Heumann, I., & Bertoni, F. (2024). Logistical natures: Trade, traffics, and transformations in natural history collecting. Historical Studies in the Natural Sciences, 54(2), 125–134. https://doi.org/10.1525/hsns.2024.54.2.125 Nadim, T. (2021). All the data creatures. In E. J. Gonzalez-Polledo & S. Posocco (Hrsg.), Bioinformation worlds and futures (S. 20–35). Routledge. https://doi.org/10.4324/9780367810030-2 Nadim, T. (2018). Haunting seedy connections. In C. Lury, R. Fensham, A. Heller-Nicholas, S. Lammes, A. Last, M. Michael & E. Uprichard (Hrsg.), Routledge handbook of interdisciplinary research methods (S. 239–247). Routledge. https://doi.org/10.4324/9781315714523-33

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