Hermann Alfons Stolterfoht, vollständig Carl Alphons Eduard Hermann Stolterfoht, Pseudonym Alfons Hermann (* in Riga; † 16. Oktober 1950 in Lübeck) war ein deutsch-baltischer Bibliothekar und Autor.

Leben Hermann Stolterfoht entstammte der Lübecker Familie Stolterfoht, die über Generationen mit der Firma J. N. Stolterfoht Tuchgroßhandel im internationalen Rahmen von Großbritannien bis ins Baltikum und nach Russland betrieb. Er war ein Sohn des Kaufmanns und französischen Konsularagenten Carl Stolterfoht (1843–1919) und dessen Frau Auguste, geb. Plessing (* 1853), einer Tochter von Philipp Wilhelm Plessing. Heinrich Alphons Plessing war sein Patenonkel.Taufeintrag, Kirchenbuch der Petrikirche (Riga) vom 5. September 1876, abgerufen über ancestry.com

Nachdem die Familie 1882 nach Lübeck übersiedelteStolterfoht, Carl, in: Wer ist’s? 7 (1914), S. 1662, wuchs Hermann Stolterfoht in Lübeck auf und besuchte das Katharineum zu Lübeck bis zum vermutlich durch Krankheit relativ späten Abitur Ostern 1899.Hermann Genzken: Die Abiturienten des Katharineums zu Lübeck (Gymnasium und Realgymnasium) von Ostern 1807 bis 1907. Borchers, Lübeck 1907 (Digitalisat), Nr. 1105 Mit Gustav Radbruch verband ihn seit der gemeinsamen Schulzeit ein lebenslange Freundschaft.Vgl. den Hinweis bei Radbruch; Der innnere Weg., Bd. 16 der Gustav-Radbruch-Gesamtausgabe, S. 181. Radbruch hat ihm die 1. Aufl. von Karikaturen der Justiz gewidmet, nach Gesamtausgabe Band 11, S. 728 An den Universitäten München und ab 1900 GöttingenDie Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen. Band 2, 1974 (digitalisat), S. 914 Nr. 72828 studierte er Geschichte. Er schloss dieses Studium jedoch nicht ab, sondern kehrte als Cand. phil. zurück nach Lübeck. Hier fand er 1911 eine Anstellung an der Stadtbibliothek Lübeck, zunächst als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter, später als Bibliothekar mit besonderer Verantwortung für den 1926 neuerbauten Lesesaal. Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung der Bibliothek wurde er 1934 im Alter von 58 Jahren in den Ruhestand versetzt.Jörg Fligge: Die Entwicklung der Stadtbibliothek Lübeck seit 1945. In: Jörg Fligge, Peter Borchardt (Hrsg.): Die wissenschaftliche Stadtbibliothek und die Entwicklung kommunaler Bibliotheksstrukturen in Europa seit 1945. Harrassowitz, Wiesbaden 2001, S. 41–137, hier S. 50

In verschiedenen Veröffentlichungen beschäftigte Stolterfoht sich mit der Geschichte der Stadtbibliothek und Lübecker Geschichte. 1925 machte er als Erster auf Thomas Manns Schülerzeitung Der Frühlingssturm aufmerksam. Zum Deutschen Juristentag 1931 in Lübeck erinnerte er gemeinsam mit Radbruch an den vorrevolutionären Lübecker Germanistentag von 1847.

Hermann Stolterfoht starb unverheiratet. Seine Urne wurde im Familiengrab auf dem Burgtorfriedhof beigesetzt.Grablage Petri A/B 29 I/II, abgerufen über ancestry. com 1926 schuf sein Kollege, der Bibliothekar und Medailleur Franz Weber, eine Porträtmedaille Stolterfohts zu dessen 50. Geburtstag.Beschreibung bei Heinz Röhl: Lübeck: Medaillen, Marken, Zeichen. Band 1, Schmidt-Römhild, Lübeck 1987, ISBN 978-3-7950-3201-2, S. 171.

Nachlass Der Nachlass Hermann Stolterfohts, der Manuskripte, Handexemplare, Kollektaneen und Briefe umfasst, kam an die Stadtbibliothek. Die Bibliothek hatte schon 1947 Stolterfohts umfangreiche Lubecensien-Sammlung erwerben können; sie half beim Wiederaufbau ihrer durch Auslagerung stark dezimierten Lubecensien-Abteilung.Jörg Fligge: Die Entwicklung der Stadtbibliothek Lübeck seit 1945. In: Jörg Fligge, Peter Borchardt (Hrsg.): Die wissenschaftliche Stadtbibliothek und die Entwicklung kommunaler Bibliotheksstrukturen in Europa seit 1945. Harrassowitz, Wiesbaden 2001, S. 41–137, hier S. 50 Einen Teil des Nachlasses mit Überlieferung zur Familiengeschichte gab die Bibliothek als Familienarchiv Stolterfoht an das Archiv der Hansestadt Lübeck abEintrag im Archivportal; ein anderer Teil mit Stolterfohts Forschungen zu Thomas Mann wird heute vom Archiv des Buddenbrookhauses verwahrt.Eintrag in der Kalliope-Datenbank

Werke (als Alfons Hermann): Aus Thomas Manns Schülerzeit. Eine Erinnerung zu seinem 50. Geburtstag am 6. Juni. in: Niedersachsen 30 (1925), S. 355–356. Entwicklung des staatlichen öffentlichen Bibliothekswesens. In: Lübeck seit dem 18. Jahrhundert. Lübeck 1926, S. 113–118. Bibliographie zur Geschichte der Lübecker Stadtbibliothek. Lübeck: Stadtbibliothek 1929 (= Veröffentlichungen der Stadtbibliothek der freien und Hansestadt Lübeck 3/1). (mit Gustav Radbruch): Die Lübecker Germanistenversammlung. Lübeck: Rathgens 1931 (Sonderdruck aus: Ehrengabe, dem Deutschen Juristentage überreicht vom Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Lübeck 1931, S. 103–121); wieder abgedruckt in: Gustav Radbruch: Kulturphilosophische und kulturhistorische Schriften. (Gesamtausgabe Band 4) Heidelberg: C.F. Müller 2002, ISBN 978-3-8114-2156-1, S. 246–260

Literatur Hermann Gustav Stolterfoht: Nachrichten über die Familie Stolterfoht. Verlag Max Schmidt, Lübeck 1920 (Digitalisat)

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