2001 ist das Debütalbum der Düsseldorfer Band Vibravoid. Es erschien im Jahr 2000 und wird stilistisch dem Neo-Psychedelic sowie dem Neo-Kraut Rock zugerechnet und in retrospektiven Fachrezeption als ein wichtiger Wegbereiter des Vinyl-Revivals in Deutschland eingeordnet.Uwe Göller: Vibravoid – 2001. In: Eclipsed Rock Magazin. Ausgabe Nr. 28, Dezember 2000. – Zitat: „an ruhige NEU! erinnernd [...] Syd Barrett hat seine Spuren hinterlassen.“

Entstehung und Produktion Christian Koch (auch bekannt als Doktor Koch) komponierte die Stücke zwischen 1994 und 1998. Die Aufnahmen und die Produktion erfolgten von 1997 bis 1999 im Düsseldorfer Studio „Das Kleine Analoge“ unter der Assistenz von Tontechniker Romano Granderath. Bei den Aufnahmen wirkte Vom Ritchie (Die Toten Hosen) als Studiomusiker mit, der zu der Zeit auch bei Vibravoid Konzerten spielte.Vibravoid – 2001. Erstauflagen: CD, Triggerfish Music, 2000, Kat.-Nr.: TF 009 / LP, Nasoni Records, 2001, Kat.-Nr.: Nasoni 017.Davide Pansolin: Kiss the sun. Il lungo viaggio dell'heavy psych 1980-2000. Tsunami Edizioni, Mailand 2024, ISBN 978-88-94859-87-4, S. 219–224. (italienisch)

Das Album wurde mit einer Tascam 8-Spur-Bandmaschine und einem Mitec 8-Kanal-Mischpult komplett analog aufgenommen. Um trotz der wenigen Kanäle die Klangqualität zu maximieren, wurde selbst der Talkback Kanal benutzt und der Mix als externe Summe aufgenommen. Das anschließende Mastering übernahm Kurt Dahlke (Pyrolator) in den Ata Tak Studios. Die Aufnahmen wurden für das von Grundig entwickelte „4D Stereo“ produziert, einer Variante des 2 Kanal Quadrofoniemixes.

Ursprünglich sollte das Album nach der benutzten Tascam Bandmaschine schlicht Tascam benannt werden, was jedoch wegen markenrechtlicher Bedenken verworfen wurde; das finale Stück The Tascam Mantra verweist auf diese Idee.Alexandra Wehrmann: Musik von hier: Vibravoid. In: Coolibri. Ausgabe September 2000. – Zitat: „The Tascam Recordings ist die brandneue CD der Düsseldorfer Formation Vibra Void.“ Der Albumtitel bezieht sich laut Christian Koch auf das erste Jahr des neuen Jahrtausends. In einem Interview im Ox-Fanzine aus dem Jahr 2001 erklärte er, die Bezeichnung sei gewählt worden, um dem Werk eine „aktuelle Gültigkeit von drei Jahren“ zu verleihen. Bei der CD-Erstveröffentlichung im Jahr 2000 sollte der Titel zukunftsweisend, im Jahr 2001 parallel zur Vinyl-Ausgabe zeitsynchron und im Folgejahr weiterhin gegenwärtig wirken. Der in manchen Medien genannte Zusatz 2001 Love Is Freedom geht auf das Vibravoid Credo zurück, das lediglich als Slogan auf den Tonträgern aufgedruckt war.Vibravoid – Love Is Freedom LP. In: Ox-Fanzine. Ausgabe Nr. 75, Dezember 2007/Januar 2008 (online, abgerufen am 28. Mai 2026).

Da sich kein Label finden ließ, das das Album veröffentlichen wollte, entschloss sich die Band, das Album selbst als CD zu verlegen. Im Dezember 2000 erschien über Triggerfish Records die CD im Digisleeve in einer Auflage von 2000 Stück.

Im September 2001 folgte die Veröffentlichung auf Vinyl über das Berliner Independent-Label Nasoni Records. Die Titelfolge unterscheidet sich von der CD-Version. Da das über sieben Minuten lange Stück Ballspeaker aus Platzgründen getrennt werden musste, wurde es auf der LP in zwei Teile aufgeteilt. Das Cover wurde als „Op Art Gimmick Cover“ mit einer bedruckten PVC Folie gestaltet, die durch Verschieben optische Täuschungen auf dem Grundmotiv erzeugt. Die Vinyl Erstauflage betrug 1150 Stück und verteilte sich auf eine gelbe Pressung (500 Stück), eine von innen nach außen abspielende blaue Pressung (500 Stück) sowie ein kombiniertes Doppelalbum (150 Stück). Das Cover zeigt eine für die damalige Zeit untypische Sammlung analoger Vintage-Effektgeräte. Die abgebildeten Geräte wurden bei der Produktion eingesetzt, um den für Musikproduktionen der 1960er-Jahre charakteristischen Klang zu erzeugen.

Wiederveröffentlichungen Das Album wurde mehrfach neu aufgelegt. 2005 erschien eine Auflage für den japanischen Markt mit alternativem Artwork über das Label Fall Out Boy Records.Vibravoid – 2001. Japan-Edition, LP, Fall Out Boy Records, 2005, Kat.-Nr.: Fall Out 006. Zum 15. Jubiläum folgten eine mit 18 Bonustracks aus der Frühphase erweiterte Doppel-CD mit Op Art Cover bei Stoned Karma Records sowie eine Box mit vier LPs inklusive 22 Bonustracks über Krauted Mind Records.Vibravoid – 2001 (15th Anniversary Edition). Remasterte Nachauflage, Box-Set, Krauted Mind Records, 2015.Claus Wittwer: Vibravoid – 2001: 15th Anniversary Edition. In: Ox-Fanzine. Ausgabe Nr. 121, August/September 2015 (online).

Die zum zwanzigjährigen Jubiläum für 2020 geplante Dreifach-Schallplatte verzögerte sich durch überlastete Presswerke bis Januar 2021. Diese über Stoned Karma Records veröffentlichte Edition enthält insgesamt 25 Bonustracks, ein 32-seitiges Booklet sowie das 1994 aufgenommene aber damals unveröffentlichte erste Album. Parallel dazu erschien eine auf 100 Exemplare limitierte Archiv-Box mit originalen Memorabilia der Band.Vibravoid – 2001. Nachauflage, 3-LP Box-Set, Stoned Karma Records, 2021, Kat.-Nr.: SK 024-LP.

Mitwirkende Musiker Bei den Stücken (She’s Just) 13, Mystery Ship, Lovely Lady Deb O’Nair und Ballspeaker bildeten Vom Ritchie (Schlagzeug) und Aloys André (Bass) die Rhythmusgruppe.Liner Notes des Albums 2001 (CD: Triggerfish Music, 2000 / LP: Nasoni Records, 2001).

Die Kerninstrumente wie Gesang, Gitarre, Effekte, Bass, Keyboard, Orgel, Percussions und Sitar wurden von Christian Koch eingespielt. Beim Eröffnungsstück Three Minutes For A Free Tibet übernahm Koch fast alle Instrumente selbst. Den Sprechtext steuerte die New Yorker Künstlerin Mary Buck bei, während Max Stamm einen Korg MS-20 Synthesizer bediente. Bei dem Stück Psychodrome wirkten Happi Müller (Bass) und Gunnar Kohlmetz (Schlagzeug) mit. Bei Inside The Electric Mind spielte Michael Gillmeister einen Roland MC-202 Synthesizer, Raphael Landauer saß am Schlagzeug und Ralph Blaha rezitierte ein dadaistisches Gedicht.Georg Louren: Vibravoid – 2001. In: Westzeit. Ausgabe Dezember 2000. – Zitat: „mit dada Konstruktionen unterlegt sind.“

Rezeption In der retrospektiven Fachrezeption wird das Album als die entscheidende Initialzündung des Neo-Kraut Rock eingeordnet. Während Vibravoid den Begriff bereits seit Ende der 1980er Jahre als Eigenbezeichnung nutzten, fand das Genre zur Veröffentlichung im Jahr 2000 in der zeitgenössischen Musikpresse kaum statt. Das Stadtmagazin Westzeit bescheinigte der Formation anlässlich der Album-Release-Party im November 2000 einen innovativen Psychedelic Sound, der weit über klassischen „08/15 Sixties-Rock“ hinausgehe; insbesondere elektronische Tracks wie Wok Boy stünden durch den konsequenten Einsatz von Grooveboxen in der direkten Tradition von Elektronik-Pionieren wie Kraftwerk oder Mouse on Mars.Vorbericht: Timetunnel: Dr. Koch’s UFO Club + Vibravoid CD-Release. In: Westzeit. November 2000. Das Magazin eclipsed zog im Dezember 2000 Vergleiche zu Pionieren des Genres wie NEU!. Erst die spätere, retrospektive Berichterstattung dokumentiert die solitäre Stellung des Werks und stellt fest, dass um die Jahrtausendwende keine weiteren Musikgruppen unter dieser Genrebezeichnung geführt wurden. Das Düsseldorfer Stadtmagazin Überblick bezeichnete das Werk im Oktober 2000 als „die erste und einzige Psychedelic-Platte aus Düsseldorf“. Vibravoid – 2001. In: Überblick (Düsseldorf). Ausgabe Oktober 2000. – Zitat: „zum Schluss gilt es [...] die erste und einzige psychedelic Platte aus Düsseldorf ist.“ Dirk Wortmann bewertete das Album im Magazin Prinz Düsseldorf als „seltene Ausnahme für lokale Veröffentlichungen auf internationalem Niveau“.Dirk Wortmann: Vibravoid – 2001. In: Prinz Düsseldorf. Ausgabe Dezember 2000. – Zitat: „Plattenveröffentlichungen auf internationalem Niveau sind nicht die Stärke Düsseldorfer Künstler. Vibravoid sind die Ausnahme der Regel.“ Alexandra Wehrmann wies im Stadtmagazin Coolibri unter dem vorläufigen Titel „The Tascam Recordings“ auf die Veröffentlichung hin.

In der internationalen Fachrezeption wird das Album als ein bewusster Gegenentwurf zum damaligen Zeitgeist der späten 1990er-Jahre eingeordnet. Der Musikjournalist Davide Pansolin verweist in seiner Studie über die europäische Heavy-Psych-Szene darauf, dass die Veröffentlichung von 2001 auf farbigem Vinyl zu einem Zeitpunkt stattfand, als dieses Format im kommerziellen Handel als nahezu obsolet galt. Zudem reaktivierte das Album stilistische Traditionslinien des frühen Kraut Rock und der Psychedelia, die sich deutlich von der damaligen Dominanz anderer Rock- und Metal-Genres abgrenzten.

Michael Siepe hob im Magazin Visions „die stets zwischen Genie und Wahnsinn pendelnden Ideen“, Sounds und Grooves hervor. In der Zeitschrift Raveline wurde angemerkt, „das Album sei zwar nichts für eingefleischte Techno-Kids, aber verdammt gut“ und vergab 5 von 6 Punkten.Plattenkritik: Vibravoid – 2001. In: Raveline. Ausgabe November/Dezember 2000. – Zitat: „ist zwar nix für eingefleischte Techno Kids aber verdammt gut. 5 von 6 Punkten.“ Das Magazin Westzeit besprach die Veröffentlichung und merkte an, dass die Stücke mit Dada-Konstruktionen unterlegt sind. Laut dem Musikjournalisten Thomas Zimmer gilt die Band als ein „Aushängeschild des Psychedelic Rock, das mit seinem 2000 erschienen Debütalbum dem Genre neues Leben einhauchte“.

Das Album erhielt auch internationale Kritiken. Das britische Bad Acid Magazine besprach das Album in seiner Ausgabe 2002.Dave Gedge: Vibravoid – 2001 Review. In: Bad Acid Magazine. Ausgabe 2002, S. 100. Im griechischen Gew Gaw Fanzine wurde das Werk als „das erste echte psychedelische Meisterwerk des neuen Jahrtausends aus Deutschland bezeichnet“.Vibravoid – 2001 Rezension. In: Gew Gaw Fanzine (Griechenland). Ausgabe 2001/2002. – Zitat: „This is the first real psychedelic masterpiece of the new millennium coming from Germany.“ Die späteren Jubiläums- und Wiederveröffentlichungen wurden unter anderem vom Ox-Fanzine, dem Onlinemagazin RockTimes, dem britischen Record Collector sowie den Musikportalen Prog Archives, Timemachine Productions und Writing About Music positiv besprochen.

Titelliste CD-Erstpressung (2000) Die originale Erstpressung auf CD umfasst neun Titel:

Vinyl-Erstauflage (2001) und Japan-Pressung (2005) Die originale Schallplatte über Nasoni Records und die japanische Version von 2005 nutzen folgende Aufteilung:

Einzelnachweise

Kategorie:Album 2000 Kategorie:Album (Psychedelic Rock) Kategorie:Vibravoid-Album