Linval Roy Carter, besser bekannt als Prince Jazzbo (* 3. September 1951 in Clarendon Parish, Jamaika; † 11. September 2013 in Homestead, Saint Catherine Parish), war ein jamaikanischer Deejay und Musikproduzent. Prince Jazzbo war bekannt für sein ausgefallenes Toasting, seine Hits waren Crab Walking, Jah Dread, Minstral und Croaking Lizard.
Leben Linval Carter kam im ländlich geprägten Landkreis Clarendon Parish zur Welt und wuchs in großer Armut auf. In seiner Jugend zog er in die ehemalige jamaikanische Hauptstadt Spanish Town, wo er eine musikalische Ausbildung beim Soundsystem The Whip machte.David Katz: Solid Foundation. An Oral History of Reggae. London 2024, S. 298.
Sein Können brachte ihn nach Kingston in das Studio One des Reggae-Produzenten Coxsone Dodd. Dort toastete Prince Jazzbo über eine Dub-Version von Horace Andys Reggae-Song Skylarking; in einem einzigen Take entstand mit Crabwalking eine veritable Hitsingle. Es folgten weitere Singles wie Crime Don’t Pay, Imperial I und School. Typisch für sein Toasting war die Verwendung von Sprüchen, Redewendungen und Rasta-Weisheiten. Das anschließende Debütalbum Choice of Version wurde jedoch von Coxsone ohne die Angabe von Gründen bis 1992 zurückgehalten.
Prince Jazzbo wechselte daraufhin zum Musikproduzenten Glen Brown und nahm für dessen Label Pantomine Records die gegen Coxsone gerichteten Spottlieder Mr. Harry Skank (1972) und Mr. Want It All (1973) auf. Später sagte er, dass er dem Label Studio One sehr viel verdanke und keinen Groll gegen Coxsone hege: „In the ’70s, Glen Brown is the man who give me a lot of encouragement. He get me to be self-reliant, but Coxson is a nice producer and I respect him very much.“David Katz: Solid Foundation. An Oral History of Reggae. London 2024, S. 298–299.
Einige Aufmerksamkeit erregte die von Bunny Lee angeregte Fehde zwischen Prince Jazzbo und dem Deejay I-Roy, die an die musikalischen Duelle der 1960er Jahre zwischen Prince Buster und Derrick Morgan angelehnt war. Auf Prince Jazzbos Straight to I Roy Head reagierte I-Roy mit Straight to Prince Jazzboe Head und Jazzbo Have Fe Run. In einem anderen Song behauptete Jazzbo: „You’re a boy, I-Roy, that imitate the great U-Roy“.Kurioserweise stand auf dem Debütalbum Version Galore von 1971 ganz fett I-Roy statt U-Roy auf dem Plattencover, siehe hier: (zum Vergrößern auf Cover klicken) Das UK-Label Live And Love veröffentlichte bereits 1975 eine Zusammenstellung der Duell-Singles unter dem Titel Step Forward Youth, dazu auf Seite 2 die Instrumentalversionen der Studioband Tommy McCook & The Agrovators.
Ab 1974 nahm er einige seiner Songs im neu eröffneten Studio Black Ark des Produzenten Lee Perry auf. Begleitet wurde er von der Studioband The Upsetters mit Boris Gardiner am E-Bass, Earl „Chinna“ Smith an der Leadgitarre, Bobby Ellis auf der Trompete und Richard „Dirty Harry“ Hall am Saxophon. Eine Zusammenstellung der Singles erschien 1976 unter dem Titel Natty Passing Thru’ (UK) bzw. 1979 als Ital Corner (US). Auf dem Riddim von Chase the Devil von Max Romeo entstand Croaking Lizard. Ad-Rock von den Beastie Boys hatte Croaking Lizard auf seinem Toyota Corolla Mixtape und zählte den Song zu seinen Favoriten: „Just a great space-out jam. One of whose ones that’s magical.“ (Einfach eine großartige, abgefahrene Jam. Eine von denen, die etwas Magisches an sich haben.)Michael Diamond, Adam Horovitz: Beastie Boys Book. Spiegel & Grau, New York 2018, S. 322 (englisch)
Ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre trat Prince Jazzbo zunehmend als Musikproduzent in Erscheinung. So produzierte er Platten von Frankie Paul wie Rubber Dub Market und Shut Up Bway sowie von Mad Cobra (Goldmine). Prince Jazzbo gründete nacheinander die Plattenlabel Count 1.2.3, Briscoe, Mr. Funny und Ujama. Im Jahr 1993 veröffentlichte er auf dem Ujama-Label seine beiden Alben Step Forward und Wise Shepherd.David V. Moskowitz: Caribbean Popular Music. An Encyclopedia of Reggae, Mento, Ska, Rock Steady, and Dancehall. Greenwood Press, Westport 2006, ISBN 0-313-33158-8, S. 241–242
Tod Prince Jazzbo starb am 11. September 2013 im Alter von 62 Jahren an Lungenkrebs.Prince Jazzbo dies In: Jamaica Observer vom 12. September 2013 (englisch)
Diskografie (Auswahl) Singles 1972: Crab Walking (Bongo Man) 1972: Jah Dread (Bongo Man) 1973: Mr. Harry Skank (Pantomine) 1976: Chase the Devil / Croaking Lizard – Max Romeo / The Upsetters feat. Prince Jazzbo (Island Records)
Alben 1972: Choice of Version (Studio One, 1992) 1975: Step Forward Youth – Prince Jazbo vs. I-Roy (Live and Love) 1976: Natty Passing Thru’ (Black Wax, UK) 1976: Kick Boy Face (Third World) 1979: Ital Corner (Clocktower Records, US) 1993: Step Forward (Ujama) 1993: Wise Shepherd (Ujama) 2000: Mr. Funny (Pressure Sounds) 2003: Pepper Rock (Studio One) 2009: Get Tonight Brother – Prince Jazz Bo (Abraham) 2009: Once Upon a Time at King Tubby’s – Prince Jazzbo, I-Roy, Derrick Morgan, King Tubby & The Aggrovators (Pressure Sounds) 2025: Black Heart Man – Bushay Collection 1974–1978 (Lantern)
Produktionen 1987: Rubber Dub Market – Frankie Paul (Ujama) 1987: Shut Up Bway – Frankie Paul (Ujama) 1993: Goldmine – Mad Cobra (Ujama)
Literatur
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Dancehall-Sänger Kategorie:Pseudonym Kategorie:Musiker (Jamaika) Kategorie:Jamaikaner Kategorie:Geboren 1951 Kategorie:Gestorben 2013 Kategorie:Mann