mini|300px|Naturschutzgebiet Weiherwiesen, Fundort des Kastells

Das Kastell Essingen-Weiherwiesen ist ein ehemaliges römisches Militärlager im Naturschutzgebiet Weiherwiesen auf dem Gebiet der baden-württembergischen Gemeinde Essingen im Ostalbkreis.

Lage, Entdeckung und Erforschung

Die Fundstelle liegt auf den nördlichen Randhöhen des Albuch unweit des Albtraufs in dem auf 670 m NHN gelegenen sumpfigen Gebiet der Weiherwiesen, in dem der anstehende Kalk des Weißen Jura von sogenannten „Feuersteinlehmen“ bedeckt ist. Diese Lehme sind stark tonhaltig, von faustgroßen Kieselknollen durchsetzt und sehr wasserundurchlässig, was zu der Bildung von Teichen in diesem Gebiet geführt hat. Eisenoxide geben den Lehmen eine rote bis braungraue Färbung. Durch Auswaschung des Kalks haben sie einen sauren pH-Wert. Im heutigen siedlungsgeographischen Bild liegt der Fundplatz gut drei Kilometer Luftlinie südlich der Ortsmitte von Essingen.Alois Kapfer, Heinz Bohn: Die Weiherwiesen. Landschaftsgeschichte eines Schutzgebietes des Schwäbischen Heimatbundes auf der Ostalb. In: Schwäbische Heimat 67, Heft 2, 2016, S. 179–188 (Digitalisat).

Die Konturen des Kastells wurden 1987 durch den Luftbildarchäologen Otto Braasch entdeckt.Otto Braasch: Neue Ergebnisse der Flugprospektion. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1990. Theiss, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0872-7, S. 303–315, insbesondere S. 308–312. 1989 und 1990 wurde die Fundstelle im Rahmen eines Forschungsprojektes zur frühen Metallverhüttung auf der Ostalb von Martin Kempa mituntersucht und teilweise ausgegraben.Martin Kempa: Die vor- und frühgeschichtliche Eisengewinnung und -verarbeitung auf der östlichen Schwäbischen Alb. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1989. Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0830-1, S. 242–246.Martin Kempa: Zwei Jahre archäometallurgische Forschungen auf der Ostalb. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1990. Theiss, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0872-7, S. 175–179. Zusätzlich erfolgte 1990 noch eine geomagnetische Prospektion durch Jörg Faßbinder. Durch die koordinierte Anwendung von Luftbildarchäologie, Geomagnetik und konventioneller Ausgrabung gelang es, ein recht gutes Bild des ehemaligen Kastells zu gewinnen.Jörg Faßbinder: Magnetische Prospektion eines römischen Kastells auf den »Weiherwiesen« bei Essingen, Ostalbkreis. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1990. Theiss, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0872-7, S. 172–175.

Archäologische Befunde

Das Kastell stellte sich als annähernd quadratische, 89,2 m mal 93,3 m (≈ 0,83 ha) messende Anlage (wovon 0,6 ha auf die reine Innenfläche entfielen) mit abgerundeten Ecken dar, die von einem einfachen, 4,50 m breiten und 2,20 m tiefen Spitzgraben umgeben war. Hinter dem Graben erhob sich nach einer zwei Meter breiten Berme möglicherweise eine Rasensodenmauer. Die Breite des Intervallums, des Bereichs zwischen der Mauer und der bebauten Innenfläche, belief sich auf vier Meter. Diese Größe lässt auf die Stationierung eines Numerus schließen, einer Auxiliareinheit im Umfang von zwei Centurien mit einer Sollstärke von 160 Mann. An der Nord-, Ost- und Südseite konnten Grabendurchlässe identifiziert werden. Besonders aussagekräftig waren dabei die Befunde im Norden, wo die Details einer offenbar zweiflügeligen Toranlage mit Tortürmen erkannt wurden. In der Südwestecke des Lagers waren die Pfostensetzungen eines mutmaßlichen Eckturms zu erkennen, weitere Ecktürme werden vermutet. Im Innenbereich konnte an der Ostseite ein Gebäude ermittelt werden, das in Schwellbalkentechnik konstruiert war und insgesamt zwei Bauphasen aufwies. Das Fundmaterial, darunter Südgallische Terra Sigillata und zwei Münzen, spricht für eine Belegungsdauer von der frühdomitianischen Zeit (wohl um das Jahr 85 u. Z.) bis gegen die Mitte des zweiten Jahrhunderts. Für die Auflassung des Lagers wird der Terminus post quem durch eine Münze des Kaisers Hadrians (117–138) vorgegeben. Die Auflassung scheint planmäßig erfolgt zu sein, wofür ungeheure Mengen an Eisenschlacke sprechen, die offenbar bewusst und systematisch zur Verfüllung des Grabens genutzt wurden. Diese sprechen für einen Eisenverhüttungsbetrieb in relativer Nähe des Lagers. Fragen wirft noch ein Befund auf, der unmittelbar östlich an das Kastell angrenzt. Dort zeigte sich eine Grabenanlage mit Innenbebauung. Es ist noch nicht geklärt, ob es sich dabei um eine separate Bauphase handelt oder um ein Annexkastell, also einen Anbau an ein Hauptkastell.Das Kastell auf den Weiherwiesen auf aa-history.de, abgerufen am 28. Mai 2026.

Zusammen mit dem Kastell Deggingen und dem Kastell Lauchheim spricht das Kastell Weiherwiesen dafür, dass der Alblimes keine rein lineare, sondern eine in der Tiefe gestaffelte Grenze war, bei der einzelne vorgeschobene Posten bestimmte neuralgische Punkte sicherten. Konkret hatte die namentlich nicht bekannte Besatzung des Lagers in Essingen wohl die Aufgabe, die auf den Nordalbuch führenden Steigen zu überwachen.Dieter Planck: Essingen (AA). Römisches Kastell. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart, 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 80.

Literatur Otto Braasch: Neue Ergebnisse der Flugprospektion. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1990. Theiss, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0872-7, S. 303–315, insbesondere S. 308–312. Jörg Faßbinder: Magnetische Prospektion eines römischen Kastells auf den »Weiherwiesen« bei Essingen, Ostalbkreis. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1990. Theiss, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0872-7, S. 172–175. Alois Kapfer, Heinz Bohn: Die Weiherwiesen. Landschaftsgeschichte eines Schutzgebietes des Schwäbischen Heimatbundes auf der Ostalb. In: Schwäbische Heimat 67, Heft 2, 2016, S. 179–188 (Digitalisat). Martin Kempa: Die vor- und frühgeschichtliche Eisengewinnung und -verarbeitung auf der östlichen Schwäbischen Alb. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1989. Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0830-1, S. 242–246. Martin Kempa: Zwei Jahre archäometallurgische Forschungen auf der Ostalb. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1990. Theiss, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0872-7, S. 175–179. Dieter Planck: Essingen (AA). Römisches Kastell. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart, 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 80.

Weblinks Das Kastell auf den Weiherwiesen auf aa-history.de

Einzelnachweise

Essingen Essingen Essingen Kategorie:Erbaut im 1. Jahrhundert Kategorie:Archäologischer Fundplatz im Ostalbkreis Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Europa Kategorie:Essingen (Württemberg) Kategorie:Abgegangenes Bauwerk im Ostalbkreis