Das Centre for Media Pluralism and Media Freedom (CMPF) ist ein unabhängiges Forschungszentrum des European University Institute (EUI) in Fiesole bei Florenz. Es befasst sich mit Forschung, Monitoring und Kapazitätsaufbau zu Medienpluralismus, Pressefreiheit und Medienpolitik in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Das Zentrum ist Teil des Robert Schuman Centre for Advanced Studies und wird von der Europäischen Union mitfinanziert. Zur Wahrung seiner Unabhängigkeit nimmt das CMPF keine Mittel von nationalen Regierungen oder privaten Unternehmen an.Centre for Media Pluralism and Media Freedom: About us. Online: cmpf.eui.eu
Das bekannteste Produkt des CMPF ist der Media Pluralism Monitor (MPM), ein Messinstrument zur Erfassung von Risiken für den Medienpluralismus in EU-Mitgliedstaaten und Kandidatenländern. Die Ergebnisse des MPM fließen seit 2020 in den jährlichen Rechtsstaatlichkeitsbericht der Europäischen Kommission ein.Europäische Kommission (2025): Publication of the 2025 Media Pluralism Monitor. Online: digital-strategy.ec.europa.eu
Geschichte
Das CMPF wurde 2012 am European University Institute in Florenz gegründet, zunächst koordiniert von Paula Gori.Voices Festival (2026): Rednerprofil Paula Gori. Online: voicesfestival.eu Den institutionellen Anstoß lieferte das europäische Interesse an einem verlässlichen Messinstrument für Medienpluralismus: Ein erster Grundlagenbericht war 2009 von einem Konsortium aus KU Leuven, der Central European University und der Jönköping International Business School im Auftrag der Europäischen Kommission erarbeitet worden.Europäische Kommission: Media Pluralism Monitor – Background. Online: digital-strategy.ec.europa.eu
2013 bewilligte das Europäische Parlament erstmals 500.000 Euro für eine Pilotimplementierung des Instruments und vergab das entsprechende Förderprojekt an das CMPF. Das Zentrum vereinfachte das bestehende Indikatorenset und testete es in neun EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Italien und dem Vereinigten Königreich. Der Abschlussbericht dieser ersten Phase wurde im Januar 2015 veröffentlicht.Europäische Kommission (2015): Monitoring Media Pluralism in Europe – Testing and Implementation of the Media Pluralism Monitor 2014 (MPM2014). 22. Januar 2015. Online: digital-strategy.ec.europa.eu
In einer zweiten Phase (ab November 2014, Förderung: 500.000 Euro) testete das CMPF das Instrument in den restlichen 19 EU-Mitgliedstaaten. Ab 2016 wurde der MPM auf alle EU-Mitgliedstaaten sowie Kandidatenländer ausgedehnt; in dieser dritten Phase wurde auch das Monitoring in der Türkei und Montenegro durchgeführt. 2018 erfolgte eine umfangreiche Methodenrevision, um digitale Plattformen als Einflussgröße auf den Medienpluralismus systematisch zu erfassen (MPM2020 und folgende Iterationen).Europäische Kommission (2020): Media Pluralism Monitor 2020: Upgraded Media Pluralism Monitor confirms risks to media pluralism across the EU. 23. Juli 2020. Online: digital-strategy.ec.europa.eu
Seit seiner Gründung wird das CMPF von Prof. Pier Luigi Parcu geleitet. Parcu ist seit 2010 Teilzeitprofessor am EUI und leitet dort zugleich das Florence Competition Programme und das FSR Communications & Media.ResearchGate: Pier Luigi Parcu – Forscherprofil. Online: researchgate.net
Aufgaben und Tätigkeitsfelder
Das CMPF gliedert seine Tätigkeit in drei Kernbereiche: Forschung und Monitoring, Ausbildung sowie Veranstaltungen und Politikberatung.
Forschung und Monitoring
Media Pluralism Monitor (MPM)
Der Media Pluralism Monitor (MPM) ist das Flaggschiffprojekt des CMPF und wird von der Europäischen Kommission auf Grundlage von Haushaltsmitteln des Europäischen Parlaments gefördert. Das Instrument erfasst mit rund 200 Variablen, strukturiert in 20 Indikatoren, Risiken für den Medienpluralismus in vier Dimensionen:CMPF: Media Pluralism Monitor. Online: cmpf.eui.eu
Fundamentaler Schutz (Fundamental Protection): rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen für Pressefreiheit und Medienpluralismus Marktpluralismus (Market Plurality): Medienkonzentration, wirtschaftliche Tragfähigkeit, Einfluss digitaler Plattformen Politische Unabhängigkeit (Political Independence): Unabhängigkeit von Medien gegenüber staatlichem und politischem Einfluss Soziale Inklusivität (Social Inclusiveness): Repräsentation von Frauen, Minderheiten und lokaler Öffentlichkeit im Mediensystem
An jedem Implementierungszyklus sind über 70 Forscherinnen und Forscher beteiligt, darunter ein CMPF-Kernteam sowie nationale Expertenteams in jedem Erhebungsland. Seit 2016 deckt der MPM alle EU-Mitgliedstaaten sowie ausgewählte Kandidatenländer ab; MPM2025 umfasst 32 Länderberichte. Die Ergebnisse des MPM werden seit 2020 als Grundlage für die Medienpluralismus-Dimension im jährlichen Rechtsstaatlichkeitsbericht der Europäischen Kommission genutzt.Parcu, Pier Luigi (2026): The EU measures media freedom country by country, but cross-border risks remain overlooked. In: The Conversation. Online: theconversation.com Die Länderberichte sind Grundlage für die Beschreibung regionaler Aspekte von Medienunternehmen (siehe zum Beispiel: Medienunternehmen in Finnland).
Observatorium zum European Media Freedom Act (EMFA)
Das CMPF betreibt seit 2022 das Observatory on the European Media Freedom Act, ein Forschungs- und Diskussionsforum zur Umsetzung des European Media Freedom Act (EMFA). Das Observatorium analysiert die Implementierung des im August 2025 in Kraft getretenen EMFA in den Mitgliedstaaten, insbesondere zu den Themen redaktionelle Unabhängigkeit, Transparenz von Medieneigentümerschaft, Schutz von Journalistinnen und Journalisten sowie Einfluss digitaler Plattformen. Es veröffentlicht Analysen in Form von Policy-Berichten, akademischen Artikeln und Blogbeiträgen und richtet regelmäßig Fachworkshops und Konferenzen aus.CMPF: Observatory on the European Media Freedom Act. Online: cmpf.eui.eu
Europäisches Digitales Medienobservatorium (EDMO)
Das CMPF ist seit der Gründung des European Digital Media Observatory (EDMO) in dessen Konsortium eingebunden und leitet innerhalb des Projekts den Policy-Bereich. EDMO wurde von der Europäischen Kommission als netzwerkbasiertes Instrument zur Bekämpfung von Desinformation ins Leben gerufen und bringt Faktencheckerinnen und Faktenchecker, Medienforschende und Medienkompetenzexpertinnen und -experten aus ganz Europa zusammen. Das Gesamtkonsortium wird vom EUI koordiniert.CMPF: European Digital Media Observatory. Online: cmpf.eui.eu
Weitere Projekte
PROMPT (PROmoting media pluralism and transparency in Ukraine): Projekt zur Förderung von Medienpluralismus und Transparenz in der Ukraine, das auf die Stärkung unabhängiger Medien und Medienfreiheitsstrukturen in einem kriegsführenden demokratischen Staat zielt.CMPF: Projects. Online: cmpf.eui.eu Local Media for Democracy: Forschungsprojekt zu lokalen Medien als Grundlage demokratischer Öffentlichkeit. FLODIR (Florence Observatory on Digital Regulation): Observatorium zur kohärenten Anwendung des entstehenden EU-Digitalrechts (u. a. Digital Services Act, Digital Markets Act). Studie zu Medienpluralismus und -vielfalt im digitalen Umfeld: Im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführte Studie in Kooperation mit KU Leuven (CiTiP), der Universität Amsterdam (IViR) und der Vrije Universiteit Brussel (SMIT) zu Regulierungsfragen der Online-Medienvielfalt.CMPF: Study on Media Plurality and Diversity Online. Online: cmpf.eui.eu
Ausbildung
Seit 2012 veranstaltet das CMPF jährlich eine Summer School for Journalists and Media Practitioners auf dem EUI-Campus in Fiesole. Das einwöchige Residenzprogramm richtet sich an Journalistinnen und Journalisten sowie Medienfachleute der frühen und mittleren Karrierephase aus ganz Europa und weltweit. Themenschwerpunkte sind Medienfreiheit, EU-Medienpolitik, neue Geschäftsmodelle im Journalismus und der Einfluss digitaler Technologien. Die Sommerschule bietet vollfinanzierte Stipendien; seit 2025 sind diese auch für Bewerberinnen und Bewerber aus Nicht-EU-Ländern geöffnet.CMPF: CMPF Training Programme. Online: cmpf.eui.eu
Veranstaltungen
Das CMPF organisiert das Voices – European Festival of Journalism and Media Freedom, ein Veranstaltungsformat, das Bürgerinnen und Bürger, Journalistinnen und Journalisten sowie Medienfachleute zum Austausch über die Zukunft von Medienfreiheit und Informationsqualität zusammenbringt. Die dritte Ausgabe fand im März 2026 in Florenz statt.CMPF: Voices – European Festival of Journalism and Media Freedom. Online: cmpf.eui.eu
Finanzierung und Unabhängigkeit
Das CMPF wird von der Europäischen Union kofinanziert und nimmt ausdrücklich keine Mittel von nationalen Regierungen oder privaten Unternehmen an. Diese institutionelle Unabhängigkeitsregel soll politische und kommerzielle Einflussnahme auf die Forschungsergebnisse ausschließen. Der MPM wird als Vorbereitungsmaßnahme des Europäischen Parlaments von der Europäischen Kommission über das Programm Digitales Europa und vergleichbare Instrumente gefördert; die Projektergebnisse spiegeln ausschließlich die Ansichten des CMPF und nicht notwendigerweise die Position der Europäischen Kommission wider.
Bedeutung und Rezeption
Die Ergebnisse des Media Pluralism Monitor werden in den jährlichen Rechtsstaatlichkeitsberichten der Europäischen Kommission als Referenzquelle für den Medienpluralismus herangezogen. Das CMPF hat außerdem als wissenschaftlicher Berater zur Entstehung des European Media Freedom Act (EMFA) beigetragen und umfangreiche Stellungnahmen gegenüber dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission im Gesetzgebungsverfahren eingereicht.CMPF (2023): The European Media Freedom Act: media freedom, freedom of expression and pluralism. Studie für den LIBE-Ausschuss des Europäischen Parlaments. Online: europarl.europa.eu
Pier Luigi Parcu formuliert die Zielsetzung des CMPF: Medienpluralismus und Pressefreiheit seien nicht nur Aspirationswerte, sondern wesentliche Voraussetzungen für funktionierende Demokratien; der Schutz unabhängiger Medien erfordere kontinuierliche Forschung und faktenbasierte Politikgestaltung.CMPF (2025): Monitoring Media Pluralism in the European Union – Results of the MPM2025. EUI. Online: hdl.handle.net
Institutionelle Einbettung
Das CMPF ist Teil des Robert Schuman Centre for Advanced Studies am European University Institute und arbeitet eng mit dem Florence School of Regulation – Communications and Media zusammen. Das EUI ist eine auf Postgraduierten-Forschung spezialisierte zwischenstaatliche Organisation der EU-Mitgliedstaaten mit Sitz auf dem ehemaligen Konventsgelände San Domenico di Fiesole bei Florenz.
Literatur Brogi, Elda; Nenadic, Iva; Parcu, Pier Luigi (2023): Media Pluralism in the Digital Era. Legal, Economic, Social, and Political Lessons Learnt from Europe. Routledge, London. ISBN 978-1-032-56761-7. CMPF (2025): Monitoring Media Pluralism in the European Union – MPM2025 General Report. EUI, Fiesole. DOI: hdl.handle.net/1814/92916
Weblinks
CMPF – offizielle Website Media Pluralism Monitor – Projektseite EMFA Observatory Media Pluralism Monitor – Europäische Kommission
Einzelnachweise
Kategorie:Gegründet 2012 Kategorie:Organisation (Florenz) Kategorie:Medien und Politik Kategorie:Organisation (Medienwissenschaft)